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Christentum

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Peter Paul Rubens: Kreuzigung Christi (1620)Peter Paul Rubens: Kreuzigung Christi (1620)
Artikelgliederung
1

Einleitung

Christentum, von Jesus Christus abgeleitete Bezeichnung für die größte der Weltreligionen, der mit rund zwei Milliarden Menschen ein Drittel der Weltbevölkerung anhängt.

Vor knapp 2 000 Jahren in der römischen Provinz Palästina entstanden, breitete sie sich zunächst über die Städte des Imperium Romanum aus, fasste aber auch im Perserreich Fuß und gelangte bis nach Indien. Im 4. Jahrhundert wurde sie zur Staatsreligion des römischen Reiches. Im 7. Jahrhundert und im weiteren Verlauf der Ausbreitung des Islam gingen die Kernländer verloren; aus dem Patriarchat Rom entstand das christliche Abendland, die Christenheit des Mittelalters. Infolge der weltweiten Kolonisation durch die christlichen Länder, der die Mission folgte, wurde das Christentum dann zu der Weltreligion mit den meisten Anhängern.

Im Lauf seiner Geschichte hat sich das Christentum in zahlreiche Kirchen, Konfessionen, Denominationen und Gemeinschaften aufgefächert. Die größte Kirche ist die römisch-katholische Kirche mit über einer Milliarde Mitgliedern, der damit mehr als die Hälfte der Christen (etwa 56 Prozent) angehören. Protestanten und Anglikaner bilden zusammen etwa 25 Prozent; knapp über 9 Prozent gehören einer der orthodoxen Kirche an. Geographisch ist das Christentum in allen Erdteilen verbreitet, schwerpunktmäßig aber in Europa, Amerika, Afrika, Australien und auf den Philippinen. In der Bundesrepublik Deutschland gehörten vor 1989, also noch vor der Wiedervereinigung, 88 Prozent der Bevölkerung einer der beiden großen christlichen Kirchen an; 2000 waren es in Gesamtdeutschland etwa 70 Prozent.

2

Jesus von Nazareth

Im Zentrum des Christentums steht die geschichtliche Person des Jesus von Nazareth. Neben den relativ knappen Berichten über Kindheit und Jugend im Matthäus- bzw. Lukasevangelium existieren legendarische Überlieferungen, die über die Aufnahme in die Bildthematik der christlichen Kunst Eingang in die Volksfrömmigkeit fanden. Das älteste Evangelium, das Markusevangelium (geschrieben um 70 n. Chr., also eine Generation nach den berichteten Ereignissen), setzt mit der Taufe Jesu durch den Bußprediger Johannes am Jordan ein. Das sich anschließende öffentliche Wirken Jesu dauerte etwa zwei Jahre; die Hinrichtung durch Tod am Kreuz erfolgte mit großer Wahrscheinlichkeit im Jahr 30. Die Kindheitserzählungen der Evangelien berichten von der Geburt in Bethlehem; der Heimatort Jesu ist jedoch Nazareth in Galiläa. In der Nähe von Nazareth lag mit Sepphoris eine hellenistisch-jüdisch geprägte Stadt, die der junge Jesus gekannt haben muss. Er trat als Wanderprediger auf; das Zentrum seines öffentlichen Wirkens war Kapernaum am Nordufer des Sees Genezareth, das auch Wohnort des Petrus war. Die Verhältnisse in Galiläa (Spannungen zwischen Heiden und Juden, Stadt und Land, Arm und Reich, römischer Besatzungsmacht und Widerständlern) sind für das Verständnis seiner Verkündigung bedeutsam. Im Zentrum der Predigten Jesu steht die Gottesherrschaft oder Königsherrschaft Gottes (siehe Reich Gottes), die als nahe bzw. auch schon als gegenwärtig verkündet wird. Die Predigt ist zugleich Gerichts- und Heilspredigt. Steht die Gottesherrschaft im Zentrum der Verkündigung Jesu, so bilden Heilungen und Exorzismen ein Zentrum seines Wirkens; charakteristisch sind jedoch symbolische Handlungen: die Erwählung der Zwölf (die in der Tradition zu den zwölf Aposteln werden), die Aussendung der Jünger, die Tischgemeinschaft mit Zöllnern und Sündern, der Einzug in Jerusalem, die Tempelreinigung und das letzte Abendmahl. Als Jesus mit seinen Anhängern zum Passahfest nach Jerusalem zog und seine Verkündigung mit der prophetischen Symbolhandlung der Tempelreinigung unterstrich, musste ihm klar sein, dass das den Tod bedeuten konnte. In den Passionsgeschichten der Evangelien werden drei Gruppen genannt, die bei Prozess und Hinrichtung Jesu eine Rolle spielen: die Römer mit Pilatus; die jüdische Tempelaristokratie mit dem Synedrium und den Hohepriestern Hannas und Kaiphas sowie das Volk, das ihm zunächst zujubelt, dann aber seine Verurteilung fordert. Auffällig ist, dass bei der Gefangennahme Jesu alle seine Anhänger fliehen; nur einige Frauen, heißt es im Evangelium nach Markus (Markus 15, 40), die ihm gefolgt waren, sahen von weitem zu, als Jesus mit einem Aufschrei am Kreuz starb. Auf den Tod Jesu folgt mit der Auferstehung, was die christliche Theologie abstrakt das Ostergeschehen nennt: auf diesem Ereignis gründet der Glaube der ersten Christen und das Christentum insgesamt. In den Quellen wird es einerseits in Form von Erzählungen über Erscheinungen des von den Toten auferstandenen oder auferweckten Jesus vor seinen Anhängern sowie über die Auffindung des leeren Grabes dargestellt. Andererseits gibt es sehr frühe Formulierungen von Bekenntnissen, dass der hingerichtete Jesus der Christus Gottes ist, der unmöglich vom Tod festgehalten werden könne. Den ältesten Text dieser Art, der in den Jahren um 35 bis 40 entstanden sein muss, zitiert Paulus in seinem 1. Korintherbrief (15, 3-5). Vor allem finden sich derartige prägnante Bekenntnisformeln aber in den Predigten des Petrus, die in der Apostelgeschichte des Lukas überliefert sind, so an prominenter Stelle in der so genannten Pfingstpredigt des Petrus (Apostelgeschichte 2, 14-36): Gott hat den Gekreuzigten zum Kyrios und Christos, d. h. zum Herrn und Messias, gemacht. Damit ist schon die Bezeichnung „Jesus Christus” ein Bekenntnis: Der historische Jesus von Nazareth ist der Christus (griechich: der Gesalbte), also der Messias des Glaubens. Entfaltet wird die Bedeutung dieser Bezeichnung dann in der theologischen Disziplin der Christologie.

3

Quellen

Die Hauptquelle für die Lehre des Christentums ist die Bibel. Diese besteht aus dem Alten oder Ersten Testament, der jüdischen Bibel, an die eine Auswahl von Schriften aus der Frühzeit des Christentums des 1. Jahrhunderts als Neues Testament angefügt wurde. Im Lauf der Zeit wurde diese Auswahl zum Kanon, zur Richtschnur des Glaubens; Schriften aus der frühen Zeit, die nicht Aufnahme in das Neue Testament fanden, werden Apokryphen genannt. Neben die Bibel, die allerdings oft als die einzige Quelle bezeichnet wird, treten die Bekenntnisse; im frühen Christentum ist dies die so genannte Glaubensregel. Um diese Bekenntnisse und ihre Formulierung bis zum Buchstaben wird während der ganzen Geschichte des Christentums gerungen und gestritten. Die christliche Lehre ist die theologische Auslegung dieser Bekenntnisse, die wiederum die Lehrentwicklung vorantreiben. Wo zusätzliche Offenbarungsquellen die Bibel ergänzen oder in den Hintergrund treten lassen, wie z. B. bei den Mormonen, spricht man von einer neuen religiösen Bewegung oder Religion.

Neben Bibel und Bekenntnis tritt als dritte Quelle der so genannte Glaubenssinn. Damit sind das Glaubensbewusstsein der Glaubenden, im weiteren Sinn der gelebte Glaube sowie die vielfältigen Formen der Frömmigkeit gemeint. Sowohl die wechselseitige Kritik christlicher Gruppen aneinander als auch die Religionskritik am Christentum von außen beziehen sich oft mehr auf diese dritte Quelle als auf theologische Auslegungen der Bibel oder des Bekenntnisses. Während die Bibel allen christlichen Gruppierungen gemeinsam ist, unterscheiden sie sich durch die Bekenntnisse bzw. Bekenntnisschriften, die auch Sondertraditionen sein können, und in den Frömmigkeitsstilen.

4

Schwerpunkte der christlichen Lehre

4.1

Gotteslehre

Das Christentum übernimmt in der Gotteslehre den jüdischen Monotheismus und verbindet ihn in der Auseinandersetzung mit dem Denken der griechisch-römischen Umwelt mit der Gotteslehre der antiken Philosophie. Da die Christen zu dem einen Gott im Namen Jesu und im Heiligen Geist beten, stellte sich schon früh die Frage, wie das Verhältnis von Gott, Jesus Christus und dem Geist Gottes zu denken sei. Nach einer langen und heftig geführten Auseinandersetzung wurde schließlich die Lehre von der Trinität, der Dreifaltigkeit oder Dreieinigkeit, formuliert: Der eine Gott begegnet in drei Personen, dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, er ist ein dreifaltiger und dreieiniger Gott. Kein anderer Lehrsatz setzt das Christentum so sehr von den anderen Religionen ab. Die Trinitätslehre setzt das Christentum in einen scharfen Gegensatz zum Judentum und auch zum Islam, die darin die Ersetzung des Monotheismus durch eine Dreigötterlehre sehen.

Eine Wahrheit, die die Theologen selbst als übernatürliche Offenbarung klassifizieren, hat es schwer, sich gegenüber der natürlichen Vernunft zu behaupten; entsprechend hat die Theologie im Zeitalter der Vernunft und der Aufklärung die Trinitätslehre weitgehend zurückgenommen. Religionsgeschichte und Religionspsychologie haben dann jedoch gezeigt, dass Trinitätsspekulationen offenbar doch eine Begründung in der religiösen Erfahrung haben.

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