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MexikoEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
1822 machte sich Itúrbide durch einen Staatsstreich unter dem Namen Agustín I. zum Kaiser. Er wurde aber schon zehn Monate später durch eine Revolte abgesetzt, die von seinem früheren Berater Antonio López de Santa Anna angeführt wurde. Die Republik wurde ausgerufen, und Guadalupe Victoria wurde der erste Präsident. In der Folgezeit kam es zur Auseinandersetzung zwischen den Zentralisten, einer konservativen Gruppe von Kirchenführern, reichen Landbesitzern, Kreolen und Offizieren der Armee, die entschlossen waren, eine stark zentralistische, koloniale Regierungsform zu bewahren, und den Föderalisten, einer liberalen, antiklerikalen Fraktion, die den Aufbau föderalistischer, unabhängiger Gliedstaaten unterstützte und der indianischen Bevölkerung und anderen unterdrückten Gruppen mehr Rechte verschaffen wollte. Guerrero wurde 1829 Präsident und 1831 von den Truppen Anastasio Bustamantes erschossen. Bis zum Jahr 1833 folgte eine Revolte der anderen, bis der bei der Armee beliebte Zentralist Santa Anna zum Präsidenten gewählt wurde. Kurz nach der Machtübernahme kam es zum Krieg mit den Vereinigten Staaten.
Die Einwohner von Texas, das zu dieser Zeit zu Mexiko gehörte, widersetzten sich dem Regierungserlass von 1829, der die Sklaverei aufhob. Santa Annas Plan, die Regierung stärker zu zentralisieren, verstärkte ihren Widerstand. Die Texaner rebellierten und erklärten 1836 die Unabhängigkeit, nachdem der texanische Anführer Samuel Houston am 21. April 1836 Santa Anna bei San Jacinto entscheidend geschlagen hatte. Konflikte zwischen US-Bürgern und Mexikanern, Grenzstreitigkeiten und das Bestreben der Amerikaner, Kalifornien einzugliedern, waren die Gründe dafür, dass die Vereinigten Staaten am 12. Mai 1846 Mexiko den Krieg erklärten (siehe Mexikanischer Krieg). Die mexikanischen Streitkräfte wurden erneut vernichtend geschlagen, und die amerikanischen Truppen besetzten den Norden Mexikos sowie 1847 Mexiko-Stadt. Auf der Grundlage des Vertrags von Guadalupe Hidalgo vom 2. Februar 1848 wurde der Rio Grande als Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten festgelegt. Mexiko verlor etwa die Hälfte seines Staatsgebiets, das Territorium der heutigen US-Bundesstaaten Arizona, Kalifornien, Colorado, New Mexico, Nevada, Utah und Wyoming wurde Teil der Vereinigten Staaten. Der Gadsden-Vertrag von 1853 legte die Grenze von New Mexico eindeutig fest und brachte den Vereinigten Staaten einen zusätzlichen Landstreifen (heute der Süden von Arizona und ein Teil des Südwestens von New Mexico). Nach dem Krieg hatte Mexiko enorme Probleme beim Wiederaufbau. Die Finanzlage war katastrophal, und das ohnehin geringe Ansehen der Regierung hatte weiter beträchtlich gelitten. Santa Anna wurde nach dem Krieg zum Rücktritt gezwungen. Mit Unterstützung der Zentralisten kehrte er jedoch 1853 aus dem Exil zurück, setzte sich an die Spitze des Staates und regierte diktatorisch. Anfang 1854 begann eine Revolte der Liberalen, und nach über einem Jahr heftiger Kämpfe floh Santa Anna aus Mexiko. Diese Revolte war der erste Schritt in einer Reihe langer, heftiger Kämpfe zwischen den Führungseliten, die bis dahin Mexiko beherrscht hatten und den liberalen Demokraten, die ein Mitspracherecht in der Regierung forderten.
Benito Pablo Juárez García trat als Führer aus den Reihen der Liberalen hervor. Er wurde für seine Integrität und sein Eintreten für die Demokratie bekannt. Während der nächsten 25 Jahre übte Juárez großen Einfluss auf die Politik Mexikos aus. Eine föderalistische Regierungsform, das uneingeschränkte Wahlrecht für alle Männer, die Redefreiheit und andere Bürgerrechte wurden in die Verfassung von 1857 aufgenommen. Die konservativen Gruppen stellten sich vehement gegen die neue Verfassung und erhielten dabei Unterstützung von Spanien. 1858 kam es zum Kampf zwischen konservativen und liberalen Gruppierungen. Juárez’ Regierung wurde von den Vereinigten Staaten unterstützt. 1860 hatten die Armeen der Juáristas endgültig gesiegt. In der Zwischenzeit hatte Juárez als provisorischer Präsident zwischen 1858 und 1861 mit einem Erlass das Eigentum der Kirche verstaatlicht, Kirche und Staat getrennt und die Macht religiöser Orden zurückgedrängt. Nach seiner Wahl zum Präsidenten 1861 begann Juárez, die Ordnung wiederherzustellen. Eine seiner ersten Maßnahmen war, die Zinszahlungen für Auslandsanleihen, die frühere Regierungen aufgenommen hatten, einzustellen. Provoziert durch diesen Erlass, entschieden sich Frankreich, Großbritannien und Spanien, zum Schutz ihrer Investitionen in Mexiko gemeinsam zu intervenieren. Der Hauptbefürworter dieses Übereinkommens war Napoleon III. von Frankreich. Ein gemeinsames Expeditionskorps besetzte 1861 Veracruz. Als jedoch Napoleons kolonialistische Bestrebungen deutlich wurden, zogen sich die Engländer und Spanier 1862 zurück. Ein Jahr lang befanden sich die französischen Truppen in Mexiko und drangen schließlich im Juni 1863 in Mexiko-Stadt ein. Juárez und sein Kabinett flohen. Eine provisorische konservative Regierung erklärte Mexiko zum Kaiserreich und bot auf Betreiben Napoleons die Krone dem österreichischen Erzherzog Maximilian an. Von 1864 bis 1867 regierte Maximilian mit seiner Frau Carlotta das Reich. 1867 zog Frankreich unter dem Druck der Vereinigten Staaten, die weiterhin Juárez anerkannten, seine Truppen zurück. Juárez Streitkräfte eroberten das Land 1867 nach dem Abzug der Franzosen zurück, und die republikanischen Truppen unter dem Befehl von General Porfirio Díaz besetzten Mexiko-Stadt. Maximilian wurde bei der Belagerung von Querétaro zur Aufgabe gezwungen, von einem Standgericht zum Tod verurteilt und erschossen. Juárez war mit Revolten konfrontiert und versuchte erneut, die Ordnung wiederherzustellen. 1871 erklärte der mexikanische Kongress nach einer unentschiedenen Wahl Juárez zum Präsidenten. Díaz, ein geschlagener Präsidentschaftskandidat, führte einen Aufstand an, der erfolglos blieb. Juárez starb 1872. Sein Nachfolger war Sebastián Lerdo de Tejada, der Präsident des mexikanischen Obersten Bundesgerichts. 1876, als Lerdo de Tejada die Wiederwahl anstrebte, führte Díaz erneut eine Revolte an. Diesmal hatte er Erfolg und wurde 1877 Präsident.
Mit Ausnahme der Amtszeit von 1880 bis 1884, in der die Macht nominell in der Hand einer seiner Berater lag, regierte Díaz Mexiko bis 1911 diktatorisch. Unter der Diktatur Díaz’ machte Mexiko enorme Fortschritte in der wirtschaftlichen Entwicklung und im Handel. Der Bau von Industrieanlagen, Erweiterung der Eisenbahnverbindungen, der Ausbau der Häfen und die Errichtung öffentlicher Bauten gehörten zum Programm von Díaz. Viele dieser neuen Vorhaben wurden durch ausländische Gelder finanziert. Dies war der Hauptgrund für die Unzufriedenheit unter der mexikanischen Bevölkerung während Díaz’ Regierungszeit. Darüber hinaus begünstigte Díaz die reichen Großgrundbesitzer, deren Besitz er durch die Übereignung von Gemeindeland, das eigentlich den Indianern gehörte, noch vermehrte. Als diese sich auflehnten, wurden sie als Leibeigene verkauft. Der Diktator kümmerte sich nicht um die Alphabetisierung des Volkes. Er stand aufseiten der Kirche und beachtete die Säkularisierungspolitik von 1859 kaum. In ganz Mexiko wuchsen die Unzufriedenheit und die Bereitschaft zum Umsturz. Díaz war sich dieser Unzufriedenheit bewusst. Um seine Wertschätzung der Demokratie zu beweisen, kündigte er 1908 an, dass er bei den Wahlen von 1910 die Aufstellung eines Oppositionskandidaten begrüßen würde. Die liberale Fraktion stellte Francisco Indalecio Madero als Gegenkandidaten auf. Maderos Einfluss wuchs. Nach Díaz’ Wiederwahl 1910 wurde Madero als Anführer einer Volksrevolution anerkannt. Díaz musste 1911 zurücktreten und verließ bald darauf Mexiko für immer.
Madero wurde 1911 zum Präsidenten gewählt. Er war aber nicht durchsetzungsfähig genug, um die politischen und militärischen Streitigkeiten zu beenden. Andere Rebellenführer, vor allem Emiliano Zapata und Francisco Villa, lehnten es ab, sich der Autorität des Präsidenten zu unterstellen. Victoriano Huerta, der höchste Offizier in Maderos Armee, verbündete sich heimlich mit den Rebellenführern und übernahm 1913 die Kontrolle über Mexiko-Stadt. Huerta setzte sich als Diktator ein und ließ vier Tage nach der Machtübernahme Madero ermorden. Es kam zu erneuten Revolten unter Zapata, Villa und Venustiano Carranza. 1914 trat Huerta zurück. Noch im gleichen Jahr übernahm Carranza die Macht, und Villa erklärte ihm sofort den Krieg. Zusätzlich zu den Bestrebungen der rivalisierenden Militärführer trugen die Interventionen ausländischer Regierungen, die die Interessen ihrer Staatsbürger schützen wollten, zur politischen Instabilität bei. Im August 1915 erkannte eine Kommission aus Vertretern von acht lateinamerikanischen Ländern und den Vereinigten Staaten Carranza als rechtmäßiges Staatsoberhaupt von Mexiko an. Mit Ausnahme von Villa legten die Rebellenführer die Waffen nieder. 1916 überfiel er Columbus im Bundesstaat New Mexico. Villa sorgte bis 1920 für Unruhe im Land.
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