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Windows Live® Suchergebnisse BiberEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Körperbau und Lebensweise; Baue und Burgen; Dammbauten; Beziehungen zum Menschen; Systematische Einordnung
Biber, große Nagetiere mit ausgeprägter Gewässerbindung, die vor allem wegen ihrer Wasserburgen und Dammbauten bekannt sind. Nordamerikanische und eurasische Biber unterscheiden sich in genetischen Merkmalen und in der Form ihrer Nasenknochen, sind sich insgesamt aber sehr ähnlich. Sie gelten zumeist als getrennte Arten, manche Wissenschaftler sehen sie jedoch als Unterarten derselben Spezies. Nach den südamerikanischen Capybaras sind Biber die größten heute lebenden Nagetiere, einige ausgestorbene Biberarten konnten es in der Größe sogar fast mit Bären aufnehmen.
Die Kopfrumpflänge eines Bibers beträgt etwa 75 bis 110 Zentimeter, die Körperhöhe wenig mehr als 30 Zentimeter. Das Gewicht liegt zumeist zwischen 17 und 32 Kilogramm, das Maximalgewicht bei 40 Kilogramm. Der breite, abgeflachte und schuppige Schwanz (Biberkelle) ist etwa 30 Zentimeter lang. Der Biber kann mit seinem Schwanz als Warnsignal flach auf das Wasser schlagen, zum anderen dient der Schwanz als Stütze, wenn das Tier auf den Hinterbeinen steht. Außerdem wird der Schwanz beim Schwimmen als Ruder benutzt. Der Körper des Bibers ist gedrungen, der Rücken gerundet, der Hals dick. Die Hinterfüße besitzen Schwimmhäute; alle Zehen haben Krallen. Das Fell ist an der Körperoberseite zumeist rötlich braun und an der Unterseite heller braun oder grau. Die Augen sind klein und die Nasenlöcher verschließbar. Biber besitzen zwei Analdrüsen, die zum Einfetten des Felles und zur Markierung des Territoriums das moschusähnliche Bibergeil (Castoreum) absondern. Der Schädel des Bibers ist klobig mit deutlichen Wülsten, an denen die Kiefermuskeln ansetzen. Die zwei orangegelben Vorderzähne in Ober- und Unterkiefer nutzen sich ebenso wie bei anderen Nagetieren an der Rückseite schneller ab und bilden dadurch eine scharfe Zahnschmelzkante. Mit diesen Zähnen vermag der Biber sogar große Bäume zu fällen. Für gewöhnlich sucht er sich Bäume mit einem Durchmesser von 5 bis 20 Zentimetern. Doch selbst Bäume, die einen Dreiviertelmeter dick sind, stellen kein Hindernis dar. Die Nagespuren eines Bibers präsentieren sich oft als charakteristischer Kegelschnitt rings um den Stamm. Biber besiedeln weichholzreiche Auenwälder an Fließgewässern und großen Stillgewässern. Als Pflanzenfresser ernähren sie sich in der warmen Jahreszeit von krautiger Wasser- und Ufervegetation. Vor allem im Herbst und Winter fällen die nicht zum Klettern befähigten Biber Bäume, um an die (borkenfreie) Rinde dünner Äste und Zweige zu gelangen. Mitteleuropäische Biber ernähren sich dabei vor allem von Espen und Weiden. Mikroorganismen im Darm schließen die Rinde zur Verdauung auf. Biber leben in Familiengruppen, die entlang der Gewässerufer Reviere bilden; sie sind vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Biber werden im dritten Lebensjahr geschlechtsreif, das Weibchen bringt einmal im Jahr nach einer dreieinhalbmonatigen Tragzeit zumeist zwei bis vier (maximal fünf) Junge zur Welt. Die Jungen werden mit drei Monaten entwöhnt, nehmen jedoch schon wenige Wochen nach der Geburt etwas Pflanzennahrung zu sich. Fressfeinde sind Wölfe und Vielfraße. Als Höchstalter von Bibern im Freiland wurden 17 Jahre, in Gefangenschaft 35 Jahre festgestellt.
Der Biberbau ist häufig nur eine Röhre in der Uferböschung, die oberhalb des Wasserspiegels zu einem Kessel erweitert ist und deren Eingang unter Wasser liegt. Wenn das Ufer zu flach ist, schichtet der Biber über diesem Erdbau mit Schlamm befestigte Zweige auf. Fehlt eine Uferböschung, dann errichtet der Biber einen als Burg bezeichneten Hochbau – eine einzigartige Konstruktion (siehe Bauwerke von Tieren), die insbesondere von skandinavischen und nordamerikanischen Bibern bekannt ist. Diese Burg besteht zumeist aus einer zentralen Kammer, deren Bodenfläche etwas über dem Wasserspiegel liegt und die zwei Eingänge besitzt. Einer der Eingänge, der „Holzeingang”, verläuft in gerader Linie flach ansteigend vom Wasser zum Boden des Baues. Der zweite Eingang, der „Bibereingang”, fällt steiler ins Wasser ab. Der Wohnkessel besteht aus miteinander verflochtenen und mit Schlamm verklebten Hölzern, Gras und Moos. Er wird Jahr für Jahr durch Reparaturen und Ausbauten immer größer. Der Innenraum kann zweieinhalb Meter breit und bis zu einem Meter hoch sein; gelegentlich grenzen spezielle Lagerräume an. Der Boden wird mit Rinde, Gras und Holzspänen ausgelegt.
Mit Dämmen vergrößern Biber ihren Lebensraum, erhöhen die Wassertiefe um ihren Bau und können so leichter Zweige zum Bau transportieren. Dämme können aus Zweigen, Ästen, Stämmen, Schlamm und Steinen bestehen. Im Lauf der Zeit reparieren die Biber den Damm immer wieder und vergrößern ihn. Treibgut, das sich im Damm verfängt, sowie Wurzeln der auf dem Damm wachsenden Vegetation verstärken den Bau zusätzlich. Häufig errichten Biber stromabwärts noch einen kleineren Damm, um etwas Wasser zurückzuhalten und dadurch den Druck, der von der anderen Seite auf den Hauptdamm presst, geringer zu halten. Die Dämme sind etwa 1,5 Meter hoch, an der Sohle zumeist mehr als drei Meter breit und verjüngen sich nach oben. Im Rocky Mountain Nationalpark (Colorado, USA) wurde ein Damm entdeckt, der über 300 Meter lang war. Die von Bibern erzeugten Weiher ziehen Fische, Enten und andere Wassertiere an. Obgleich die Dämme örtlich zu Überflutungen führen, tragen sie gleichzeitig zu einem geregelten Abfluss bei und verringern stromabwärts die Überschwemmungsgefahr. Allmählich füllen sich die Weiher mit Ablagerungen, und die Tiere ziehen an einen anderen Ort. Das verlassene Areal kann zu fruchtbarem Weideland werden. Der Biber ist zwar ein kraftvoller Schwimmer und kann bis zu zehn Minuten lang tauchen, an Land jedoch ist er unbeholfen, und nur mit Mühe gelingt es ihm, die Stämme und Äste, die er für den Bau des Dammes und als Nahrung benötigt, heranzuziehen. Aus diesem Grund graben Biberfamilien oft einen Kanal vom Gewässer zu einer Baumgruppe. Diese Kanäle sind bis zu einem Meter breit und tief und häufig einige hundert Meter lang. Das Holz lassen die Biber dann den Kanal zum Gewässer hinuntertreiben. Beobachtungen und Experimente lassen vermuten, dass Biber durch das Geräusch fließenden Wassers zum Ausbessern ihres Dammes veranlasst werden.
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