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Bundesrepublik DeutschlandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Mehrzahl der Deutschen gehört den beiden christlichen Konfessionen an; etwa 26,7 Millionen sind katholisch (vor allem im Süden des Landes) und 26,3 Millionen protestantisch (2003). Daneben gibt es verschiedene kleinere, vornehmlich christlich ausgerichtete Glaubensgruppierungen, unter ihnen die orthodoxe Kirche mit rund 900 000 Angehörigen. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind konfessionslos. Formal sind Kirche und Staat strikt getrennt; die großen christlichen Kirchen sind allerdings in den Selbstverwaltungsorganen zahlreicher gesellschaftlicher Einrichtungen, insbesondere in den sozialen und kulturellen Bereichen vertreten und genießen innere Autonomie. Der Staat übernimmt die Einziehung der Kirchensteuer. Durch den großen Anteil türkischer Arbeitnehmer und ihre Familien bilden die Muslime inzwischen eine große Glaubensgruppe: 3,3 Millionen Menschen bekannten sich 2003 zum Islam, von ihnen besaßen 310 000 die deutsche Staatsangehörigkeit. Die 83 jüdischen Gemeinden zählen etwa 100 000 Mitglieder.
Gesetzliche Feiertage in Deutschland sind Neujahr (1. Januar), Ostern, der Tag der Arbeit (1. Mai), Pfingsten, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, der Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober), Allerheiligen (1. November) und Weihnachten, das vom Heiligen Abend bis zum zweiten Weihnachtstag dauert. Daneben gibt es Festtage, die je nach Region variieren. Der Karneval bzw. die Fastnacht oder der Fasching werden besonders im Rheinland und in Süddeutschland, vor allem im schwäbisch-alemannischen Raum, gefeiert.
Deutschland versteht sich als Sozialstaat. Eine umfassende Sozialgesetzgebung soll gewährleisten, dass jeder Bürger ein menschenwürdiges Leben führen kann (z. B. durch Sozialhilfe) und ein gewisses Maß an Chancengleichheit herrscht (z. B. durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz). Wichtigste Säule der sozialen Sicherung ist die gesetzliche Sozialversicherung, die auf fünf Säulen ruht: der Krankenversicherung, der Pflegeversicherung, der Rentenversicherung, der Arbeitslosenversicherung und der Unfallversicherung. Finanziert werden sie durch anteilige Beiträge der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowie durch Zuschüsse des Bundes.
Die Kulturhoheit wird in der Bundesrepublik Deutschland von den Landesregierungen ausgeübt; sie sind für das Bildungssystem verantwortlich. Bildung, Wissenschaft und Kultur nahmen 2004 knapp 92 Milliarden Euro in Anspruch. Länderübergreifende Gremien wie die Kultusministerkonferenz stellen sicher, dass Schulsysteme und Anforderungen einander in zentralen Punkten entsprechen.
In Deutschland besteht für Kinder und Jugendliche eine neunjährige allgemeine Schulpflicht; der Schulbesuch ist grundsätzlich kostenlos. Der (nicht verbindliche) Besuch eines Kindergartens ist ein ergänzendes pädagogisches Angebot zur sozialen und geistigen Vorbereitung auf den Schuleintritt – und im Übrigen eine deutsche Erfindung, die in vielen Ländern Nachahmung fand. Die Kinder besuchen ab dem festgelegten Einschulungsalter von in der Regel sechs Jahren zunächst vier Jahre lang die Grundschule. Nach Abschluss der Grundschule im Alter von etwa zehn Jahren gehen fast die Hälfte der Schüler fünf Jahre lang auf eine Hauptschule. Darauf folgt eine dreijährige Berufsausbildung, bestehend aus Lehre oder Praktikum und begleitendem Unterricht an einer Berufsschule. Circa ein Fünftel der Kinder besucht nach der Grundschule sechs Jahre lang eine Realschule mit Schwerpunkt auf kaufmännischen und berufsvorbereitenden Fächern. Nach der Realschule ist der zweijährige Besuch einer Fachoberschule möglich. Ungefähr einer von vier Schülern besucht nach der Grundschule ein Gymnasium; das dort zu erwerbende Abitur berechtigt zur Aufnahme eines Universitätsstudiums. In den siebziger Jahren eingeleitete Reformen haben die strenge Unterscheidung zwischen den drei Schultypen gelockert, so dass einige Schüler während der Ausbildung von einem Schultyp zum anderen wechseln können. Das ebenfalls in dieser Zeit entstandene Konzept der Gesamtschule vereinigt alle drei Ausbildungswege in einer jederzeit durchlässigen Struktur. Im Schuljahr 2004/05 besuchten rund 9,6 Millionen Schüler allgemein bildende Schulen. Eine lange Tradition hat das Hochschulwesen: die Heidelberger Ruprecht-Karls-Universität (gegründet 1386) gehört zu den ältesten Universitäten Europas. Andere führende Universitäten Deutschlands sind u. a. in Berlin, Bonn, Erlangen, Frankfurt am Main, Freiburg, Göttingen, Hamburg, Leipzig, Marburg an der Lahn, München und Tübingen ansässig. Außerdem gibt es in Deutschland zahlreiche pädagogische Hochschulen, Kunsthochschulen, Musik- und Filmhochschulen, theologische Seminare sowie die Fernuniversität Hagen. 2006 waren rund 1,98 Millionen Studierende an deutschen Hochschulen immatrikuliert, davon waren etwa 300 000 Studienanfänger. Am 1. August 1998 trat in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine Rechtschreibreform in Kraft. Bereits im Vorfeld war es zu einer heftigen öffentlichen Kontroverse gekommen; Reformgegner konnten die vorgezogene Einführung der Reform in einzelnen Bundesländern durch Gerichtsentscheide stoppen. Eine weitere Rechtschreibreform, die manche Vorschriften der vorangegangenen Reform revidierte, trat zum 1. August 2006 in Kraft.
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