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Artikelgliederung
Einleitung; Frühbyzantinische Kunst; Mittelbyzantinische Kunst; Komnenische Kunst; Spätbyzantinische Kunst
Byzantinische Kunst und Architektur, die Kunst des Byzantinischen oder Oströmischen Reiches, die aus der spätantiken Kunst hervorging und Merkmale der frühchristlichen Kunst und Architektur fortführte. Ausgangsort war Konstantinopel, das antike griechische Byzanz (siehe Istanbul), das der römische Kaiser Konstantin der Große 330 n. Chr. zu seiner neuen Hauptstadt machte, welche nach ihm benannt wurde. Die byzantinische Kunst und Architektur breitete sich im Westen über die gesamte Mittelmeerregion und im Osten bis nach Armenien aus. Zwar wurden im 15. Jahrhundert während der türkischen Eroberungen zahlreiche Kunstschätze Konstantinopels zerstört, doch blieb genügend erhalten, um die byzantinische Kunst in ihrer ganzen Dimension erfassen zu können. Kunst und Architektur des Oströmischen Reiches stehen in engem Zusammenhang mit dem Ritus und den Gesetzen der orthodoxen Kirche. Im Gegensatz zur Westkirche, in der die Verehrung der sterblichen Überreste von Heiligen seit der Zeit des frühen Christentums bis ins späte Mittelalter anhielt, verfolgte die Ostkirche eine kontemplative Form der Andacht, die sich auf die Verehrung von Ikonen konzentrierte. Dabei handelt es sich um Porträts verehrungswürdiger Persönlichkeiten, die meist in Frontalansicht und in stilisierter Manier dargestellt wurden. Viele Werke der byzantinischen Kunst haben ihr Vorbild im typisierten Erscheinungsbild der Ikone. Die künstlerischen Vorläufer der Ikonenmalerei lassen sich bis nach Mesopotamien und ins Hinterland Syriens und Ägyptens zurückverfolgen, wo seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. die strenge und ritualisierte Kunst des Alten Orients durch die jüdischen und nichtchristlichen Wandmalereien von Dura Europos am Euphrat (Tempel der palmyrenischen Götter) und durch die Fresken der ersten christlichen Klöster in Oberägypten wieder belebt wurde. In den beiden wichtigsten Städten dieser Regionen, Antiochia (heute Syrien) und Alexandria, blieb auch die naturalistische hellenistische Malerei während der konstantinischen Herrschaft erhalten. Die byzantinische Kunst griff auf ihr hellenistisches Erbe als Quelle der Inspiration und Erneuerung zurück, doch wurde dessen Stil stark verändert, um den transzendenten Charakter des orthodoxen Glaubens zum Ausdruck zu bringen. Im Gegensatz zur frühchristlichen Kunst des 3. und 4. Jahrhunderts, die sich auf Vorbilder und Motive der Antike stützte, wie die frei stehenden Statuen, unterstrichen die Maler und Mosaikkünstler in byzantinischer Zeit die spirituelle Natur der Figuren und vermieden deren plastische Darstellung. Nach dem 5. Jahrhundert wurden keine Plastiken mehr gefertigt. Die Bildhauerkunst beschränkte sich auf die Herstellung von Elfenbeintäfelchen (siehe Elfenbeinschnitzerei), die durch die Tiefrelieftechnik kaum mehr skulpturale Wirkung hatten. Mosaiken waren bevorzugter Wandschmuck in byzantinischen Kirchen. Die viereckigen Mosaiksteinchen, die aus gefärbtem oder mit eingeschmolzener Gold- und Silberfolie versehenem Glas bestanden, und Wände, Gewölbe und Kuppeln im Inneren eines Gebäudes schmückten, sorgten für ein Licht, das der mystischen Aura des orthodoxen Ritus entgegenkam. Gleichzeitig entsprach die edelsteinartig glänzende Oberfläche der Steinchen dem Prunkbedürfnis des Kaisers, der auch als Oberhaupt der orthodoxen Kirche fungierte.
Diese Epoche in der Übergangsphase von der frühchristlichen Kunst ist in der Zeit um 500 durch die Herausbildung eines eigenen Stiles gekennzeichnet, als die Porträts byzantinischer Konsuln auf den Elfenbeindiptychen den anonym-typisierten Charakter der Ikone anzunehmen begannen. Das goldene Zeitalter der frühbyzantinischen Kunst und Architektur fällt in die Regierungszeit Kaiser Justinians I. (527-565), eines bedeutenden Bauherrn und Förderers der Künste.
Die Entwicklung der byzantinischen Kunst im Zeitalter Justinians spiegelt sich in der stilistischen Vielfalt des Mosaiks. Sie reicht von der strengen Pracht der Verklärung Christi (um 540) in der Apsis der Katharinenkirche auf dem Berg Sinai in Ägypten bis zur Prozession der Märtyrer in der Kirche Sant’ Apollinare Nuovo in Ravenna, einem Mosaik, das an die endlosen rhythmischen Abfolgen spazierender Figuren erinnert, wie sie in der griechischen Antike üblich waren. Die umfangreichste und schönste Mosaikenreihe des justinianischen Zeitalters wurde 547 fertig gestellt und befindet sich in San Vitale in Ravenna. Die Szenen aus dem Alten Testament im Chorraum stehen für eine Erzähltradition, bei der sich das Geschehen im Rahmen malerischer Fels- und Blumendarstellungen abspielt und der Hintergrund aus rosafarbenen Wolken an die illusionistischen Landschaften der Wandmalereien in Pompeji erinnert. Auf dem Apsismosaik sieht sich Kaiser Justinian I., der als Stellvertreter Christi auf Erden verehrt wurde, Mitgliedern seines Hofes und Kaiserin Theodora gegenüber, die von ihren Hofdamen umringt ist. Beide Herrscher sind in einen Purpurmantel gehüllt, tragen ein Diadem und erscheinen wie Ikonen in Frontalansicht. Das antike Erbe der byzantinischen Kunst zeigt sich am bartlosen Christus, der wie ein Apoll in der goldenen Halbkuppel der Apsis auf dem Himmelsglobus thront. In allen wichtigen Phasen der byzantinischen Kunst stößt man auf die erzählende, ikonische und von der Antike beeinflusste Art der Darstellung.
Der sakrale Baustil der frühbyzantinischen Zeit war ebenso vielfältig wie die Mosaikkunst und von heidnisch-antiken und frühchristlichen Traditionen beeinflusst. Es lassen sich zwei Arten des Kirchenbaus unterscheiden: Die antike Basilika, bei der das Mittelschiff mit Holzdecke von Säulengängen flankiert wird, die in eine halbrunde Apsis münden, und der überkuppelte Zentralbau, der damals dominierend war. Die Hagia Sophia in Konstantinopel stellt eine Verbindung von Langhaus und Kuppelrundbau dar. Sie wurde in nur fünf Jahren für Justinian I. von Anthemios von Tralles und Isidor von Milet errichtet und 537 geweiht. Ihr klares, schmuckloses Äußeres steht im starken Gegensatz zur üppigen Ausgestaltung der Innenräume. Die 56 Meter hohe Zentralkuppel scheint über einem Ring aus Licht zu schweben, das durch Fensterreihen am Fuß der Kuppel einfallen kann. Vier Kugeldreiecke, die so genannten Kuppelzwickel, stützen die Ränder der Hauptkuppel. Dieser Übergang zwischen Kuppel und ihrer quadratischen Basis durch die Verwendung der Kuppelzwickel war ein wichtiger Beitrag der byzantinischen Baukunst zur Entwicklung der Architektur.
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