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Bundesrepublik DeutschlandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Anders als in England und Frankreich, wo sich das geistige und kulturelle Leben überwiegend in London und Paris abspielt, gibt es in Deutschland traditionell viele solcher Zentren. Sie waren jahrhundertelang die Hauptstädte der zahlreichen deutschen Staaten, deren Herrscher Kunst, Musik, Theater und Gelehrsamkeit als Ausdruck ihrer Macht förderten. Berlin war von 1871 bis 1945 die kulturelle und politische Hauptstadt des geeinten Landes und hat diese Rolle seit 1990 wieder inne. Institutionen wie Museen, Bibliotheken, Opernhäuser, Theater und Orchester werden von den entsprechenden Städten oder Bundesländern subventioniert. Die Ausgaben der öffentlichen Haushalte für Kunst und Kulturpflege erreichten 1999 rund 15 Milliarden DM, darunter allein 6,4 Milliarden DM für Theater und Musik sowie etwa zwei Milliarden DM für Museen und Sammlungen.
Im 2. Weltkrieg wurden viele Museen, Bibliotheken und historische Gebäude beschädigt oder zerstört, doch viele Kulturschätze blieben erhalten. Das wieder erwachte Interesse an der deutschen Geschichte vor dem 20. Jahrhundert führte zum Aufbau und zur Pflege alter Gebäude, die die Altstädte in vielen deutschen Städten neu belebten. Die herausragenden Kunstsammlungen der Könige von Preußen befinden sich in Berlin. Die Staatlichen Museen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz beherbergen u. a. Sammlungen ägyptischer Kunst, Gemälde alter Meister und des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Sammlungen der bayerischen Herrscher sind in den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen in München (Alte Pinakothek, Neue Pinakothek) untergebracht. Das Bayerische Nationalmuseum in München enthält kunsthandwerkliche Exponate und Sammlungen der Volkskunst. Das Römisch-Germanische Museum in Köln stellt antike römische Funde aus. Ein führendes Museum im Osten Deutschlands sind die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden, früher im Besitz der Herrscher von Sachsen. Zu ihnen gehören eine weltberühmte Galerie alter Meister und eine schöne Porzellansammlung, beide im Zwinger, und die kunsthandwerkliche Sammlung im Grünen Gewölbe. Die Sammlungen mit antiker, nahöstlicher und islamischer Kunst der preußischen Könige gehören zu den Staatlichen Museen des ehemaligen Ostberlin. Weitere Kunstschätze befinden sich im Privatbesitz der Kirche oder adliger Familien. Bedeutende naturwissenschaftliche Sammlungen beherbergen das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main (sehr viele Ausstellungsstücke stammen aus der Grube Messel bei Darmstadt), das Technische Museum in Dresden und das Deutsche Museum in München, eines der bedeutendsten technischen Museen der Welt. Die Städtischen Museen in Frankfurt beherbergen Kunst- und Volkskunstsammlungen und eine Auswahl archäologischer und historischer Exponate. Weitere bedeutende Museen sind das Wallraf-Richartz-Museum und das Museum Ludwig in Köln mit seiner bedeutenden Sammlung moderner Kunst sowie das Museum Fridericianum in Kassel, zentraler Austragungsort der documenta. Wichtige Forschungsbibliotheken sind die Bayerische Staatsbibliothek in München, die Deutsche Staatsbibliothek in Berlin und die Deutsche Bibliothek in Frankfurt am Main. Außerdem gibt es überall in Deutschland hervorragende Universitätsbibliotheken und zahlreiche städtische und kirchliche Leihbüchereien. 1995 gab es in Deutschland 3 982 Museen und 13 032 öffentliche Bibliotheken.
Deutschland besitzt eine große Theater- und Konzerttradition. Herausragende Opernhäuser befinden sich in Berlin, Köln, Leipzig, Dresden, Hamburg, München und Stuttgart. Das Stuttgarter Ballett ist weltbekannt. Repertoiretheater, Freiluftbühnen und Kabaretts gibt es in vielen deutschen Städten; dazu gehört das Deutsche Theater in Berlin ebenso wie die Münchner Kammerspiele oder das Berliner Ensemble. Weltberühmt sind die Berliner, die Münchner und die Bamberger Symphoniker, das Gleiche gilt für die Rundfunkorchester von München, Köln und Hamburg. Internationale Besucher erscheinen in großer Zahl zu Festspielen wie den Bayreuther Wagner-Festspielen und den Bachfestivals in Ansbach und Leipzig. 1996 engagierten sich rund 2,5 Millionen Bundesbürger in Gesangsvereinen.
Siehe deutsche Literatur; deutsche Kunst und Architektur
Die staatliche Grundordnung wird durch die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland, das Grundgesetz, festgelegt, das am 24. Mai 1949 in Kraft trat und im Lauf der Zeit mehrmals abgeändert bzw. ergänzt wurde. Das Grundgesetz definiert die Bundesrepublik Deutschland als „demokratischen und sozialen Bundesstaat”. Staatsform ist die parlamentarische Demokratie mit ihrer deutlichen Gewaltenteilung (Exekutive, Legislative, Judikative) und einem ausgeprägten Parteiensystem. Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 wurde der Geltungsbereich des Grundgesetzes auf die neuen Bundesländer ausgedehnt.
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