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Lebensmittelversorgung

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Lebensmittelversorgung, auch Welternährung, im Verhältnis zur Weltbevölkerung verfügbares Nahrungsangebot.

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Geschichtlicher Hintergrund

Im Verlauf von 99 Prozent der menschlichen Geschichte verschafften sich die Menschen ihre Nahrung als Sammler und Jäger. Die Vielseitigkeit ihrer Nahrung versorgte sie mit den notwendigen Nährstoffen; doch war Nahrung meist nur in begrenztem Maße vorhanden, so dass die Anzahl der Personen, die pro Flächeneinheit ernährt werden konnten, relativ gering war.

In dem verbleibenden Prozent der Menschheitsgeschichte fand eine kulturelle Revolution statt: Es entstanden die ersten Ursprünge einer Sozialstruktur, auf deren Grundlage Menschen begannen, Einfluss auf ihre Umwelt zu nehmen.

Die erste größere Folge hinsichtlich der Nahrungsversorgung war die „landwirtschaftliche Revolution” (Neolithische Revolution), die vor etwa 10 000 Jahren einsetzte. Über einen Zeitraum von mehreren tausend Jahren änderten viele kleine Gruppen ihr Verhalten: Sie wurden von Jägern und Sammlern zu Bauern, die Nahrungsmittel anbauten. Frühe Aspekte dieser „Revolution” waren die Domestikation ausgewählter Pflanzen- und Tierarten, das Hüten von Weidetieren, das Anlegen von Feldern und der Anbau erster Feldfrüchte sowie der Bau fester Siedlungen. Die Zunahme der Nahrungsmenge und die bessere Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln erweiterten die natürlichen Grenzen, die Faktoren wie Hunger und Krankheiten dem Wachstum der Menschheit gesetzt hatten. Das Bevölkerungswachstum nahm rapide zu, als sich der Mensch in Richtung auf die moderne Zivilisation entwickelte.

Den zweiten großen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung hatte die wissenschaftliche und industrielle Revolution, die vor etwa 400 Jahren einsetzte. Auf die menschliche Nahrungsversorgung und -nachfrage hatte sie weit reichende Auswirkungen. Die Anwendung wissenschaftlicher Kenntnisse auf die Nahrungsmittelproduktion erschloss bemerkenswerte Möglichkeiten, wie man den Ertrag pro Fläche oder Tier steigern konnte. Grundlegende medizinische Fortschritte verbesserten die Gesundheit und damit die Lebenserwartung der Menschen in vielen Teilen der Erde, wodurch die Nachfrage nach Nahrungsmitteln weiter wuchs. Ausgedehnte Siedlungen in der Neuen Welt vergrößerten die weltweite Anbaufläche, und weitere Tier- und Pflanzenarten wurden domestiziert. Die Nutzung neuer Energiequellen in Form fossiler Brennstoffe legte den Grundstein für die industrielle Entwicklung und lieferte die für das Bearbeiten großer Flächen, für Anbau und Ernte großer Nahrungsmittelmengen sowie den Transport in alle Welt nötige Energie.

Während dieser relativ kurzen Zeit nahmen die weltweiten Nahrungsmittelreserven sehr stark zu, und das Bevölkerungswachstum stieg schneller als je zuvor. Langsam erkannte man, dass die Nahrungsmittelproduktion auf Dauer nicht mit unkontrolliertem Bevölkerungswachstum würde Schritt halten können – eine Erkenntnis, die bereits 1798 von dem Ökonomen Thomas Robert Malthus dargelegt wurde.

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Gegenwärtige Situation

Die weltweite Nahrungsmittelversorgung hängt ab von dem Verhältnis zwischen produzierter Nahrungsmittelmenge und Gesamtbevölkerung der Welt. Das Ausmaß von Hunger und Mangelernährung wird von anderen Faktoren bestimmt. Dazu gehören Nachfrage, Verteilung, Verfügbarkeit und Verluste oder Verschwendung von Nahrung. Die Verfügbarkeit wird auch durch die Menge an Getreide und Hülsenfrüchtlern beeinflusst, die an Tiere verfüttert wird und so dem Menschen nur indirekt zur Verfügung steht.

Verbesserte Lebensbedingungen haben zu einer wesentlichen Verringerung der Sterblichkeit in den meisten Ländern beigetragen, doch nur zu einem geringen Teil die Geburtenrate in den Entwicklungsländern beeinflusst. Die Unterschiede zwischen diesen Raten (siehe Tabelle) haben zu einem explosionsartigen Anstieg der Weltbevölkerung geführt, die bereits 1987 die Fünfmilliardengrenze und 1999 die Sechsmilliardengrenze überschritt. Dabei leben mehr als drei Viertel der Menschen nicht in Industrieländern.

Von Wissenschaftlern werden Empfehlungen zur täglichen Nahrungsaufnahme herausgegeben, in denen Richtwerte für die essentiellen Nährstoffe enthalten sind (siehe menschliche Ernährung). Diese sind jeweils auf eine durchschnittliche Person bezogen und werden je nach Alter, Geschlecht, Aktivität, Körperbau und klimatischer Region modifiziert. In den Industrienationen erhält der Mensch durchschnittlich mehr als die ausreichende Menge aller Nährstoffe. In den Entwicklungsländern sind viele Menschen unterernährt und leiden an starkem Protein-, Mineralstoff- und Vitaminmangel. Weltweit hungerten zu Beginn des dritten Jahrtausends über 800 Millionen Menschen, von denen täglich 24 000, drei Viertel davon Kinder, an Unterernährung starben.

Die gesamte Nahrungsmittelversorgung hängt hauptsächlich von der Fläche des Landes (besonders des mit Feldfrüchten bebauten Landes) und dem Ernteertrag pro Flächeneinheit ab. Vielerorts könnten zwar die Anbauflächen vergrößert werden, doch sind der ökonomischen Durchführbarkeit derartiger Maßnahmen oftmals Grenzen gesetzt. Ein großes Potential besteht darin, die Erträge sowohl in entwickelten als auch in unterentwickelten Ländern zu steigern, und es wurden in diese Richtung deutliche Fortschritte gemacht.

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Umgang mit dem Problem

Die Herausforderung besteht zum einen darin, Angebot und Nachfrage von Nahrungsmitteln in Einklang zu bringen, und zum anderen darin, den fairen Umgang der Länder untereinander zu fördern, die Armut zu reduzieren und ausreichende Mengen an Nahrung für alle Menschen zu sichern. Weltweit wird im Grunde genügend produziert, um eine ausreichende Versorgung mit Kalorien zu gewährleisten, doch ist die Verteilung ungleich und ungerecht. Könnte die Verteilung gerecht vorgenommen werden, wäre eine um das Bevölkerungswachstum gesteigerte Nahrungsmittelproduktion die Lösung des Problems. Gleichzeitig ist es notwendig, besonders in den Entwicklungsländern, die Geburtenraten zu senken. Dies ist ein schwieriges Ziel, das soziale, ethische, medizinische, ökonomische und politische Voraussetzungen erfordert.

Vordringlich ist es jedoch, die Einstellung der Menschen zu ihrer Umwelt zu ändern. Ausbeutung muss der Erkenntnis weichen, dass die Kapazitäten der Erde begrenzt sind und dass Verfahrensweisen notwendig sind, die diese Kapazitäten bewahren oder sogar erhöhen.

Im Allgemeinen können nur 10 Prozent der verfügbaren Energie von einem Glied der Nahrungskette zum nächsten transferiert werden. Daher ist es für den Menschen, energetisch betrachtet, wesentlich effizienter, sich von Pflanzen zu ernähren als von Pflanzenfressern, die sich ihrerseits bereits von Pflanzen ernährt haben. Obwohl vielfach Pflanzen und pflanzliche Produkte eine wesentliche Rolle in der Ernährung spielen, besteht in den Industrienationen ein hoher Pro-Kopf-Verbrauch an tierischen Produkten. Ein Großteil dieser Produkte wurde weitgehend durch die Fütterung der Tiere mit Körnerfrüchten hergestellt. Wenn sich mehr Menschen pflanzlich ernährten und so auf einer niedrigeren Ebene in die Nahrungskette einstiegen, könnte die deutliche Verringerung der Fütterung zu einer effektiveren Energieumwandlung und somit zu einer produktiveren Ausnutzung der Anbaufläche führen.

Tiere spielen trotzdem eine wesentliche Rolle in der menschlichen Ernährung und sind für eine langfristige Sicherung der Nahrungsversorgung notwendig. Große Landflächen bestehen aus Weideland, das als Ackerland nicht geeignet wäre. Zu effektivem Ackerbau gehören Bodenschutz und Fruchtwechsel, bei dem der Anbau von Tierfutter mit dem Anbau von Feldfrüchten zur menschlichen Ernährung abwechselt. Weidegras, Grünfutter und Abfallprodukte u. a. aus der Getreideproduktion sollten auch weiterhin von Tieren in menschliche Nahrung umgesetzt werden. So enthalten Fleisch, Eier und Milch essentielle Aminosäuren und bestimmte Vitamine, die nur in geringen Mengen oder gar nicht in Pflanzen enthalten sind.

Die größten Steigerungen der Nahrungsmittelproduktion wurden durch wissenschaftliche und technologische Fortschritte ermöglicht. Dazu gehören insbesondere verbesserte Kenntnisse über die ernährungsphysiologische Qualität von Nahrung, über Tier- und Pflanzengenetik, Krankheits- und Schädlingsbekämpfung sowie Veränderungen der Umwelt. Erfolge wurden vorwiegend in den Industrienationen erzielt, doch auch in einigen anderen Ländern sind Verbesserungen hinsichtlich der Nahrungsversorgung zu verzeichnen. So wurde Thailand 2001 auf der Welternährungskonferenz der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) als positives Beispiel hervorgehoben: Der Anteil unterernährter Kinder unter fünf Jahren konnte dort aufgrund staatlicher Maßnahmen seit 1982 von 50 Prozent auf 10 Prozent gesenkt werden. Das 1996 gefasste Ziel der internationalen Staatengemeinschaft, die Zahl der weltweit Hungernden bis 2015 zu halbieren, wird sich nach einer Einschätzung der FAO von 2003 kaum realisieren lassen: Die Zahl der Hungernden habe in den letzten fünf Jahren des 20. Jahrhunderts um 18 Millionen auf 842 Millionen zugenommen.

Bereits 2001 hatte die Welternährungskonferenz der FAO festgestellt, das ursprüngliche Ziel ließe sich nur verwirklichen, wenn die landwirtschaftliche Produktion in den Entwicklungsländern deutlich gesteigert werden könne. Kritisiert wurde von Experten, dass die Weltbank zu wenig in die ländliche Entwicklung investiere, zudem stellten die Entwicklungsländer einen zu geringen Teil ihrer Staatsausgaben für den landwirtschaftlichen Sektor zur Verfügung. So bräuchte es nach einer Einschätzung der Vereinten Nationen in Afrika keinen Hunger zu geben, da allein das fruchtbare Kongobecken ausreichte, um den gesamten Kontinent mit Lebensmitteln zu versorgen; es gebe jedoch kaum einen afrikanischen Staat, der die Landwirtschaft fördere. Neben mangelndem politischen Willen in den Entwicklungsländern werde die Situation durch Agrarsubventionen in den Industriestaaten verschärft: Die zu Dumpingpreisen auf dem Weltmarkt angebotenen Überschussprodukte zerstörten die Existenz von Kleinbauern. Von besonderer Bedeutung ist es nach Ansicht der Welternährungskonferenz darüber hinaus, Böden besser vor Erosion und Versalzung zu schützen und der Wüstenbildung entgegenzuwirken.

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