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Byzantinische Kunst und ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühbyzantinische Kunst; Mittelbyzantinische Kunst; Komnenische Kunst; Spätbyzantinische Kunst
Heiligendarstellungen bildeten einen integralen Bestandteil des religiösen Kultes der Ostkirche. Hinsichtlich der Frage ihrer Verehrung (im Gegensatz zur Anbetung, die nur Gott allein zukommt) entzündete sich der so genannte Bilderstreit. Im Zuge der Auseinandersetzungen kam es zur Vernichtung von Bildern (siehe Ikonoklasmus) im Jahr 726, als Kaiser Leo III. nicht nur im gesamten Reich die Zerstörung von Ikonen verfügte, sondern jede Wiedergabe der menschlichen Gestalt verbot. Doch blühten in dieser Zeit andere Gattungen der bildenden Kunst, wie sich an den Schöpfungen der byzantinischen Mosaikkünstler ablesen lässt, die im Felsendom (685-705) von Jerusalem prachtvolle Laubverzierungen und in der Großen Moschee (706-715) von Damaskus wundervolle Landschaften mit federartigen Bäumen schufen. Aus der Zeit des Bilderstreites stammen die ältesten byzantinischen Seidenstoffe, deren Motive zum Teil auf persische Vorbilder zurückgehen. In den westlichen Kirchen dienten diese aus Byzanz importierten Kunstwerke als Wandbehänge und als Leichentücher für fürstliche Bestattungen.
Das Verbot der figürlichen Darstellung wurde 843 unter der neuen mazedonischen Dynastie (867-1050) aufgehoben. In dieser Epoche, die bis zur Plünderung Konstantinopels durch die Kreuzfahrer andauerte, kam es zu einem Wiederaufblühen der Kunst in Rückbesinnung auf die Antike. Deutlich wird dies besonders in der Buchmalerei, von der wenige Stücke aus dem 9. und 10. Jahrhundert erhalten geblieben sind und die auf Manuskripten im hellenistischen Stil der spätantiken Phase beruhten, die fast vollständig verloren sind.
Durch das Studium der Werke der klassischen Antike machten sich byzantinische Künstler mit der Darstellung bekleideter Figuren vertraut. Wie in der Antike schmiegte sich die Kleidung an den Körper der Dargestellten, die Künstler nutzten Licht- und Schattenwirkung, damit eine belebte Oberfläche entstand. Die Wiedergabe religiöser Figuren wurde nur dann toleriert, wenn die menschliche Gestalt nicht als physisch greifbares Wesen erschien. Byzantinische Maler lösten diese Vorgabe mit Hilfe eines Netzes von dunklen Linien auf der Körperfläche, wobei der visuelle Reiz der Figur erhalten blieb, ohne dass ihr ein körperhaftes Aussehen verliehen wurde. Dadurch entstanden graphische Prinzipien für die Darstellung der menschlichen Figur, die auch für die nachfolgenden Epochen der byzantinischen Kunst maßgebend bleiben sollten.
Im Gegensatz zur künstlerischen Experimentierfreudigkeit der frühbyzantinischen Phase stand die mittelbyzantinische Zeit im Zeichen der Konsolidierung. Im Kirchenbau griffen die Baumeister auf das Modell des Zentralbaus zurück, die Motive der Innenausschmückung erfuhren eine starke Systematisierung. Es entstand mit der Kreuzkuppelkirche auf dem Grundriss eines griechischen Kreuzes der klassische Typus des byzantinischen Kirchenbaus, bei dem vier Säulen den Tambour stützen, welcher die Kuppel trägt.
Der charakteristische Schmuck der Kreuzkuppelkirche lässt sich anhand der erhaltenen Mosaiken im Kloster Hosios Lukas und anderen griechischen Kirchen aus dem 11. Jahrhundert ablesen. Die Anordnung der einzelnen Figuren folgt einem hierarchischen Schema, wobei sich die wichtigeren Gestalten in der Größe herausheben. Während unbedeutendere Heilige in den niedrigeren Teilen des Innenraumes Platz fanden, waren wichtige Persönlichkeiten an den auffälligeren Wänden abgebildet. Auf größeren Freiflächen der Wände unterhalb der Kuppel z. B. fanden sich Szenen aus den Evangelien und dem Leben der Jungfrau Maria, während Motive wie die Himmelfahrt Christi oder das Pfingstwunder meist auf den Innenwänden der Kuppeln dargestellt waren. In der Mitte der vergoldeten Konche (Halbkuppel) der Apsis wurde die Jungfrau mit dem Jesuskind positioniert, und vom Zentrum der Kuppel blickte eine bärtige Christusfigur als Pantokrator (Herrscher des Universums) auf die Welt herab. So wurde der Kirchenraum selbst zum Symbol des Kosmos, der sich gleichsam als dreidimensionale Ikone mit hierarchisch geordneter Bilderfolge der Heiligen dem Auge des Betrachters darbot. Kleinere Arbeiten wurden in Cloisonnétechnik gefertigt (siehe Email), die die byzantinischen Künstler meisterhaft beherrschten. Zu den herausragenden Stücken gehören einige byzantinische Kronen (wie die Krone Stephans I. von Ungarn) und kostbare Reliquiare wie die Pala d’Oro im Markusdom in Venedig.
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