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Harnapparat

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Anatomie des MenschenAnatomie des Menschen
Artikelgliederung
1

Einleitung

Harnapparat, Organsystem zur Produktion und Absonderung von Urin aus dem Körper. Bei den meisten Wirbeltieren wird das Blut ständig durch die Filterwirkung der Nieren von Giftstoffen befreit. Das Filtrat, der Urin, gelangt über zwei Harnleiter in die Blase. Von der Blase gelangt der Urin über die Harnröhre (Urether) nach außen. Die Kontrolle des Harnflusses wird durch zwei Sphinkter (Ringmuskel) geregelt: einen unwillkürlichen, der zwischen Blase und Harnröhre liegt, und einen willkürlichen in der Blase selbst. Bei Kleinkindern, die noch nicht gelernt haben, den willkürlichen Sphinkter zu kontrollieren, entleert sich die Blase immer dann, wenn sie mit Urin gefüllt ist.

2

Zusammensetzung des Urins

Normaler menschlicher Urin ist eine durchsichtige, gelbe Flüssigkeit. Im Durchschnitt produziert der menschliche Körper täglich etwa 1,4 Liter Urin. Normaler Urin besteht zu 96 Prozent aus Wasser und zu vier Prozent aus gelösten Stoffen. Von diesen gelösten Stoffen ist etwa die Hälfte Harnstoff, das Abfallprodukt des Proteinabbaus. Der Rest besteht aus Stickstoff, Chloriden, Ketosteroiden, Phosphat, Schwefel, Ammoniak, Kreatin und Harnsäure. Der Harnapparat der Reptilien und Vögel ist auf Wasserrückhalt ausgelegt. Daher sind die Ausscheidungen dieser Tiere fest bis breiig. Anstelle von Harnstoff scheiden diese Tiere Harnsäure aus, die in Wasser nahezu unlöslich ist.

3

Erkrankungen des Harnapparats

Viele Kinder und auch Erwachsene leiden unter Enuresis, einer Unfähigkeit, den Urinfluss zu kontrollieren. Diese Krankheit kann psychische Ursachen haben; unfreiwilliger Urinfluss (Inkontinenz) kann auch durch Angst oder Schreck hervorgerufen werden. Bei älteren Menschen kann die Kontrolle über den Urinfluss durch bestimmte Formen der Degeneration (Abbau) des Nervensystems bedingt sein. Umgekehrt gibt es Zustände, bei denen die Entleerung der Blase nicht mehr möglich ist: Das kann durch einen Krampf im Sphinkter eintreten, oder der Harnleiter ist durch einen Nierenstein verstopft oder die Blasenmuskulatur durch einen Schock oder eine Operation geschädigt. Urinstau kann aber auch durch eine Schädigung des Rückenmarkes oder durch multiple Sklerose verursacht werden. Häufiger Harndrang kann sowohl als eine normale Erscheinung nach intensiver Aufnahme von Flüssigkeiten (insbesondere von Bier) auftreten, er kann aber auch Symptom einer Erkrankung, etwa einer Blasenentzündung oder einer so genannten Reizblase, sein. Eine Harnröhrenentzündung (Entzündung der Harnröhrenschleimhaut) wird meist durch Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten verursacht.

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Urin als Diagnosehilfe

Die Analyse des Urins dient oft als Hilfe bei der Diagnose von Krankheiten. Übermäßige Urinproduktion ist häufig Folge von Diabetes insipidus und manchmal auch von Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit). Anhaltend hohes Fieber bewirkt eine Austrocknung des Körpers; folglich ist die Menge an Urin stark reduziert. Bei Hepatitis färbt sich der Urin dunkel, da verstärkt Gallenpigmente in ihm gelöst sind. Hohe Konzentrationen an Harnstoff weisen auf Fieber oder Diabetes mellitus hin; niedrige Harnstoffkonzentrationen sind ein Zeichen für eine Niereninfektion oder eine Störung im Säure-Base-Haushalt des Körpers. Leukämiekranke und Gichtkranke haben erhöhte Konzentrationen von Harnsäure im Urin.

Diagnostisch eher noch wichtiger als abnorme Konzentrationen von Stoffen, die normalerweise im Urin vorkommen, ist das Erscheinen von Stoffen im Urin, die dort normalerweise nicht vorkommen. Bei der als Albuminurie bezeichneten Nierenkrankheit gelangt Serum-Albumin in den Urin. Bei Zuckerkrankheit findet sich Zucker im Urin. Rote Blutkörperchen im Urin sind Anzeichen für eine Blutung oder Krebs der Harnwege oder für eine Zystitis (Blasenentzündung). Kristalle von Sulfonamiden weisen auf eine Ablagerung dieser Medikamente in den Nieren hin. Auch finden sich Kristalle verschiedener Natur im Urin, wenn Nierensteine vorhanden sind. Ein Nierenstein kann über den Urin abgehen; dies verursacht in der Regel große Schmerzen und bisweilen auch Blutungen. Bei einer Entzündung der Harnröhre können Bakterien sowie eitriger oder klarer Ausfluss auftreten, eitriger Ausfluss ist auch Symptom der Gonorrhö.

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