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ChristentumEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Jesus von Nazareth; Quellen; Schwerpunkte der christlichen Lehre; Kirche und Politik; Glaube und Werke; Konfessionskunde; Christliche Ökumene und Dialog der Religionen
In der Trinitätslehre wurde das Verhältnis der drei göttlichen Personen zueinander geklärt; in der Christologie geht es um die nähere Bestimmung des Verhältnisses von göttlicher und menschlicher Natur in Jesus Christus. Nach einem Jahrhunderte dauernden Streit, in dem sich Theologie, Politik und kirchenpolitisches Vormachtstreben unentwirrbar vermischten, wurde auf dem Konzil von Chalkedon 451 die Zweinaturenlehre als Glaubenssatz festgelegt: Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Damit wurden sowohl der Nestorianismus wie der Monophysitismus zurückgewiesen. Eine Vorentscheidung war zuvor auf dem Konzil von Ephesus 431 gefallen, wo festgelegt worden war, dass Maria Gottesgebärerin genannt werden dürfe – was Nestorius, der Bischof von Konstantinopel, abgelehnt hatte: Man könne nur sagen, dass von Maria der Mensch Jesus, nicht aber, dass Gott von ihr geboren worden sei. Während Nestorius in der Tradition der antiochenischen Theologie stand, war sein schärfster Gegner Kyrill, Bischof von Alexandrien, der Hochburg des Monophysitismus, der dazu tendierte, die göttliche Natur in Jesus zu verabsolutieren. Allerdings führte, was in Chalkedon als dogmatische Einigungsformel intendiert war, zur Abspaltung großer Teile der damaligen Christenheit von der Reichskirche. Die Kirche im Persien der Sassaniden bekannte sich zur Zweinaturenlehre des Nestorius und markierte auch so Distanz zur Reichskirche, während sich die äthiopische, koptische und jakobitische Kirche als Monophysiten aus ihr lösten.
Die Lehre vom Heiligen Geist (griechisch hagion pneuma; lateinisch spiritus sanctus) ist ein eher sperriger Traktat der Theologie. Der Geist Gottes schwebte bei der Schöpfung über der Urflut; von ihm hat Maria Jesus empfangen, er kam bei der Taufe Jesu in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und an Pfingsten ließ er sich in Gestalt einer Feuerzunge auf den versammelten Jüngern nieder. Er ist die dritte göttliche Person, wird aber nur selten als Person, sondern meistens in Symbolgestalt, eben als Taube oder Feuerzunge, dargestellt. Er leitet die Kirche und hält sie in der Wahrheit, noch mehr beunruhigt er sie aber in Gestalt der Spiritualen und Spiritualisten, die sich wie Joachim von Fiore um 1200 als Vorboten eines „Geistzeitalters” verstehen, das auf die Zeit der Kirche als Reich des Sohnes folgen soll. Spiritualisten begleiteten bereits die Reformation und wollen sie zu Ende führen; sie wurden von Martin Luther aber als Schwärmer und Schwarmgeister verdammt. Siehe auch Montanismus; Quäker; Pfingstbewegung; charismatische Bewegung
Aus der Bibel (und damit aus dem Judentum) übernahm das Christentum den Glaubenssatz, dass Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde sei, und entfaltete ihn dahin, die Schöpfung als Schöpfung aus dem Nichts aufzufassen. Auch die Lehre über den Menschen (Anthropologie) folgt der Bibel: Gott hat den Menschen als sein Ebenbild geschaffen und ihn in das Paradies gesetzt; mit dem Sündenfall (siehe Sünde) aber kamen der Tod und die Mächte des Unheils in die Welt, wie der erste große Theologe des Christentums, Paulus, eindrucksvoll darlegte. Die Verderbtheit der Menschheit wird dann von den christlichen Theologen als Erbsünde oder Erbschuld weiter bedacht. Die Düsternis der Erbsündenlehre des Augustinus prägte das christliche Denken und Fühlen über die Jahrhunderte. In der Geschichte des Christentums verbanden sich immer wieder Sündenbewusstsein, Schuldgefühl und Angst vor der Verdammung zu bedrückenden Szenarien, die an religiösen Wahn denken lassen. Dass die Sündenlehre des Paulus ihre Sinnspitze in der Erlösung und Befreiung von der Sünde in und durch den neuen Adam Jesus Christus hat, ist oft nicht mehr durchgedrungen. Aber das Christentum ist, gerade als Sünden- und Schuldreligion, auch Erlösungsreligion. Es ist getragen von einer unüberwindlichen Heilszuversicht; auch dieses schon von Paulus angeschlagene Thema erklingt durch die Jahrhunderte.
Gemäß der paulinischen Lehre hat Christus die endgültige Versöhnung mit Gott bewirkt: Die Gläubigen sind in Christus ein für allemal geheiligt und sind Glieder seines Leibes, der in der Geschichte durch die globale Gemeinde sichtbar wird. Während in den Evangelien das Wort „Gemeinde” nur selten erwähnt wird und in der Apostelgeschichte eher praktische Aspekte des Gemeindelebens geschildert werden, entwickelt Paulus in seinen Briefen die Lehre von der Gemeinde bzw. Kirche (siehe Ekklesiologie). Als Selbstvergewisserung der Heilsanstalt Kirche geriet die Ekklesiologie nur zu oft zu einer Herrschaftslehre und zu einem Triumphalismus der Hierarchie, der heiligen Herrschaft. Auf die weiteste Überdehnung des Anspruchs im Papsttum des Hochmittelalters folgte allerdings unmittelbar der Niedergang und Machtverfall. In der Theologie der großen christlichen Kirchen werden die Sakramente als Heilsmittel verstanden. Sie gelten als die sichtbare Form der unsichtbaren Gnade. Die Zahl der Sakramente schwankt, bis sich im Hochmittelalter die Siebenzahl von Taufe, Firmung, Eucharistie, Buße, Krankensalbung, Weihe und Ehe durchzusetzen begann. Taufe, Firmung und Weihe können nicht wiederholt werden. Diese sieben Sakramente gelten in der katholischen Kirche und in den Ostkirchen, während die protestantischen Kirchen meist nur die Sakramente Taufe und Abendmahl (Eucharistie) kennen. Der Ablass, eine zum Sakrament der Buße gehörige Praxis, die die römische Kurie in ihr Fiskalsystem eingebunden hatte, wurde zum Auslöser der Reformation. Der Dissens zwischen Luther und Zwingli in der Abendmahlsfrage im Marburger Religionsgespräch 1529 verhinderte die Einheit der deutschen Reformation. Ein weiter Bereich weiterer heiliger Handlungen wird im Katholizismus als Sakramentalien bezeichnet.
Wie jede Religion, so hatte auch das Christentum von Anfang an eine politische Dimension und politische Implikationen. Waren es zunächst lokale Umstände und Bedingungen, die die Christen im römischen Reich in Bedrängnis brachten, führte der römische Staat Mitte des 3. Jahrhunderts unter Decius und dann noch einmal zu Beginn des 4. Jahrhunderts unter Diokletian systematische Verfolgungen durch, an deren Ende allerdings das Toleranzedikt von Diokletians Nachfolger Galerius von 311 stand, das die Christen aufforderte, nun zu ihrem Gott für das Heil des Kaisers und des Reiches zu beten. Gleich darauf begann mit Konstantins Maßnahmen gegen die Donatisten das dunkle Kapitel der Verfolgung häretischer Christen durch die christliche Staatskirche, das in der Inquisition einen seiner blutigen Höhepunkte fand. Die Christenheit des Abendlandes war durch die Bipolarität von geistlicher und weltlicher Macht gekennzeichnet, die von außen aber als die eine christliche Macht wahrgenommen wird. Ähnliches galt für das byzantinische christliche Reich und das russische christliche Reich. Distanz zu Politik und Macht übte nie das Christentum an sich, sondern einzelne Personen oder Gruppen, die sich gegen die herrschende Gestalt des Christentums ihrerseits christlich legitimierten. Im Hochmittelalter waren die Guelfen nicht weniger christlich als die Ghibellinen oder umgekehrt. Erst mit der Konfessionalisierung der Neuzeit, dem staatlichen Absolutismus und unter den Vorzeichen der Säkularisierung entstand für das nun kirchlich verfasste Christentum der Spielraum, sich in die Politik einzuschalten oder sich aus ihr herauszuhalten.
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