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Windows Live® Suchergebnisse BankwesenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Aufgaben; Frühes Bankwesen; Bankwesen in Europa; Bankwesen in Nordamerika; Bankwesen an anderen wichtigen Wirtschafts- und Finanzstandorten; Die Rolle der Zentralbanken; Internationales Bankwesen
Bankwesen, alle von Banken durchgeführten Transaktionen und die damit befassten Einrichtungen. Die Gesamtheit der Banken besteht aus Zentralbanken, privaten und öffentlichen Geschäftsbanken, Bausparkassen, Sparkassen und Spezialkreditinstituten. Alle Länder unterstellen ihre Banken der Aufsicht durch Regierungsbehörden, in der Regel sind dies die Zentralbank sowie ggf. weitere Aufsichtsbehörden, wie in Deutschland die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht.
Im weitesten Sinn befasst sich das Bankwesen mit der Aufbewahrung und Übertragung von Geldmitteln, der Gewährung von Krediten, dem Umtausch von Währungen sowie der Überprüfung der Bonität (Kreditwürdigkeit) von Wirtschaftseinheiten. Eine ihrer traditionellen Hauptaufgaben, nämlich die sichere Aufbewahrung von Geld und anderen Vermögensgegenständen, erfüllen die Banken durch den Einsatz von Sicherungseinrichtungen wie Tresoren sowie meist durch Versicherung gegen Diebstahl. Einige Institute bieten auch Depots für Wertgegenstände an. Die Übertragung von Geld erfolgt mit Hilfe von Wertpapieren, Schecks oder mittels direkter Überweisungen auf elektronischem Weg. Kreditkarten und Kundenkarten der Kaufhäuser, Geldautomaten, Bankgeschäfte per Computer (siehe Homebanking), Telefonbanking und andere Dienstleistungen, die die Banken heute anbieten, bieten dem Kunden eine Vielzahl von Möglichkeiten, jederzeit über sein Geld zu verfügen. Elektronische Abrechnungsstellen leisten ähnliche Dienste für Geschäftskunden, indem sie regelmäßige Zahlungen, beispielsweise der Angestelltengehälter, durchführen. Neben den Banken bieten auch Treuhandgesellschaften (Kapitalanlagegesellschaften) längerfristige Anlageformen an. Das bei ihnen eingelegte Geld verwenden die Banken zur Vergabe von Krediten an ihre Kunden. Dafür erhalten sie Zinsen. Diese wiederum stellen, nach Abzug der auf die Einlagen gezahlten Zinsen und aller übrigen Kosten, ihren Gewinn dar. Die Sicherung der Kreditforderungen gegen die Gefahr von Zahlungsausfällen kann über die Belastung von Grundstücken mittels Hypotheken oder Grundschulden oder durch Bürgschaften von Seiten Dritter erfolgen. Durch Überbrückungskredite und Bürgschaften können Banken auch Kunden unterstützen, die ein Darlehen von einer anderen Institution aufnehmen. Schließlich bieten die Banken auch den Umtausch von Devisen sowie die Abwicklung grenzüberschreitender Finanztransaktionen an.
Die Anfänge des Bankwesens reichen zurück bis ins Mittelalter. In den reichen norditalienischen Handelsstädten stiegen Geldwechsler zu Bankiers auf, die Einlagen annahmen, Kredite gewährten und örtliche wie überregionale Zahlungen ihrer Kunden per Giroverkehr (siehe Girosystem) und Wechselbriefe abwickelten. Messen wurden von Waren- zu Kapitalmärkten. Beispielsweise übertraf auf den bedeutenden Messen der Champagne schon im 13. Jahrhundert der Wechselumlauf den Wert der Waren. Die Templer, ein militärischer und religiöser Orden, verwahrten zur Zeit der Kreuzzüge Wertsachen für andere und vergaben Darlehen. Da sie regelmäßig Geld und Güter von Europa nach Palästina transferierten, schufen sie ein gut funktionierendes Bankensystem, das bald auch die europäischen Herrscher und Adelshäuser in Anspruch nahmen. Die großen Bankiersfamilien der Renaissance, wie die Medici in Florenz, waren im Geldverleih und in der Finanzierung des internationalen Handels aktiv. Die ersten modernen Banken wurden im 17. Jahrhundert gegründet, so etwa die Riksbank in Schweden (1656) und die Bank von England (1694). In England geriet im 17. Jahrhundert das Geschäft der Goldschmiede zum Modell für das moderne Bankwesen. Die Goldschmiede nahmen Edelmetallbestände zur Aufbewahrung in ihre Lager und händigten sie den Eigentümern auf Wunsch wieder aus. Bald entdeckten sie, dass die Menge Gold, die die Eigentümer abriefen, in jedem Zeitpunkt nur einen gewissen Teil des insgesamt gelagerten Goldes ausmachte. Daraus folgte, dass sie die verbleibende Menge Goldes vorübergehend an Dritte ausleihen konnten. Im Gegenzug erhielten sie einen Schuldschein über den Wert des verliehenen Goldes zuzüglich Zinsen. Mit der Zeit traten an die Stelle des Goldes Papierzertifikate, die bestimmten Goldmengen gleichwertig waren, da sie gegen Goldmünzen getauscht werden konnten. Da die Inhaber ihre Papierzertifikate nie alle zugleich umtauschten, konnten die Goldschmiede Zertifikate im Wert eines Vielfachen des Goldes ausgeben, die ebenso wie das Edelmetall als Zahlungsmittel dienten. Auf diese Weise überstieg der Gesamtwert der in Umlauf befindlichen Zertifikate den Wert des Goldes, das ihnen zugrunde lag. Zwei Merkmale dieses Goldreservesystems (siehe Goldwährung) kennzeichnen auch heute noch das Geldwesen und die Bankgeschäfte: Erstens übersteigen die monetären (geldlichen) Verbindlichkeiten des Bankensystems bzw. die monetären Forderungen der Nichtbanken gegen die Banken die Reserven des Bankensystems. Diese Eigenheit war eine der Voraussetzungen für die Industrialisierung der westlichen Welt und gilt unverändert als eine notwendige Bedingung für Wirtschaftswachstum: eine Wirtschaft kann nur dann wachsen, wenn die Unternehmen Finanzmittel für Investitionen aufnehmen können, die erst später, wenn die mit Hilfe der Investitionsgüter hergestellten Konsumgüter verkauft wurden, wieder zurückgezahlt werden müssen. Allerdings gilt es, die Geldmenge zu kontrollieren, denn der Umlauf von zu viel Geld kann zu Inflation und damit zur Störung des Wirtschaftsablaufs führen. Das zweite Merkmal besteht darin, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten der Banken, d. h. die Einlagen ihrer Kunden und das von anderen Banken geliehene Geld, jederzeit verfügbar, d. h. ohne Verzug in Bargeld umtauschbar sind, während die Aktiva (Darlehensforderungen und Geldvermögensanlagen), die in den Bilanzen der Bank ausgewiesen sind, in der Regel für eine gewisse Zeit gebunden sind. Die Existenz von Geld, das nur zu einem Teil durch Sachvermögen gedeckt ist, ermöglicht es also Verbrauchern, Unternehmen und Regierungen, Geschäfte zu finanzieren, die sonst zurückgestellt oder gestrichen würden. Andererseits birgt sie aber auch die Gefahr von Liquiditätskrisen im Bankgewerbe: Wenn ein ungewöhnlich großer Teil der Kontoinhaber die Auszahlung seiner Guthaben verlangt und das Bankensystem darauf nicht lückenlos reagieren kann, weil nicht genügend flüssige (liquide) Mittel vorhanden sind, müssen die Banken entweder die Auszahlung verweigern oder aber so lange zahlen, bis ihre Geldbestände erschöpft sind. Eine Schlüsselfunktion der Zentralbanken ist daher die Überwachung der Kreditvergabe und der Reservehaltung der Geschäftsbanken, um so die Möglichkeit eines Ansturms auf einzelne Banken auszuschließen. Solch ein Ansturm könnte letztlich das gesamte System der über Kreditbeziehungen miteinander verflochtenen Banken erschüttern. Die Zentralbank ist in der Regel auch darauf vorbereitet, als Verleiher für das Bankgewerbe tätig zu werden, d. h., sie stellt im Falle umfangreicher Rückforderungen von Einlagen die nötigen liquiden Mittel zur Verfügung. Dies geschieht allerdings nicht in jedem Fall, wie sich im Jahr 1995 zeigte, als die Bank von England sich weigerte, die in Zahlungsschwierigkeiten geratene Investmentbank Barings vor dem Zusammenbruch zu retten.
Seit dem 17. Jahrhundert nimmt Großbritannien eine herausragende Stellung im Bankgewerbe ein. London ist nach wie vor eines der großen Finanzzentren der Welt. Fast alle führenden Geschäftsbanken sind dort vertreten. Abgesehen von der altehrwürdigen Bank von England, die als öffentliche Körperschaft gegründet wurde und in London residiert, befanden sich die frühen englischen Banken in privater Hand. Zusammenbrüche waren an der Tagesordnung. Daher wurden im frühen 19. Jahrhundert verstärkt Aktienbanken mit einer größeren Kapitaldecke gebildet, um so der Industrie langfristige und sichere Kredite gewähren zu können. Seit 1833 war es diesen erlaubt, Einlagen in London anzunehmen und zu übertragen. Banknoten durften sie jedoch nicht ausgeben; das war Vorrecht und Monopol der Bank von England. Die Aktienbanken wurden, nachdem 1858 der Gesetzgeber die begrenzte Haftung für Aktiengesellschaften eingeführt hatte, immer bedeutender. Eine große Zahl von Instituten konnte jedoch nicht erhalten werden. Um 1900 verminderte eine Welle von Bankzusammenschlüssen sowohl die Zahl der Privatbanken wie auch der Aktienbanken. Die derzeitige Struktur der britischen Geschäftsbanken zeichnete sich bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts in Grundzügen ab. Der damals privatwirtschaftlichen Bank von England waren elf Londoner Clearingbanken (siehe Abrechnungsstelle) untergeordnet. Derartige Banken existieren nur im britischen Bankwesen; sie haben die Aufgabe, Einlagen entgegenzunehmen, Kredite zu gewähren und eingereichte Schecks durch Aufrechnung auszugleichen. Die Bank von England wurde 1946 von der Labour-Regierung wieder verstaatlicht. 1968 schlossen sich die fünf größten Clearingbanken der Industrie zusammen, so dass lediglich die vier Banken Barclays, Lloyds, Midland (heute Teil der Hong Kong Shanghai Banking Corporation Group) und National Westminster (heute Teil der Royal Bank of Scotland Group) verblieben. Eine Liberalisierung im Finanzwesen hat in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts zum Heranwachsen von Bausparkassen geführt, die heute in vielerlei Hinsicht ähnliche Funktionen wie die traditionellen Clearingbanken erfüllen. Die großen Clearingbanken mit ihrem nationalen Zweigstellensystem spielen immer noch die entscheidende Rolle im britischen Bankensystem. Sie sind die wichtigsten Bindeglieder bei der Übertragung von Geschäftszahlungen über das Girosystem und Hauptquelle für kurzfristige Geschäftsfinanzierungen. Außerdem beeinflussen die großen britischen Banken durch ihre Tochtergesellschaften andere Finanzmärkte im Bereich von Konsumenten- und Bausparkrediten, Handelsbankgeschäften, Factoring (Übernahme und Eintreibung von Forderungen) und Leasing. Der Konkurrenz durch Bausparkassen sind sie mit dem Ausbau ihrer Dienstleistungs- und Serviceabteilungen begegnet. Ende der siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde das Bankwesen neu strukturiert. Die neuen Bankengesetze (Banking Act) von 1979 übertrugen der Bank von England auch offiziell die Kontrolle über das britische Bankwesen, welches sie bis dahin bereits ohne gesetzliche Grundlage beaufsichtigt hatte. Nur Institute, die von der Bank von England als anerkannte Banken oder autorisierte Geldanlageinstitute genehmigt werden, dürfen Einlagen von der Öffentlichkeit annehmen. Die Bankengesetze haben die Kontrolle der Bank von England auch auf die neuen Geld- und Kapitalvermittlungsstellen ausgedehnt, die seit 1960 aufblühten. London ist das Zentrum des Eurodollarmarktes, an dem sich Finanzinstitute aus allen Teilen der Welt beteiligen. In diesem Markt, der sich Ende der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts bildete und von Beginn an sehr stark gewachsen ist, werden US-Dollar und andere konvertierbare Währungen außerhalb des jeweiligen Währungsgebiets geliehen und verliehen.
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