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Spanische Literatur

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Miguel de Cervantes: Don QuijoteMiguel de Cervantes: Don Quijote
Artikelgliederung
1

Einleitung

Spanische Literatur, die in kastilischer bzw. spanischer Sprache verfasste Literatur Spaniens. Zu den in anderen Sprachen innerhalb Spaniens verfassten Werken bzw. zu der außerhalb Spaniens in kastilischer Sprache verfassten Literatur siehe baskische Sprache, katalanische Literatur und lateinamerikanische Literatur.

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Mittelalter

In der spanischen Literatur des Mittelalters herrschten christliche Themen vor, doch zeigen sich auch islamische und jüdische Einflüsse. Als älteste literarische Zeugnisse in kastilischer Sprache haben sich so genannte Chardschas erhalten, die um die Mitte des 11. Jahrhunderts verfasst wurden. Dabei handelt es sich um die Schlussstrophen umfangreicherer Sinngedichte arabischer oder hebräischer Provenienz. Darüber hinaus entstanden Epen spanischer Spielleute (juglares), die diese auf Marktplätzen und in Schlosshöfen vortrugen. Thematisch wurden zumeist die kriegerischen Auseinandersetzungen der christlichen Kleinreiche auf der Iberischen Halbinsel, der Widerstand gegen die Mauren und die Rivalitäten zwischen kastilischen und anderen christlichen Herrscherhäusern behandelt. In den spanischen Epentexten manifestierten sich germanische und arabische Einflüsse, insbesondere aber solche der französischen Literatur: Dennoch unterschieden sie sich von ihren Vorbildern, da sie vornehmlich Ereignisse aus der jüngeren Vergangenheit darstellten. Als ältestes erhaltenes Beispiel einer Spielmannsdichtung gilt das anonyme Heldenepos Poema del Cid oder Cantar de mio Cid (um 1140, Das Gedicht vom Cid), welches das Schicksal des Nationalhelden Rodrigo (Ruy) Diaz de Vivar, genannt El Cid, besingt.

Im 13. Jahrhundert übersetzten und bearbeiteten Geistliche in Klöstern erstmals lateinische Heiligenviten und erbauliche Legenden. Diese klerikale, didaktisch-narrative Dichtung wird als mester de clerecía bezeichnet. Sie ist durch ihre Orientierung an strengen metrischen Regeln gekennzeichnet und unterscheidet sich in dieser Hinsicht gänzlich von den Dichtungen der juglares, der mester de juglaría. Als Hauptvertreter der mester de clericía gilt Gonzalo de Berceo, der mit seinen Heiligen- und Marienlegenden zugleich der erste namentlich bekannte spanische Dichter ist. Wesentliche Impulse für die Entwicklung der spanischen Prosaliteratur gingen von König Alfons X. von Kastilien und León aus, der ein ganzes Heer von Rechtsgelehrten, Historikern und Übersetzern mit der Aufgabe betraute, das gesamte Wissen der damaligen Zeit aus islamischen, jüdischen und christlichen Quellen zusammenzutragen und schriftlich niederzulegen. Im Zuge dieses Unternehmens wurden viele lateinische, hebräische und arabische Texte ins Spanische übersetzt: Auf diesem Weg konnten Elemente der orientalischen Kultur nach Westeuropa gelangen.

Die spanische Prosaliteratur entwickelte sich früher als die meisten europäischen Prosaliteraturen. Während der Regierungszeit Alfons’ X. wurde sie zu einem gängigen Darstellungsmedium und wurde vor allem von Don Juan Manuel, einem Neffen des Königs, weiterentwickelt, der eine Sammlung von Kurzprosatexten moralischen Inhalts (El conde Lucanor, 1328-1335, Der Graf von Lucanor) verfasste. Die erste spanische Ritterromanze– und damit eine Vorstufe des Ritterromans– ist die Verserzählung El caballero Cifar, die um 1305 entstand. Die Werke von Juan Ruiz gehören zu den bedeutendsten Dichtungen der spanischen Literatur. Sein Werk Libro de buen amor (1330, in erweiterter Fassung 1343, Aus dem Buch der guten Liebe) ist ein teils humoristischer Verstraktat über die Liebe in autobiographischer Form.

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15. Jahrhundert

Im Verlauf des 15. Jahrhunderts nahm die Literaturproduktion in Spanien beträchtlich zu. Zu den herausragenden Dichtern dieser Epoche gehören Íñigo López de Mendoza Santillana, Juan de Mena und (insbesondere) Jorge Manrique mit seiner Elegie Coplas por la muerte de su padre (Verse anlässlich des Todes seines Vaters). Das Vorwort zu Mendoza Santillanas gesammelten Werken gilt zudem als erste poetologische Erörterung innerhalb der spanischen Literatur. Etwa zur gleichen Zeit entwickelten sich die spanischen Volksromanzen, die stofflich auf die Heldenepik zurückgriffen und in umfangreichen Balladensammlungen, den so genannten romanceros, zusammengestellt wurden. Vorgetragen wurden sie mit Instrumentenbegleitung. Später bezogen die romanceros auch aktuelle Ereignisse mit ein.

Satirische und historische Schriften waren im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Unter der gemeinsamen Regentschaft Ferdinands II. und Isabellas I. zwischen 1474 und 1504 erlebten die Geisteswissenschaften einen Aufschwung. Der wichtigste Gelehrte jener Zeit war der Lexikograph Elio Antonio Martinez de Jarava, der unter dem Pseudonym Antonio de Nebrija (oder Lebrija) mit Gramática sobre la lengua castellana (1492) eine Grammatik des Kastilischen herausbrachte. 1508 entstand der berühmteste spanische Ritterroman, Amadís de Gaula, in seiner heute bekannten Form. Das von einem unbekannten Verfasser stammende Werk inspirierte eine Vielzahl von Schriftstellern des 16. Jahrhunderts. Das Lesedrama in Prosa Tragicomedia de Calisto y Melibea (1499, Ain hipsche Tragedia von zwaien liebhabenden Mentschen) des Dichters Fernando de Rojas, bekannt unter dem Titel La Celestina (Celestina), ist – nach Miguel de Cervantes’ Don Quijote (siehe unten) – das bedeutendste Werk der spanischen Literatur. In dialogischer Form behandelt La Celestina vordergründig die tragische Geschichte zweier sich liebender Adeliger, gibt aber tatsächlich ein desillusionierendes Sittengemälde der damaligen Gesellschaft ab. Die stilistische Virtuosität der Celestina diente den Autoren des so genannten goldenen Zeitalters in Spanien als Vorbild.

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Renaissance und goldenes Zeitalter

Während der Regentschaft König Karls I. von 1516 bis 1556 entwickelte sich Spanien zur bedeutendsten europäischen Macht mit zahlreichen Kolonien in Übersee. Bestimmend für das Schaffen der spanischen Schriftsteller dieser Epoche waren die philosophischen und künstlerischen Maßstäbe der Renaissance. Insbesondere die Ideen des holländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam prägten u. a. die Werke des Philosophen Juan Luis Vives und des Theologen Juan de Valdés. Der Franziskanermönch und Chronist Antonio de Guevara y de Norona verfasste zahlreiche didaktische Schriften in Form des Dialogs. Die wichtigsten Geschichtsschreiber der spanischen Renaissance und des goldenen Zeitalters waren Diego Hurtado de Mendoza und der Jesuit Juan de Mariana.

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