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Windows Live® Suchergebnisse HanfEnzyklopädieartikel
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Hanf, einjährige krautige Pflanze aus der Familie der Hanfgewächse. Die ursprünglich in Zentralasien heimische Art bildet zwei Unterarten, deren Nutzungsmöglichkeiten grundverschieden sind: den Indischen Hanf, dessen Inhaltsstoffe als Drogen verwendet werden, und den Faserhanf, dessen verschiedene Sorten zur Gewinnung grober Fasern angebaut werden. Beide Unterarten sind einander sehr ähnlich, züchterische Maßnahmen haben die Unterschiede weiter verwischt. Hanf ist eine der ältesten Nutzpflanzen. Um 2800 v. Chr. stellte man in China aus Hanffasern bereits Seile her. Und in einer 3 500 Jahre alten (im Papyrus Ebers wiedergegebenen) medizinischen Rezeptsammlung Ägyptens wird Hanf neben verschiedenen anderen Pflanzen als Heilpflanze aufgeführt.
Die Hanfpflanze ist sehr schnellwüchsig und kann Höhen von bis zu drei Metern erreichen. Charakteristisch sind ihre tief handspaltig aufgeteilten Blätter mit den gesägten Rändern; der kantige Stängel ist innen hohl. Hanf ist zweihäusig und entwickelt eingeschlechtige Blüten, männliche und weibliche Blüten werden also von unterschiedlichen Pflanzen gebildet. Die männlichen Pflanzen, die ihre Blüten in endständigen, dichten Rispen tragen, sind meist schwächer entwickelt und reifen früher als die weiblichen. Die weiblichen Pflanzen sind stärker verzweigt, ihre Blüten stehen jeweils zu zweit in den Achseln kleiner Blätter. Die Früchte des Hanfes sind kleine Nüsschen.
Der Stängel der Hanfpflanze ist mit vielen langen, ligninhaltigen Sklerenchymfasern (siehe Xylem) verstärkt, die bei der Gewinnung von Fasern aus dem sie einschließenden Gewebe isoliert werden müssen. Nach dem Abmähen werden die Hanfpflanzen getrocknet und danach einem so genannten Röstprozess unterworfen, wie er auch bei der Flachsbearbeitung üblich ist: Durch mehrwöchiges Einweichen in Wasser lösen sich dabei durch mikrobiologische Prozesse die stabilen Sklerenchymfasern aus dem sich zersetzenden Gewebe heraus. Anschließend wird das Fasermaterial wieder getrocknet und durch mechanische Prozesse gereinigt, sortiert und geschmeidig gemacht. Die unterschiedlich schnelle Entwicklung der Pflanzen erschwert die Ernte des Faserhanfes: Männliche und weibliche Pflanzen müssen zu verschiedenen Zeiten geerntet werden. Je nach Hanfsorte, Anbauweise, Ernteprozedur und Lagerung des Materials werden sehr feine bis grobe Faserqualitäten erzeugt. Verwendet werden diese für die Herstellung derber Gewebe sowie von Tauen und anderen Seilereiartikeln. Zu früheren Zeiten war der Gebrauch von Hanftextilien viel weiter verbreitet, da Baumwolle noch zu teuer und selten verfügbar war. Auch die von Levis Strauss erfundenen Jeans wurden ursprünglich aus Hanfgewebe hergestellt. Die Nüsschen der Faserhanfpflanze dienen vornehmlich als Vogelfutter. Sie enthalten zu 30 bis 50 Prozent ein grünliches Öl, das sich wegen seines eigentümlichen Geruchs nicht für die Verwendung in der Küche eignet, sondern zur Fabrikation von Schmierseife oder bei der Herstellung von Ölfarben als Ersatz für Leinöl genutzt wird.
Beim Anbau des Indischen Hanfes werden die Pflanzen in weitem Abstand voneinander gepflanzt, um männliche Pflanzen leichter erkennen und rechtzeitig beseitigen zu können. Denn zum einen produzieren die weiblichen Pflanzen wesentlich mehr und ein qualitativ hochwertigeres Cannabisharz (lateinisch cannabis: Hanf), das aus den Köpfchendrüsen der Tragblätter der Blüten ausgeschieden wird; zum anderen steigt die Produktivität, wenn die weiblichen Blüten nicht bestäubt werden, denn die Fruchtbildung bringt das Ausschwitzen des Harzes zum Erliegen. Wenngleich es gelungen ist, ergiebige Indische Hanfsorten auch für kühle und lichtarme Gegenden zu selektieren, so ist der Anbau dieser Unterart grundsätzlich um so ertragreicher, je heißer und trockener das Klima ist und je intensiver die Sonne scheint. Eine Gruppe von etwa 60 Inhaltsstoffen des Indischen Hanfes wird als Cannabinoide bezeichnet. Dazu gehört der berauschende Wirkstoff im Harz, um den es beim Anbau von Indischem Hanf geht: das psychoaktive Tetrahydrocannabinol, dessen Struktur erst Mitte der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts aufgeklärt wurde. Es handelt sich um eine hybride Verbindung aus einem Monoterpen mit einer phenolischen Verbindung (die Rauschwirkung von Schlafmohn und Tollkirsche beruht dagegen auf Alkaloiden). Das reine Harz wird nach einem arabischen Wort als Haschisch bezeichnet, die Bezeichnung Marihuana ist südamerikanischen Ursprungs und bezeichnet die harzverklebten Blütenstände. Auch die Hanfblätter enthalten so viel Tetrahydrocannabinol, dass sie, werden sie geraucht oder in anderer Form zu sich genommen, ebenfalls eine berauschende Wirkung entfalten. Da auch Faserhanf normalerweise geringe Mengen Tetrahydrocannabinol enthält, ist sein Anbau in Deutschland und Österreich genehmigungspflichtig. Im Harz sind außerdem eine schmerzlindernde Verbindung, Cannabidiolsäure, sowie das pharmakologisch unwirksame Cannabinol enthalten. Über das Suchtpotential von Cannabis und mögliche weitere Gesundheitsgefahren wird kontrovers diskutiert. Man geht heute davon aus, dass Cannabis zwar keine körperliche, wohl aber seelische Abhängigkeit erzeugen kann und insbesondere bei jugendlichen Konsumenten die Entwicklung der Persönlichkeit beeinträchtigt. Zudem enthält Cannabisrauch mehr krebserregende Stoffe als Tabakrauch, und es gibt Hinweise darauf, dass Tetrahydrocannabinol durch seinen Einfluss auf Spermien die Zeugungsfähigkeit beeinträchtigt. Andererseits besteht ein Potential zur medizinischen Nutzung von Cannabinoiden. Erforscht wird der Einsatz dieser Stoffe u. a. bei multipler Sklerose, beim Tourette-Syndrom und Glaukom; in Deutschland erhielt eine an multipler Sklerose leidende Patientin 2007 erstmals die behördliche Genehmigung, einen Cannabis-Extrakt aus der Apotheke zu beziehen. Es gibt noch eine Reihe weiterer traditionell genutzter Faserpflanzen, die in Anlehnung an den Hanf beispielsweise Manilahanf oder Mauritiushanf genannt werden, mit Hanf jedoch nicht verwandt sind.
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