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Christentum

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Peter Paul Rubens: Kreuzigung Christi (1620)Peter Paul Rubens: Kreuzigung Christi (1620)
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6

Glaube und Werke

Grundlage für Ethik und Moral des Christentums ist die Bibel, vor allem der Ethos der Bergpredigt. Auch hier formulierte schon Paulus die entscheidenden Fragen. In persönlicher Gewissensnot las Martin Luther 1500 Jahre später die Paulusbriefe und fand dort die befreiende Einsicht, dass allein die Gnade allein durch den Glauben den Menschen mit Gott versöhnt und die Rechtfertigung des Menschen wirkt. Die Frage, ob man sich das Heil mit Werken der Frömmigkeit im wörtlichen Sinn erkaufen könne, war im 16. Jahrhundert eine drängende Frage. Erst 1999 stellten lutherische und katholische Kirche fest, dass die von Luther und vom Konzil von Trient formulierten Antworten nicht kirchentrennend wirken müsste. So schwer diese Rechtfertigungslehre auch zu verstehen ist – Luther selbst war der Meinung, sie sei eine Angelegenheit für Spezialisten –, so deutlich macht die ständige Erfahrung der Selbstgerechtigkeit, dass damit tatsächlich eine Grundfrage des religiösen Lebens zur Debatte steht.

7

Konfessionskunde

Geschichtlich erscheint das Christentum als kirchlich bzw. gemeindlich verfasstes Christentum, das sich in Raum und Zeit in einer Vielfalt von Kirchen, Konfessionen, Denominationen und Gemeinschaften darstellt. Von Anfang an kam es zu Parteiungen, Spaltungen und Häresien: Von Streit und Eifersucht wusste schon Paulus in Korinth zu berichten. Aufs Ganze gesehen, lassen sich konfessionskundlich drei große Gruppen unterscheiden: die katholischen Kirchen, die orthodoxen Kirchen und die aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen evangelischen Kirchen, wobei die Selbstbezeichnungen jeweils ein Chrakteristikum hervorheben, das aber nicht exklusiv verstanden werden darf: Katholisch (allumfassend), orthodox (rechtgläubig) und evangelisch (am Evangelium orientiert) muss jede Kirche sein.

7.1

Die katholischen Kirchen

Zu den katholischen Kirchen zählen die aus dem altkirchlichen römischen Patriarchat des Westens hervorgegangene lateinische, römisch-katholische Kirche und die mit ihr verbundenen unierten Ostkirchen. Die römisch-katholische Kirche ist mit über einer Milliarde Mitgliedern die größte christliche Kirche, ihr gehören mehr als die Hälfte aller Christen an; den unierten Kirchen gehören etwa 18 Millionen an. Die katholische Kirche ist von imponierender Geschlossenheit, sie hat im päpstlichen Rom ihren Mittelpunkt und im Papst nicht nur ihr Oberhaupt, sondern auch den weltweit anerkannten Repräsentanten.

Gegenüber den evangelischen Kirchen betont die katholische Kirche die Kontinuität einer zweitausendjährigen Geschichte, wobei nicht nur in der Selbstwahrnehmung, sondern auch von Außenstehenden leicht übersehen wird, dass mit der Reformation in der westlichen Christenheit ein epochaler Umbruch stattgefunden hat und sich die römisch-katholische Kirche als Konfession erst in der Folge dieses Umbruchs herausgebildet hat. Zu dem Kontinuitätsanspruch gehört, dass sich die katholische Kirche auch alle Verfehlungen der Kirchengeschichte zurechnen lassen muss, was Papst Johannes Paul II. mit dem Schuldbekenntnis vom 12. März 2000 angenommen hat.

Die katholische Kirche ist auch als Weltkirche immer noch eine westliche Kirche, die Kirche des Abendlandes, mit dem Schwerpunkt in Mitteleuropa und Südeuropa. In Europa leben allerdings nur mehr knapp mehr als ein Viertel aller Katholiken, die Mehrzahl lebt inzwischen in der südlichen Hemisphäre. Eine große Mehrheit der Bevölkerung bilden die Katholiken in den meisten Ländern Südamerikas und auf den Philippinen.

7.2

Orthodoxe Kirchen des Ostens

Den gleichen Anspruch auf Kontinuität mit der Kirche des Altertums wie die katholische Kirche erheben die orthodoxen Kirchen, die sich in der Nachfolge der vier Patriarchate im Osten des römischen Reiches sehen. Das Verhältnis der fünf Patriarchate der alten Kirche war immer auch von Rivalitäten bestimmt; es gab unterschiedliche Konstellationen und Koalitionen, doch zeichnete sich ab der Mitte des 1. Jahrtausends bereits die Bruchlinie zwischen Ost und West ab. Durch das Vordringen des Islam gerieten die Patriarchate von Alexandria, Jerusalem und Antiochia unter Fremdherrschaft; 1453 wurde schließlich auch Konstantinopel von den Osmanen erobert und der Patriarch von Konstantinopel zum Schutzherrn der Christen unter muslimischer Herrschaft, während die neue russische Kirche den Anspruch erhob, nun das Zentrum der östlichen Christenheit zu sein.

Die Einheit zwischen Ost- und Westkirche war nach mehreren Schismen und Unionen 1054 endgültig zerbrochen. Noch folgenreicher war allerdings die Eroberung Konstantinopels durch die lateinischen Kreuzfahrer im Jahr 1204. Unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches verstärkte sich im Osten das Bewusstsein der Koinzidenz von Nation und Konfession – in der Neuzeit wurde dies zu einem Hauptcharakteristikum der Orthodoxie, so dass sich die Ostkirchen heute als Nationalkirchen darstellen. Zur Gemeinschaft der orthodoxen Kirchen zählen sich heute 14 autokephale und sieben autonome Nationalkirchen mit circa 150 Millionen Gläubigen.

Die orthodoxen Kirchen, die sich auf die Ostkirche des Jahres 1054 zurückführen lassen, erkennen gemeinsam mit der Westkirche die ersten sieben ökumenischen Konzile als verbindlich an. Es gab allerdings Teile der Reichskirche, die die Beschlüsse des dritten (Ephesus 431) und vierten ökumenischen Konzils (Chalkedon 451) nicht anerkannten; sie werden oft altorientalische Nationalkirchen genannt. Dazu gehörte die Kirche auf dem Boden des Perserreiches, oft auch als Nestorianerkirche bezeichnet, sowie die monophysitischen Kirchen, die die Zweinaturenlehre des Konzils von Chalkedon ablehnten und deshalb auch als vor- oder nichtchalkedonische Kirchen bezeichnet werden, so die syrische orthodoxe Kirche oder jakobitische Kirche. Zahlenangaben sind schwierig, aber insgesamt dürften knapp 10 Prozent der Christen, also etwa 190 Millionen Gläubige, orthodoxe Christen sein.

Die orthodoxen Kirchen stehen heute durch den Zusammenbruch des Kommunismus, unter dessen Herrschaft sie verfolgt, zum Teil auch korrumpiert wurden, vor einer völlig neuen Herausforderung.

7.3

Anglikanische Kirchen

Fasst man den Begriff Reformation weit, gehört auch die anglikanische Kirche zu den aus der Reformation hervorgegangenen und von ihr geprägten Kirchen. Genauer muss man von anglikanischen Kirchen oder anglikanischer Kirchengemeinschaft sprechen, die sich vorwiegend durch die Mission im ehemaligen britischen Commonwealth verbreitete und vor allem für die Kirchen in Nordamerika große Bedeutung gewann. Zur anglikanischen Kirchengemeinschaft zählen circa 80 Millionen Gläubige (4 Prozent der Christen); die Mehrheit lebt in Übersee.

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