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Artikelgliederung
Einleitung; Anzahl der Infizierten; Geschichtlicher Hintergrund; Übertragungswege und Krankheitsausbruch; Symptome; Diagnose und Behandlung
Tuberkulose, abgekürzt Tb oder Tbc, früher als Schwindsucht (Sucht im Sinn von siechen) bezeichnete chronische oder akute Infektionskrankheit von Menschen und Tieren, die durch mehrere stäbchenförmige Bakterienarten der Gattung Mycobacterium (vor allem vom Tuberkelbakterium Mycobacterium tuberculosis) verursacht wird. Tuberkulose kann verschiedene Körpergewebe befallen, meist ist jedoch die Lunge betroffen. Der Name Tuberkulose ist von dem Begriff Tuberkel abgeleitet. Tuberkel sind kleine Zellgebilde, in denen der Körper die Mykobakterien einkapselt. Mykobakterien vermehren sich in Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems). Sie unterdrücken ein Protein, das Makrophagen aktiviert, so dass der Makrophage nicht auf die Infektion reagiert. Das Genom des Tuberkuloseerregers wurde vollständig entschlüsselt. DNA-Analysen an Mykobakterien ergaben, dass es bereits vor rund 2,7 Millionen Jahren (zur Zeit des Vormenschen Australopithecus) den heutigen Mykobakterien nahe verwandte Bakterien gegeben haben dürfte (PLoS Pathogens, 2005). Bei frei lebenden Tieren ist Tuberkulose selten, sie kommt jedoch bei Haustieren wie Rindern, Schweinen und Geflügel vor.
Am häufigsten tritt Tuberkulose in überbevölkerten und armen Gebieten auf. In einigen Ländern Afrikas, Asiens und Südamerikas beträgt die Häufigkeit mehrere hundert Fälle pro 100 000 Einwohner. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation erkrankten 2004 etwa neun Millionen Menschen neu an Tuberkulose, 1,7 Millionen Menschen starben daran. Mit Ausnahme von Afrika stagniert die Zahl der Tuberkulosefälle auf den anderen Kontinenten derzeit oder ist leicht rückläufig; aufgrund der Situation in Afrika nimmt sie jedoch absolut jährlich um 0,6 Prozent zu. Die Zunahme der Fälle in Afrika steht im Zusammenhang mit der hohen Zahl HIV-Infizierter, die für Tuberkuloseerreger besonders anfällig sind. Die Zahl der Fälle in Deutschland ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von 2006 rückläufig: 1997 wurden 11 163 neue Tb-Fälle registriert, 2004 dagegen 6 583. In Deutschland waren 2004 2,5 Prozent der Erkrankten mit Mykobakterien infiziert, die gegen mehrere Antibiotika resistent waren; in 13,3 Prozent der Fälle bestand Resistenz gegen mindestens eines der Medikamente.
Anfang des 19. Jahrhunderts beschrieben die französischen Ärzte Gaspard Laurent Bayle und René Laënnec die Formen und Stadien des Krankheitsbildes Tuberkulose; beide starben an dieser Krankheit. Im Jahr 1874 richtete der amerikanische Arzt Edward Livingston, der ebenfalls an Tuberkulose litt, in Saranac Lake im Bundesstaat New York das Trudeau Laboratory ein. Diese Heilanstalt wurde zum Vorbild für Tuberkulosesanatorien. Kuren in solchen Sanatorien stellten viele Jahre die Hauptbehandlungsmöglichkeit bei Tuberkulose dar. Der deutsche Mikrobiologe Robert Koch entdeckte 1882 den Krankheitserreger und entwickelte 1890 den Tuberkulintest zur Diagnose der Erkrankung. 1924 entwickelten die französischen Bakteriologen Albert Léon Calmette und Alphonse F. M. Guérin den so genannten BCG-Impfstoff (Bacille-Calmette-Guérin) für tuberkulosegefährdete Personen. Das erste spezifische Tuberkulosemedikament wurde 1944 verfügbar, als der amerikanische Mikrobiologe Selman Abraham Waksman das Antibiotikum Streptomycin entdeckte. Dieser Errungenschaft folgte 1948 die Entwicklung von PAS (Para-Aminosalicylsäure) und später von Isoniazid und anderen Arzneimitteln, welche die Tuberkulosebehandlung revolutionierten.
Mykobakterien werden durch Absonderungen der Atemwegsschleimhäute übertragen. Dies geschieht meist durch Tröpfcheninfektion, vor allem wenn eine Person mit offener (infektiöser) Tuberkulose hustet, oder in seltenen Fällen über Ausscheidungen oder Nahrungsmittel. Im Gegensatz zu den meisten anderen Infektionskrankheiten lässt sich für Tuberkulose keine bestimmte Inkubationszeit feststellen; die Krankheit kann einige Wochen, aber auch erst Jahre nach der Infektion ausbrechen. Die Bakterien bleiben oft lange Zeit latent (unerkannt) im Körper, bis eine Schwächung des Immunsystems ihnen die Möglichkeit zur Vermehrung bietet. Dadurch treten schließlich Krankheitszeichen auf. Zwar trägt ein großer Teil der Bevölkerung Mykobakterien in sich, doch nur bei einem verhältnismäßig kleinen Anteil kommt die Krankheit tatsächlich zum Ausbruch. Rauchen fördert den Ausbruch von Tuberkulose, weil Tabakrauch die Immunabwehr in der Lunge beeinträchtigt. Eine Tuberkuloseinfektion verleiht keine bleibende Immunität gegen die Erkrankung.
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