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Boxeraufstand

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BoxeraufstandBoxeraufstand
Artikelgliederung
1

Einleitung

Boxeraufstand, nationalrevolutionärer Aufstand in Nordchina gegen den wachsenden Einfluss der imperialistischen Mächte und der christlichen Missionierung. Die Großmächte schlugen ihn im August 1900 durch eine gemeinsame militärische Intervention nieder. Die in europäischer Sichtweise abschätzige Bezeichnung „Boxer” leitet sich vom Namen der die Rebellion maßgeblich tragenden Widerstandsbewegung I-ho ch’üan („Fäuste/Faustkämpfer für Recht und Einigkeit”) ab.

2

Hintergründe und Vorgeschichte

Kolonialistische und imperialistische Bestrebungen der westlichen Großmächte hatten im 19. Jahrhundert China durch Kriege, militärische Interventionen und „Strafexpeditionen” (u. a. Opiumkrieg 1840-1842, Lorchakrieg 1856-1860, Chinesisch-Japanischer Krieg 1894/95) sowie „ungleiche Verträge” (u. a. Nanking 1842, Tinanjin 1858 und 1885) auf einen halbkolonialen Status herabgedrückt. Die politische Demütigung und der wirtschaftliche Niedergang, begleitet vom Autoritätsverlust des Kaiserhauses der Qing-Dynastie, gaben Geheimgesellschaften Auftrieb, die sich gegen die Regierung, die ausländischen Mächte und die christlichen Missionare wandten. Die milizähnlich organisierte Boxerbewegung bzw. ihre Vorläuferorganisationen formierten sich 1887 in Shandong infolge von Konflikten mit deutschen Missionaren, die buddhistische Tempel in katholische Kirchen umgewandelt hatten. Der Regierung unter Kaiserinwitwe Cixi gelang es, die ursprünglich auch gegen die Qing-Herrschaft gerichtete Stoßrichtung der Boxer ganz gegen die verhassten Ausländer zu lenken – unter dem Motto „Unterstützt die Qing, vernichtet die Fremden!”

3

Verlauf

Ab Anfang 1900 breitete sich die fanatisierte Bewegung rasch aus, und im Juni 1900 zogen rund 20 000 Boxer in Peking ein, töteten chinesische und ausländische Christen, zerstörten christliche Einrichtungen und belagerten die Diplomatenkolonie, die von 500 kurz zuvor angerückten Soldaten der westlichen Mächte verteidigt wurde. Am 19. Juni wurde der deutsche Gesandte in China, Klemens Freiherr von Ketteler, auf dem Weg zu Verhandlungen mit der chinesischen Regierung ermordet; zwei Tage später erklärte die Regierung, die die Kontrolle über die Lage verloren hatte, den ausländischen Mächten den Krieg. Am 14. August 1900 eroberte eine etwa 20 000 Mann starke Truppe der alliierten Großmächte (Japan, Russland, Großbritannien, USA, Frankreich, Deutschland, Österreich-Ungarn, Italien), die von Tientsin aus in Marsch gesetzt worden war, die chinesische Hauptstadt und befreite die 4 000 im Diplomatenviertel belagerten Ausländer. Die chinesische Regierung flüchtete.

Am 27. September 1900, nach Abschluss der eigentlichen Kampfhandlungen, übernahm der preußische Generalfeldmarschall Alfred Graf von Waldersee, zum „Weltmarschall” ernannt, den Oberbefehl über das internationale Expeditionskorps in China. Die daran beteiligten deutschen Truppen, insgesamt rund 24 000 Mann, waren am 27. Juli von Kaiser Wilhelm II. in Bremerhaven verabschiedet worden. Zu den zentralen Sätzen seiner so genannten Hunnenrede, mit der er eine verheerende Wirkung im Ausland erzielte, gehört der Aufruf: „Ihr wißt es wohl, ihr sollt fechten gegen einen verschlagenen, tapferen, gut bewaffneten, grausamen Feind. Kommt ihr an ihn, so wißt: Pardon wird nicht gegeben, Gefangene werden nicht gemacht. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter König Etzel sich einen Namen gemacht haben, … so muß der Name Deutscher in China auf tausend Jahre durch euch in einer Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.” Entsprechend kam es bei der monatelangen brutalen Durchführung systematischer „Strafexpeditionen” gegen die Boxerbewegung (oder was dafür gehalten wurde) durch die internationale Truppe unter Waldersees Kommando zu zahlreichen Übergriffen und Gräueltaten.

4

Das Boxerprotokoll

Im Januar 1901 nahm die chinesische Führung die ihr von den Großmächten auferlegten Friedensbedingungen an, und am 7. September 1901 wurde das Friedensabkommen, das so genannte Boxerprotokoll, in Peking unterzeichnet. China verpflichtete sich u. a.,

  • den Großmächten bis 1940 eine massive Kriegsentschädigung in Höhe von 450 Millionen Silberdollar zu zahlen (1,4 Milliarden Goldmark, mit Zinsen fast 3 Milliarden; um die Zahlungen zu gewährleisten, übernahmen die ausländischen Mächte die Kontrolle von Zöllen),
  • ihnen die Errichtung weiterer zwölf strategisch wichtiger Stützpunkte zuzugestehen und eine eigene Militäranlage zu schleifen,
  • zur offiziellen Abbitte eine „Sühnegesandtschaft” mit Mitgliedern des Kaiserhauses nach Berlin zu entsenden (die dort Mitte August 1901 eintraf) und
  • alle antiimperialistischen Bewegungen radikal zu unterdrücken.

Im Januar 1902 kehrte der kaiserliche Hof mit großem Pomp wieder nach Peking zurück.

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