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Kalifat

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Die muslimisch-arabische Expansion im 7. und 8. JahrhundertDie muslimisch-arabische Expansion im 7. und 8. Jahrhundert
Artikelgliederung
1

Einleitung

Kalifat, Amt und Machtbereich des Kalifen als oberstem Leiter der muslimischen Gemeinde und Nachfolger des Propheten Mohammed. Unter Mohammed war der muslimische Staat eine Theokratie, mit der Scharia, den religiösen und moralischen Prinzipien des Islam, als Landesrecht. Die Kalifen, die Nachfolger Mohammeds, waren sowohl weltliche als auch religiöse Führer. Sie waren jedoch nicht befugt, Dogmen aufzustellen, denn die Verkündung des Glaubens wurde als vollendetes Werk Mohammeds betrachtet.

Die Sunniten (Anhänger der Sunna, der überlieferten Handlungsprinzipien des Islam, oder des Weges des Propheten) bilden die Mehrheit der Muslime und betrachten im Allgemeinen die Ära der ersten vier Kalife als das goldene Zeitalter des Islam. Mit der Zeit bildeten sich jedoch neue Glaubensrichtungen heraus, mit anderen Auffassungen über diese Periode und die späteren Kalifate, und in der Folge kam es in Fragen des Kalifats wiederholt zu schweren Feindseligkeiten zwischen den Sunniten und anderen Muslimen, vor allen den Schiiten. Im Lauf der islamischen Geschichte hat das Problem des Kalifats vermutlich mehr Zwietracht unter den Muslimen geschaffen als jeder andere Glaubensartikel.

Die Sunniten formulierten aufgrund des Vorbilds der ersten vier „rechtgeleiteten” Kalifen und Begleiter des Propheten bestimmte Anforderungen an das Kalifat: Der Kalif muss ein Araber aus dem Stamm Mohammeds, den Koraisch, sein; er muss in sein Amt gewählt und von einem Ältestenrat bestätigt werden, der die muslimische Gemeinschaft repräsentiert; und er soll verantwortlich sein für die Durchsetzung des göttlichen Gesetzes und die Verbreitung des Islam mit allen notwendigen Mitteln, auch mit Krieg. In der Geschichte des Kalifats wurden diese Forderungen jedoch selten erfüllt.

Die Schiiten hingegen glaubten, dass der Prophet selbst seinen Schwiegersohn Ali zum weltlichen und geistlichen Nachfolger erkoren habe, und akzeptierten nur Alis (mit Fatima, Mohammeds Tochter, gezeugte Nachkommen) als legitime Nachfolger im Amt des Kalifen.

2

Die direkten Nachfolger

Mohammed starb im Jahr 632 und hinterließ keine Anweisungen über die künftige Leitung der muslimischen Gemeinde. Eine Gruppe islamischer Führer trat in Medina (heute Saudi-Arabien), der damaligen Hauptstadt der muslimischen Welt, zusammen und wählte Abu Bakr, den Schwiegervater des Propheten und seinen engsten Vertrauten, zum Führer der Gemeinschaft. Abu Bakr beanspruchte für sich den Titel chalifat Rasul Allah (arabisch: Nachfolger des Gesandten Gottes), von dem der Name chalif (von arabisch chalifa: Nachfolger) abgeleitet ist.

Omar I. wurde 634 der zweite Kalif. Auf seinem Totenbett hatte ihn Abu Bakr zum Nachfolger bestimmt, und alle wichtigen Mitglieder der muslimischen Gemeinschaft erkannten ihn sofort an. Unter seiner Führung kam es zur ersten großen Expansion des Islam über Arabien hinaus. Ägypten, Syrien, der Irak und der nördliche Teil von Mesopotamien wurden islamische Gebiete, und die Armeen des Persischen Reiches wurden mehrmals geschlagen. Omar fügte dem Titel des Kalifen den eines amir-al-mum-inin (arabisch: Befehlshaber der Gläubigen) hinzu.

Nach Omars Tod im Jahr 644 wurde Othman Ibn Affan, Mohammeds Schwiegersohn und einer seiner ersten Bekehrten, von einer sechsköpfigen Versammlung von Wahlmännern aus Mekka zum dritten Kalifen ernannt. Obwohl er schon recht alt war, führte er Omars Politik der territorialen Expansion fort. Schließlich handelte sich Othman jedoch die Feindschaft vieler seiner Untertanen ein, die den Eindruck hatten, dass er die Aristokratie von Mekka in politischen und religiösen Angelegenheiten begünstigte. Othman machte sich auch die islamischen Priester zu Gegnern, indem er einen offiziellen Text des Koran herausgab und zugleich befahl, alle anderen Versionen zu zerstören. Aufständische muslimische Truppen aus al-Kufah (Irak) und Ägypten belagerten Othman in Medina und töteten ihn (656).

Ali, ein Cousin und Schwiegersohn Mohammeds, wurde von den Vertretern Medinas und den rebellischen Muslimtruppen als vierter Kalif anerkannt. Der Herrscher von Syrien, Muawija, später als Muawija I. erster Kalif der Omaijaden, weigerte sich, Ali als Kalifen anzuerkennen und rief zur Vergeltung des Todes von Othman auf (der ein Blutsverwandter Muawijas war). 657 stießen die verfeindeten Parteien in Nordsyrien bei Siffin, in der Nähe der heutigen Stadt Ar Raqqah, zusammen. Dort kamen sie nach einer unentschiedenen Schlacht überein, über die Streitfrage zu verhandeln. Ali war nur mehr bloßer Kandidat für das Kalifat, auf gleicher Ebene mit Muawija. Erzürnt über diese Schmach, der sich auch Ali gebeugt hatte, desertierte eine Gruppe seiner Anhänger, die später als Charidschiten bezeichnet wurden, und schwor, sowohl Ali als auch Muawija zu töten. Es gelang ihnen jedoch nur, Ali zu töten. Alis Sohn Hasan beanspruchte daraufhin (661) das immer noch umstrittene Kalifat, verzichtete jedoch nach ein paar Monaten unter dem Druck der Anhänger Muawijas, die im Vergleich zu den schiitischen Anhängern Alis in großer Überzahl waren.

3

Die Kalifen der Omaijaden (661-750)

Die Omaijaden-Kalifen stammten über Muawija, den ersten der Dynastie, von den Omaija ab, einem Stamm aristokratischer Karawanenkaufleute. Während seiner Herrschaft festigte Muawija die muslimische Gemeinschaft nach der Ermordung Alis. Er verlegte die Hauptstadt des Islam von Medina nach Damaskus und brachte mit diesem Schritt die muslimischen Herrscher mit den fortgeschritteneren kulturellen und administrativen Traditionen des Byzantinischen Reiches in Berührung. Muawija beendete auch die Praxis der Kalifenwahl, indem er seinen Sohn Yazid offen zum Nachfolger bestimmte. Das Prinzip der Wahl wurde jedoch formell noch insofern anerkannt, als der Ältestenrat dem ausersehenen Erben die Unterstützung zusagen musste. Die Erbnachfolge wurde gängige Praxis in der Omaijaden-Dynastie und auch in den späteren Dynastien. Viele Muslime missbilligten sie jedoch später als Abweichung vom Wesen des Islam.

Yazid I. (Kalif 680-683) folgte seinem Vater im Amt nach, sah sich jedoch sofort mit Aufständen zweier Gruppen konfrontiert, die jeweils einen anderen Kandidaten unterstützten. Die Kufan-Schiiten anerkannten Alis zweiten Sohn (und Enkel des Propheten) Husain als Kalifen. Davon ermutigt, verließ Husain Medina und brach nach al-Kufah auf, trotz Warnungen, wonach Yazids Truppen den dortigen Aufstand niedergeschlagen hätten. Auf der Ebene von Karbala im Irak wurden er und seine kleine Eskorte abgefangen und niedergemetzelt. Dieses Ereignis markiert die endgültige Abspaltung der Schiiten. Eine zweite Rebellion in der Stadt Mekka wurde schließlich während des Kalifats von Abd al-Malik (685-705), Yazids drittem Nachfolger, niedergeschlagen.

Schiiten, Charidschiten und andere Gruppen von Muslimen und nichtarabischen Konvertiten (arabisch mawali) rebellierten häufig gegen die Omaijaden. Die Mawali beschuldigten die Omaijaden, sie seien in religiösen Fragen nachlässig und ihrer Forderung nach voller Bruderschaft in der muslimischen Gemeinschaft gegenüber gleichgültig. Die Omaijaden-Kalifen dehnten das muslimische Reich dennoch stark aus und schufen eine effektive Bürokratie. Unter den Omaijaden drangen muslimische Armeen über die Grenzen nach Indien und China ein, stießen nach Westen über Nordafrika zum Atlantischen Ozean vor, dann weiter nach Norden durch Spanien und über die Pyrenäen nach Frankreich hinein, wo die Fußtruppen der Franken unter dem karolingischen Herrscher Karl Martell sie 732 bei Tours und Poitiers schlugen.

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Die abbasidischen Kalifen (750-1258)

Die Omaijaden wurden durch eine Verbindung schiitischer, iranischer und anderer muslimischer und nichtmuslimischer Gruppen gestürzt. Die Rebellen wurden von einer abbasidischen Familie geführt, die von Abbas, dem Onkel des Propheten, abstammte. Ab etwa 718 hatten sich die Abbasiden verschworen, um das Kalifat zu übernehmen, und sandten Agenten in verschiedene Teile des muslimischen Reiches, um Propaganda gegen die Omaijaden zu verbreiten. 747 hatten sie sich genügend Unterstützung gesichert, um im Nordiran einen Aufstand organisieren zu können, der drei Jahre später zur Niederlage des Omaijaden-Kalifats führte. Die meisten Familienmitglieder der Omaijaden wurden von den Abbasiden hingerichtet, welche die Hauptstadt des Reiches nach Bagdad verlegten und den Prunk und die Zeremonien der einstigen persischen Monarchie an ihren Höfen weitgehend übernahmen.

Ab 750, beginnend mit Abu al-Abbas, hielten die Abbasiden fünf Jahrhunderte lang das Kalifat. Sie förderten die Wissenschaften und wachten streng über die Einhaltung der religiösen Regeln. Unter ihrem Kalifat löste Bagdad Medina als Zentrum des theologischen Lebens ab; Wirtschaft und Handel gediehen prächtig, und das islamische Reich erlangte den Höhepunkt seiner materiellen und geistigen Kraft.

Im späten 9. Jahrhundert gaben die abbasidischen Kalifen in wachsendem Maße Regierungsverantwortung an Staatsminister und andere Regierungsbeamte ab und verloren zunehmend die Kontrolle über ihre Gardetruppen in Bagdad. Während sie allmählich die persönliche politische Macht aufgaben, betonten sie immer stärker ihre Rolle als Hüter des Glaubens. Ein Ergebnis dieser Schwerpunktverlagerung war die schärfere Verfolgung von Häretikern und Nichtmuslimen. Etwa zur gleichen Zeit führten mehrere erfolgreiche Aufstände in den östlichen Provinzen zur Errichtung unabhängiger Fürstentümer; daraufhin wurden unabhängige Kalifate in Nordafrika und Spanien gegründet. Schließlich reichte die Befehlsgewalt der Abbasiden kaum noch über Bagdad hinaus, und gegen Mitte des 10. Jahrhunderts waren die abbasidischen Kalifen praktisch machtlos und dienten nur noch als Symbolfiguren, die von der Gnade der Militärbefehlshaber abhängig waren. Die endgültige Niederlage der abbasidischen Dynastie ereilte sie von außerhalb der muslimischen Welt, als al-Mustasim von den eindringenden Mongolen auf Befehl von Hulagu Khan, des Enkels von Dschingis Khan, getötet wurde.

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