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Windows Live® Suchergebnisse Thomas De QuinceyEnzyklopädieartikel
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Thomas De Quincey (1785-1859), englischer Schriftsteller. Er war einer der herausragenden Vertreter der Essayistik innerhalb der englischen Literatur des frühen 19. Jahrhunderts. De Quincey wurde am 15. August 1785 als Spross einer Kaufmannsfamilie in Manchester geboren; bald schon floh er aus der gesichterten Existenz in die Slums von London und studierte anschließend erfolglos in Oxford. 1809 ließ er sich in Grasmere nieder, wo er sich dem literarischen Kreis um die Dichter Samuel Taylor Coleridge, William Wordsworth und Robert Southey anschloss und die Westmorland Gazette herausgab. 1820 kehrte er nach London zurück; dort schrieb er die Confessions of an English Opium-Eater (1822, erweitert 1856; Bekenntnisse eines englischen Opiumessers), eine anschauliche Beschreibung seiner eigenen Erfahrungen mit der 1804 beginnenden Opiumsucht. (De Quincey hatte die Droge zunächst aus therapeutischen Gründen genommen, um die durch Gesichtsrheumatismus bedingten Schmerzen zu bekämpfen, nahm schließlich aber bis zu 8 000 Tropfen täglich.) Dieser Essay machte ihn mit einem Schlag berühmt. Von 1828 bis 1840 lebte De Quincey in Edinburgh. Neben zahlreichen, zum Lebensunterhalt dienenden Beiträgen für das Blackwood’s, Tait’s Magazine und den Hogg’s Instructor verfasste er u. a. On the Knocking at the Gate in „Macbeth” (1823; Über das Klopfen an die Pforte in Shakespeares „Macbeth”), eine hervorragende Interpretation des berühmten Dramas von William Shakespeare, Murder Considered as One of the Fine Arts (2 Teile, 1827-1839; Der Mord als eine schöne Kunst betrachtet), Suspira de Profundis (1845), Joan of Arc (1847), The English Mailcoach (1849; Die englische Postkutsche) und Autobiographic Sketches (2 Teile, 1853-1854), eine Art Fortsetzung der Bekenntnisse. 1851 erschienen De Quinceys zweibändige Literary and Lake reminiscences über die als Lake Poets bekannte Gruppe englischer Romaniker, zu der ihn die englische Literaturkritik bis heute hin und wieder zählt. De Quincey starb am 8. Dezember 1859 in Edinburgh. Weitere Werke sind die Essays The Last Days of Immanuel Kant (1827; Die letzten Tage des Immanuel Kant) und The Logic of Political Economy (1844; Die Logik politischer Ökonomie), die Traumdichtung The Daughter of Lebanon (1856; Die Tochter des Libanon) sowie der Roman Klosterheim, or The Masque. By the English Opium-Eater (1832; Klosterheim oder Die Maske. Verfaßt vom englischen Opiumesser), eine Hommage an den englischen Schauerroman.
De Quinceys autobiographische Confessions of an English Opium-Eater, die zuerst im London Magazine erschienen, sind eine der ersten komplexen und systematischen Darstellungen über Rausch- und Traumzustände der Literaturgeschichte; die später im Surrealismus geforderte poetische Transformierung des Visionären ist hier bereits angekündigt („Der Traum weiß es am besten”). Positiv hebt der Essay die angenehmen Seiten der in England damals durchaus üblichen „wahren Religion vom Opium” hervor, die die Seele von den Zwängen der Alltagswelt befreie und die Wirklichkeit mit neu geschärften Sinnen erfahrbar mache: „Man fühlt den göttlichen Teil seines Wesens emporsteigen”. Als nach einer Magenerkrankung die tägliche Opiumration reduziert werden muss, offenbaren sich in Depressionen und Horrorträumen die Schattenseiten der Sucht; letztendlich aber gelingt De Quincey der Entzug – ein körperlich und psychisch schmerzhafter Prozess, den die Confessions ebenso akribisch wie zuvor die Rauschzustände schildern. Literarisch gekonnt ist vor allem die Beschreibung eines Ineinandergreifens von übersteigert wahrgenommener Realität und Vision; diesem oftmals sprunghaften Wechsel entspricht die Struktur des Textes, der mitunter unvermittelt neue Gedanken aufgreift oder sich in philosophischen bzw. literaturkritischen Reflexionen verliert. In seiner Beschreibung des (Tiefen-)Schichtcharakters des Gedächtnisses nahm De Quincey zentrale Gedanken der Psychoanalyse vorweg. Mit seiner Schrift beeinflusste er die poetische Drogenliteratur von Samuel Coleridge, Edgar Allan Poe, Aldous Huxley, Gottfried Benn und Ernst Jünger nachhaltig. Charles Baudelaire übersetzte im zweiten Teil seines Essays über den Haschischkonsum und seine Folgen, Les paradis artificiells (1860; Die künstlichen Paradiese), die Bekenntnisse eines englischen Opiumessers ins Französische. Murder Considered as One of the Fine Arts ist ein Meisterwerk sublim-makabrer Ironie und weist seinen Verfasser, ähnlich wie die Confessions, als grandiosen Essayisten aus; darüber hinaus ist der Text ein besonders gelungenes Beispiel schwarzen Humors. De Quinceys Beschäftigung mit der Psychologie des Mordes geht dabei bis ins Jahr 1818 zu den von ihm für die Westmorland Gazette beschriebenen Prozessen, findet hier aber ihren Höhepunkt. Ausgangspunkt der Schilderung sind die Treffen des imaginären Londoner Debattierclubs „Gesellschaft der Connoisseure des Mordes” anlässlich einer neuen Bluttat, die sofort unter dem Gesichtspunkt ihres ästhetischen Charakters untersucht wird. Der erste Teil gibt eine der angeblich jeden Monat abgehaltenen Vorlesungen des Clubs wieder, welche die kunstvolle Perfidie des Verbrechens zum Garant für die Existenz des Bösen erklärt. Auch literarische Morddarstellungen werden in Augenschein genommen und ob ihrer Qualität – und hinsichtlich ihres praktischen Nutzens – untersucht. Am Ende werden Tips für die korrekte künstlerische Inszenierung der Bluttat (Wahl des Ortes, der Beleuchtung oder Kleidung etc.) gegeben. Der zweite Teil des Buchs steigert sich zur Satire auf die Rituale und Unsitten englischer Klubs. Ein 1854 für die Gesammelten Werke beigefügtes Postscript schließlich schildert die von John Williams 1812 begangenen Ratcliffe-Morde, der „sämtliche Mitglieder zweier Haushalte ausrottete und damit seine Überlegenheit über alle anderen Nachfahren Kains demonstrierte”.
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