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MalereiEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Mittel, Techniken und Gattungen; Höhlenmalerei; Ägypten; Kreta; Griechenland; Rom; Frühes Christentum und Byzanz; Mittelalter; Renaissance; Barock; Rokoko; Klassizismus; Romantik; Weitere Tendenzen im 19. Jahrhundert; Die Entstehung des Impressionismus; Nachimpressionistische Strömungen; Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts; Malerei seit dem 2. Weltkrieg
Leonardo da Vinci hat nur wenige Gemälde hinterlassen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass seine wissenschaftlichen Beobachtungen sowie technischen Erfindungen einen Großteil seiner Zeit in Anspruch nahmen. Seine maltechnischen Experimente, bei denen er mit Öl gebundene Pigmente auf den trockenen Putz auftrug, führten dazu, dass der Erhaltungszustand seiner Wandgemälde sehr schlecht ist. Dies gilt insbesondere für das Abendmahl (1495-1497, Santa Maria delle Grazie, Mailand). Raffael vervollkommnete Maltechnik und Komposition und schuf den Idealtypus der Maria mit dem Jesusknaben sowie den Archetypus des psychologisierenden Porträts. Michelangelos Freskenzyklus in der Sixtinischen Kapelle in Rom (1508-1512) zu Schöpfung, Sündenfall und Jüngstem Gericht (1536-1541) bildet den Höhepunkt der Malerei der Hochrenaissance. Die Umsetzung christlicher und mythologischer Themen und die Darstellung des weiblichen Aktes in Komposition von Licht, Dunkel und Farbigkeit charakterisiert vor allem das Spätwerk des Venezianers Tizian. Dessen Meisterwerke sind Bilder christlichen und mythologischen Inhalts, seine Aktmalerei gehört zu den berühmtesten Schöpfungen dieses Genres.
Der Manierismus entstand um 1520 in Italien als Gegenbewegung zur Klassizität der Renaissance. Er machte Vieldeutigkeit sowohl in Komposition als auch in Farbgebung zur Maxime, selbst religiöse Bilder wirkten nun eher beunruhigend auf den Betrachter. Vertreter des Manierismus waren Pontormo, Rosso Fiorentino, Parmigianino, Tintoretto und Bronzino. Der bekannteste Spätmanierist war der Grieche El Greco, der in Italien ausgebildet wurde und sich später in Spanien niederließ. Seine emotionsgeladene Sehweise erzeugt sogar in der Darstellung von Landschaften, so etwa in dem Bild Toledo im Wetterleuchten (um 1600 bis 1610, Metropolitan Museum of Art, New York), eine apokalyptische Stimmung.
Die italienische Renaissance wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts zwar nördlich der Alpen rezipiert, aber die künstlerische Erneuerung entsprang hier nicht der Wiederentdeckung der klassischen Antike. Eher ist sie gekennzeichnet durch ein geschärftes Interesse für den Menschen und die Erscheinungen der Natur. Generell hat sich das Interesse für die Antike und die Möglichkeiten der Linearperspektive erst im 16. Jahrhundert durchgesetzt, und auch dann bedienten sich nicht alle Künstler der Entdeckungen, die die Italiener gemacht hatten. Einer der bedeutendsten niederländischen Maler des 15. Jahrhunderts war Jan van Eyck, der mit Hilfe seines Bruders Hubert einen bemerkenswerten Flügelaltar, den Genter Altar (vollendet 1432, in Saint Bavon, Gent, Belgien), schuf. Auf 24 Tafeln sind Hunderte von Figuren zu sehen und eine üppige Pflanzenwelt, die wissenschaftlich exakt wiedergegeben ist, so dass über 30 Pflanzenarten bestimmbar sind. Herausragende flämische Künstler dieser Epoche waren Rogier van der Weyden, der auf seinen religiösen Bildern die emotionale Dramatik in den Mittelpunkt stellte, Hans Memling, der seine zarten, graziösen Figuren vor ätherische Hintergründe stellte, und Hugo van der Goes, dessen Malerei durch eine Fülle exakter Details besticht. Der wichtigste französische Maler der Epoche war Jean Fouquet, ein ausgezeichneter Porträt- und Buchmaler, der von seinen flämischen Vorläufern und von italienischen Vorbildern beeinflusst wurde. Ein Nachweis für seine Italienreise der vierziger Jahre des 15. Jahrhunderts findet sich in Gestalt einer Renaissancekirche im Hintergrund eines der beiden Flügel des Melun-Diptychons von etwa 1450 (Staatliche Museen, Berlin, und Musées Royaux des Beaux-Arts, Antwerpen). Im frühen 16. Jahrhundert wurde eine Malerei begründet, die Perspektive, anatomische Genauigkeit und Proportion außer Acht ließ und sich aus Traumbildern und Visionen speiste. Herausragendes Beispiel ist die Auftragsarbeit des spanischen Königs Philipp II., Der Garten der Lüste (um 1500, Prado, Madrid), ein Triptychon des niederländischen Malers Hieronymus Bosch. Ein anderes Beispiel für die im 16. Jahrhundert geleistete Darstellung der menschlichen Seelenwelt ist der Isenheimer Altar (1512-1515, Museum Unterlinden, Colmar) des deutschen Malers Matthias Grünewald. Der christliche Humanist Albrecht Dürer, dessen wissenschaftliche Neugier mit der Leonardo da Vincis verglichen werden kann, stand unter dem Einfluss des niederländischen Philosophen Erasmus von Rotterdam und der reformatorischen Ideen Martin Luthers, die ihren Niederschlag im Kupferstich von Ritter, Tod und Teufel (1513) und den beiden Flügeln der Vier Apostel (1526, Alte Pinakothek, München) fanden. Hans Holbein der Jüngere führte die Porträtmalerei zu höchstem Niveau mit seinen Bildnissen Heinrichs VIII. und des Thomas Morus. Der überragende niederländische Maler jener Zeit war Pieter Bruegel der Ältere. Seine Darstellungen des bäuerlichen Lebens sind satirische Kommentare zur menschlichen Torheit und schöpfen ihre Allegorien aus Märchen, Parabeln und Sprichwörtern.
Typisch für die Barockkunst des 17. Jahrhunderts sind ihre Dynamik, ihre diagonalen Kompositionslinien und die Verwendung kräftiger Helldunkelkontraste (Chiaroscuro). Diese Bildelemente evozieren eine Dynamik, die dem Geist der Gegenreformation entsprach. Viele Maler des frühen 17. Jahrhunderts wandten sich zudem von der Künstlichkeit des Manierismus ab, um zu einer genaueren Reflexion der realen Wirklichkeit zu finden.
Der italienische Barock war eine Zeit künstlerischer Neuerungen. Deckenfresken von Annibale Carracci, Guido Reni, Guercino und Pietro da Cortona schmücken verschiedene Palazzi in Rom, die sich alle bis zu einem gewissen Grad an Michelangelos Wandbildern in der Sixtinischen Kapelle orientierten. Caravaggio übte mit seinen kraftvollen Chiaroscuro-Effekten in seiner religiösen Malerei und Genrebildern großen Einfluss auf andere italienische Maler aus, etwa Orazio Gentileschi.
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