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Windows Live® Suchergebnisse KantonEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Kanton (Guangzhou), Stadt im Süden Chinas, Hauptstadt der Provinz Guangdong, inmitten eines dicht verzweigten Geflechts an Flüssen gelegen.
Zu den wichtigsten Produktionsgütern gehören Maschinen, Fahrzeuge, Nahrungsmittel (vor allem Zucker), Eisen und Stahl, chemische Erzeugnisse (u. a. Düngemittel), Textilien, Papier und Zement. Die Stadt verfügt über einen Binnenhafen am Perlfluss (Zhu Jiang). Ein großer Teil der in Kanton hergestellten Produkte wird aber über den Außenhafen Huangpu (Whampoa) exportiert, der für Schiffe mit großem Tiefgang zugänglich ist. Rund 15 Prozent des gesamten chinesischen Außenhandels werden hier abgewickelt. Kanton hat als Verkehrszentrum einen internationalen Flughafen und darüber hinaus Anschluss an die Eisenbahnverbindung zwischen Hongkong und Peking. Seit 1957 finden in der Stadt mehrmals jährlich wichtige internationale Messen statt. Kanton ist eines der führenden Hochschulzentren Chinas mit der Zhongshan University (1924), einer medizinischen und einer landwirtschaftlichen Hochschule sowie einer Technischen Universität.
Das Stadtbild wird maßgeblich von modernen Hochhäusern dominiert, ein Teil der historischen Bebauung wurde im Rahmen der Sanierung ab 1920 zerstört. Trotzdem bietet Kanton zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Auf der 900 Meter langen Insel Sha Mian (Shameen) – früher ein bevorzugter Wohnsitz europäischer Kaufleute – sind noch einige kolonialzeitliche Villen erhalten. Der Tempel Guang Xiao Si aus dem 4. Jahrhundert zählt zu den ältesten Bauwerken der Stadt; die Anlage diente zeitweilig als Königsresidenz. Der Tempel der sechs Banyan-Bäume (537 fertig gestellt) ist heute Sitz der Buddhistischen Vereinigung. Die Moschee Huai Sheng (627 erbaut) ist religiöses Zentrum der rund 5 000 Muslime in Kanton. Einen guten Blick über die Stadt hat man vom 28 Meter hohen Gebäude Zhen Hai (1380 errichtet) im Yuexiu-Park. Die von tiefblauen Glasurziegeldächern bedeckte Sun-Yatsen-Gedenkhalle (1925-1931) bietet bei kulturellen Veranstaltungen Platz für circa 4 000 Besucher.
Kanton geht auf eine frühe Siedlung zurück, deren Ursprung unklar ist. Im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt Teil des Chinesischen Reiches. Araber, Perser, Inder und andere Kaufleute trieben hier über mehrere Jahrhunderte regen Handel, bevor die Portugiesen – auf der Suche nach Seide und Porzellan – im 16. Jahrhundert Kanton erreichten. Ein Jahrhundert später folgten ihnen britische und im 18. Jahrhundert dann französische und holländische Händler. Die Europäer schätzten die günstige Lage der Stadt sowie die Nähe zu anderen Handelszentren in Indien und Indonesien. Von 1757 bis zum Ende des Opiumkrieges 1842 war Kanton der einzige Außenhandelsplatz Chinas. Europäische Kaufleute hatten hier das vertraglich garantierte Recht, Handel zu treiben. Es wurden ihnen jedoch Handelsbeschränkungen auferlegt. Erst 1861, als ihnen eine Sandbank im Perlfluss (die sich in der Folgezeit zur Insel Sha Mian entwickelte) erhielten, wurden die Beschränkungen aufgehoben. Während der Revolution von 1911, die zur Gründung der Republik China führte, war Kanton eines der politisch aktivsten Zentren und eines der ersten Hauptquartiere der Kuomintang, der führenden politischen Partei, deren 1. Nationalkongress 1924 hier stattfand. Die Japaner hielten die Stadt zwischen 1938 und 1945 besetzt und fügten ihr schwere Zerstörungen zu. 1946 kam Kanton wieder unter chinesische Oberhoheit. Die ab 1920 begonnene Weiterentwicklung Kantons wurde nach 1949 wieder aufgenommen und mit einem umfangreichen Programm zur Restaurierung, zur Ausweitung der Industrie und zur Modernisierung des Hafens verbunden. Die Einwohnerzahl beträgt etwa 7,61 Millionen (2006).
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