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BankwesenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Aufgaben; Frühes Bankwesen; Bankwesen in Europa; Bankwesen in Nordamerika; Bankwesen an anderen wichtigen Wirtschafts- und Finanzstandorten; Die Rolle der Zentralbanken; Internationales Bankwesen
Die australische Notenbank, die Reserve Bank of Australia mit Sitz in Sydney, wurde 1959 gegründet. Ihr Vorläufer war die 1911 gegründete Commonwealth Bank of Australia. Diese bestand weiter und wurde im Jahr 1996 vollständig privatisiert. Nach der National Australia Bank ist sie die zweitgrößte Geschäftsbank in Australien. Eine Reform des Bankwesens in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts ermöglichte es, ähnlich wie in Großbritannien, vielen Bausparkassen, Vollbanken zu werden oder eine breitere Palette von Bankgeschäften anzubieten. Diese Reform öffnete auch den Markt für ausländische Konkurrenz. Die Zentralbank Neuseelands ist die 1933 gegründete Reserve Bank of New Zealand mit Sitz in Wellington. Die Postsparkasse, die größte Sparkasse des Landes, und die Bank of New Zealand gehörten ursprünglich der Regierung. Beide Institute wurden im Jahr 1987 privatisiert. Die PostBank wurde an die Australia and New Zealand Banking Group verkauft, die Bank of New Zealand wurde 1992 in die National Australia Bank Group integriert. Weitere große Geschäftsbanken sind die Kiwibank, eine Tochter der öffentlichen New Zealand Post Limited, und die australischstämmige Westpac Banking Corporation. Verbreitet sind auch Treuhandsparkassen (Trustee Savings Banks), deren ideelle Wurzeln in Großbritannien liegen.
Die ehemalige britische Kolonie Singapur ist eines der größten Finanzzentren der Welt und in der Region Südostasien ein Wirtschaftsriese. Die Funktionen einer Zentralbank sind der Monetary Authority of Singapore zugewiesen, allerdings ist die Ausgabe der Banknoten und Münzen einer anderen Regierungsbehörde vorbehalten. Zu den größten Geschäftsbanken zählen die Development Bank of Singapore (DBS), die United Overseas Bank (UOB) und die Oversea-Chinese Banking Corporation (OCBC). Neben einigen inländischen beherbergt Singapur zahlreiche ausländische Banken. Anhand der vergebenen Lizenzen wird zwischen Vollbanken, eingeschränkt tätigen Banken und so genannten Offshore-Banken, die ähnlich wirtschaften wie die Banken des Londoner Eurodollarmarktes, unterschieden. Die 1998 von der DBS übernommene Postsparkasse, die Post Office Savings Bank (POSBank) fungiert als nationale Sparkasse. Die Regierung von Singapur betreibt ein Pflichtsparprogramm für Angestellte, den Central Provident Fund.
Die 1948 gegründete, in Peking ansässige chinesische Volksbank, die People’s Bank of China, war bis 1978 die einzige Bank des einwohnerreichsten Landes der Welt. Sie fungierte als Zentralbank und als kommerzielle Bank gleichermaßen. 1984 stellte sie ihr Einlagen- und Kreditgeschäft ein und erfüllt seitdem offiziell die Aufgaben der Zentralbank. Im Zug marktwirtschaftlicher Reformen und der Öffnung Chinas für den Welthandel – das Land trat im Jahr 2001 in die Welthandelsorganisation ein – wird auch der Finanzsektor geöffnet. Mit der Umstrukturierung der vier großen Staatsbanken – Bank of China (BOC), China Construction Bank (CCB), Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) und Agricultural Bank of China (ABC) – und Anreizen zu marktwirtschaftlich orientierten Entscheidungen wurden die Voraussetzungen für den Börsengang geschaffen, den bis Ende 2006 alle genannten Institute außer der ABC vollzogen hatten. Die Zusammenarbeit chinesischer Geschäftsbanken mit ausländischen Instituten treibt die Modernisierung des Bankensektors voran. Seit 2004 sind ausländische Beteiligungen an chinesischen Banken bis zu insgesamt 25 Prozent, für einen einzelnen Investor von bis zu 20 Prozent möglich. Auch die Beschränkungen der Aktivitäten ausländischer Banken im Hinblick auf Geschäftsfelder und Regionen wurden gelockert. Die Sonderverwaltungsregion Hongkong, in der bis 1997 britisches Recht galt, konnte aufgrund ihrer Position als eine der Wirtschaftsdrehscheiben in Asien zu einem weltweit bedeutenden Finanzzentrum aufsteigen. Hongkong dient China als wichtiger Handels- und Kapitalumschlagplatz.
Die 1935 gegründete, in Mumbai ansässige Reserve Bank of India fungiert als Zentralbank von Indien. Die Aufsicht über das Bankwesen liegt in der Zuständigkeit des Finanzministeriums. Die älteste und größte Geschäftsbank Indiens, die State Bank of India (SBI), gehört zu 60 Prozent dem indischen Staat. Ihr angeschlossen sind acht regionale Tochterinstitute. Der größte privatwirtschaftliche Konkurrent der SBI ist die ICICI-Bank. Die staatlichen und privaten indischen Banken teilen sich den Markt mit ausländischen Instituten. Einige Banken bieten kaufmännische Akzeptgeschäfte an, jedoch gibt es in Indien keine unabhängigen Akzeptbanken. Genossenschaften und Kreditgesellschaften ergänzen insbesondere in ländlichen Gebieten die private Bankwirtschaft. Die meisten großen Geschäftsbanken wurden 1969 verstaatlicht; weitere Verstaatlichungen folgten 1980. Diese Tendenz wurde Anfang der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts wieder umgekehrt. Die Liberalisierung, die sich auch auf ausländische Beteiligungen erstreckt, begünstigt das Wachstum des indischen Bankensektors.
Das Wirtschaftssystem eines Entwicklungslandes bestimmt auch die Art des Bankwesens. In kapitalistischen Ländern sind überwiegend privatwirtschaftliche Banken tätig. In einer Reihe von sozialistischen Ländern wurden alle Banken verstaatlicht. In anderen Ländern wie Peru oder Kenia bestehen Staatsbanken und Privatbanken nebeneinander. In vielen Ländern entwickelte sich das Bankwesen im Zeitalter des Kolonialismus, so dass viele Banken Instituten in den ehemaligen Mutterländern gehören. Im Vergleich mit den Industrieländern finanzieren Banken in Entwicklungsländern besonders häufig Regierungsvorhaben. Außerdem spielen sie eine große Rolle bei der Finanzierung von Exportgeschäften.
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