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Byzantinische Kunst und Architektur

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Byzantinische ElfenbeinschnitzereiByzantinische Elfenbeinschnitzerei
Artikelgliederung
4

Komnenische Kunst

Die zweite Phase der mittelbyzantinischen Zeit fiel in die Herrschaftszeit der komnenischen Dynastie (1050-1204), mit Entwicklungen, die in die folgenden Jahrhunderte hineinwirkten. Die Ikone Jungfrau von Wladimir (um 1125, Tretjakow-Galerie, Moskau) ist von einer menschlichen Aura durchdrungen, wie sie die byzantinische Kunst zuvor nicht gekannt hatte. Anstelle der gewohnten Entrücktheit herzt die Jungfrau Maria in inniger Umarmung ihr Kind. Ein neues Motiv war auch die Beweinung Christi, wie sie in der Kirche Hagios Pantaleimon in Nerezi (Mazedonien) auf einem Fresko von 1164 pathetisch dargestellt ist. Wie schon die Jungfrau von Wladimir ist auch dieses Fresko das Werk eines Malers aus Konstantinopel.

Die umfangreichsten Mosaikzyklen in der Kirche Santa Maria Nuova in Monreale auf Sizilien wurden 1174 begonnen. Ihr Gestaltungsschema musste an die basilikaartige Kirchenarchitektur (siehe normannische Architektur) angepasst werden. Nach weströmischem Vorbild bedecken Szenen aus dem Alten Testament wie Opferung Isaaks, Rebekka am Brunnen und Jakob ringt mit dem Engel die Flächen zwischen den Arkaden des Mittelschiffes und darüber.

Auch Kunst und Architektur der Republik Venedig im 11. und 12. Jahrhundert standen ganz unter byzantinischem Einfluss. Die Markuskirche (begonnen um 1063) ging zum Teil auf den Kreuzkuppelbau der justinianischen Apostelkirche in Konstantinopel zurück. Byzantinische Künstler schufen in der Kathedrale von Torcello in der Lagune von Venedig das Panorama des Jüngsten Gerichts an der Westseite und die Vision der Jungfrau mit dem Kind in der Apsis. Nach Russland gelangte der byzantinische Stil durch den Bau der Hagia Sophia in Kiew 1037. Bis ins 13. Jahrhundert hinein war der Einfluss der byzantinischen Kunst in Westeuropa vorherrschend. Im Osten jedoch fand die Blüte der mittelbyzantinischen Kunst ein abruptes Ende, als die Kreuzfahrer 1204 Konstantinopel plünderten.

5

Spätbyzantinische Kunst

Eine kurze Phase weströmischer Herrschaft über Konstantinopel endete, als 1261 die letzte byzantinische Dynastie der Palaiologen (1258-1453) trotz großer Gebietsverluste an die Herrschaft kam. Obgleich das Byzantinische Reich in dieser Zeit nur noch die unmittelbare Umgebung der Hauptstadt umfasste, erlebten Kunst und Architektur eine neuerliche Blüte.

5.1

Baukunst

Die vertikale Konstruktion des Kirchenbaus wurde betont und der Fünfkuppelbau zur Regel. Die Zylinderwände, auf denen die Kuppeln ruhten, erreichten gigantische Ausmaße und waren meist oktogonal (achteckig) gestaltet. Die Kuppeln wurden gerne zu kleinen Stutzkuppeln reduziert. Auch der Fassadenverzierung wurde nun größere Aufmerksamkeit geschenkt.

5.2

Malerei und Mosaiken

Ein tief greifender Wandel war in der Ausstattung der Kirchen zu verzeichnen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, wie den Mosaiken in der Kirche des Choraklosters (1310-1320) in Konstantinopel, verdrängte die Freskenmalerei die Mosaikkunst. Auch die hierarchische Figurenordnung aus der mittelbyzantinischen Epoche wurde aufgegeben. Die Gewölbe wurden mit bildlichen Szenen ausgemalt, die Figuren kleiner. Die Betonung lag auf Landschaften und Gebäuden als Hintergrund. Ein zeitgenössisches Fresko der Geburt Christi in der Kirche des Perivleptosklosters von Mistra in Griechenland zeigt steiniges Ödland und die kleinen Figuren der Jungfrau Maria mit ihrem Kind, die sich in der Landschaft verlieren. Im Hintergrund des Wandbildes Die Erweckung des Lazarus im Pantanassakloster von Mistra (1428) wird mit einer V-förmigen Felsspalte zwischen zwei hohen Bergen auf die Kluft des Todes angespielt, die den mumifizierten Leichnam des Lazarus vom lebendigen Heiland trennt; trotz dieser Betonung des Profanen wird der spirituelle Charakter der Darstellung nicht zerstört.

Auch wenn die Grundelemente der traditionellen byzantinischen Bildgestaltung beibehalten wurden, veränderten sich die Darstellungen hinsichtlich der Dramaturgie. Auf einem Fresko in der Apsis der Totenkapelle der Chorakirche in Konstantinopel erhält das Thema der Anastasis (Auferstehung Christi) eine neue Komponente: Der wieder auferstandene Christus durchschreitet nach seinem Sieg die zerstörten Pforten der Hölle, um Adam und Eva aus der Unterwelt zu befreien. Auch das Motiv der Koimesis (Tod Mariä) fand eine wirkungsvolle Darstellungsform: Der waagrecht hingestreckt liegende Körper Marias erhält sein Gegengewicht durch die in der Mitte befindliche aufrechte Figur Christi, die ein kleines Bild mit ihrer Seele in den Himmel hält. In der Kirche von Sopoćani (1265) in Serbien erfährt diese Darstellung eine Verstärkung durch Engelsscharen, die einen Halbkreis um Christus bilden.

Die schöpferische Tradition der palaiologischen Kunst hielt sich auf dem Balkan bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts. Die Eroberung Konstantinopels durch die Türken im Jahr 1453 bedeutete das Ende des Byzantinischen Reiches und damit den endgültigen Niedergang seiner Kunst. Die Hagia Sophia wurde im islamischen Stil umgestaltet und Vorbild für weitere Moscheen, die die Türken in Konstantinopel errichteten. In Russland wurden Kirchen nach wie vor im byzantinischen Stil errichtet. Die Tradition der Ikonenmalerei wurde dort ebenso wie in anderen Teilen der orthodoxen Welt von einer Generation an die nächste weitergegeben und blieb dort bis heute lebendig.

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