![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse FruchtEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Frucht, aus dem Fruchtknoten der Blütenpflanzen häufig unter Beteiligung anderer Blütenteile hervorgegangenes Organ, das dem Schutz und der Verbreitung der Samen dient. Eine andere Definition bezeichnet die Frucht als die Blüte im Stadium der Samenreife, denn dann ist von der Blüte nur noch der Fruchtknoten übrig, alle anderen Blütenorgane sind abgefallen. In der Umgangssprache werden häufig nur essbare Früchte wie Erdbeeren und Heidelbeeren als Früchte bezeichnet. Bei den Angiospermen (Bedecktsamige Pflanzen) ist die Blüte aus Kelch-, Kron-, Staub- und Fruchtblättern aufgebaut. Die Fruchtblätter sind miteinander verwachsen und werden als Fruchtknoten bezeichnet; bei den Gymnospermen (Nacktsamige Pflanzen, z. B. Nadelbäume) gibt es dagegen keinen Fruchtknoten als Hülle für die Samenanlage. Im Inneren des Fruchtknotens liegen geschützt die Samenanlagen, die sich nach erfolgter Bestäubung (Übertragung der Pollenkörner) und Befruchtung der Eizelle zu Samen entwickeln. Auch die umhüllende Fruchtknotenwand entwickelt sich weiter, und das Ganze stellt dann die Frucht dar. Bei einigen Pflanzen, besonders bei Kulturpflanzen, reift die Frucht jedoch auch ohne Befruchtung und Samenbildung – ein Vorgang, den man Parthenokarpie nennt. Die Früchte bleiben in diesem Fall kernlos, was beim Verbraucher (der beim Bananenessen nicht auf Kerne beißen will) natürlich erwünscht ist. Die größte Frucht eines Baumes ist die Seychellennuss mit etwa 25 Kilogramm Gewicht und einem Durchmesser von 50 Zentimetern. Die mit einem Maximalgewicht von über zwei Zentnern schwerste Frucht im Pflanzenreich produziert jedoch der Riesenkürbis (oftmals helfen hier aber Kürbiszüchter nach, indem sie während der Entwicklung Zucker und Mineralien in den Fruchtstiel injizieren).
Im Verlauf der Reifung des Fruchtknotens entwickelt sich seine Wand zu der aus drei Schichten aufgebauten Fruchtwand, dem Perikarp. Dessen äußerste Schicht, das Exokarp, und die innerste Schicht, das Endokarp, sind meist einschichtig. Die mittlere Schicht, das Mesokarp, kann mehrschichtig sein. Bei fleischigen Früchten ist in der Regel das Mesokarp die saftige Schicht, beispielsweise bei den Steinfrüchten Pfirsich, Kirsche oder Pflaume. Ihr Kern (an dem man sich leicht einen Zahn ausbeißen kann) ist nicht der Same; dieser steckt im Innern der harten Schale, die das Endokarp darstellt. Bei manchen Früchten jedoch stellt der Same selbst den essbaren Teil der Frucht dar und nicht das Mesokarp. So bildet bei der Haselnuss das Perikarp die harte äußere Schale; der innere, essbare Anteil ist der eigentliche Samen. Bei der Walnuss ist es ähnlich wie bei der Kokosnuss; beide kommen meist mit dem inneren steinharten Endokarp in den Handel. Der Walnuss wird zuvor das äußere, grüne Exokarp entfernt; bei der Kokosnuss werden Exo- und Mesokarp, die einen dicken Fasermantel bilden, gleich in den Ursprungsländern abgeschält und zur Herstellung von Kokosmatten, Läufern und Seilen verwendet. Eine Frucht kann aus nur einem reifen Fruchtknoten bestehen, wie etwa die (nicht mit einer Schote zu verwechselnde) Hülse der Erbsen; eine Schote findet man bei den Kreuzblütlern wie Rettich oder Kohl. Eine Schote entsteht im Gegensatz zur einblättrigen Hülse aus zwei Fruchtblättern. Bei der Ananas hingegen entwickelt sich gleichsam ein ganzer Blütenstand zu einem Fruchtstand, der aus einzelnen Beeren zusammengesetzt ist. Dies lässt sich so veranschaulichen, als wären beispielsweise die einzelnen Bananen einer ganzen Bananenstaude zusammengedrängt miteinander verwachsen und kämen dann als eine einzelne Frucht auf den Markt.
Früchte werden nach verschiedenen Kriterien eingeteilt. Man unterscheidet zwei Großgruppen: (1) Früchte, die aus einzelnen, randlich mit sich selbst verwachsenen Fruchtblättern bestehen; (2) Früchte, die aus zwei oder mehreren verwachsenen Fruchtblättern aufgebaut sind. Zudem entlassen Früchte auf sehr unterschiedliche Weise ihre Samen: Man unterscheidet Öffnungsfrüchte, die sich bei der Reife selbständig öffnen und die Samen ausstreuen, von Schließfrüchten, die auch bei der Reife geschlossen bleiben. Zu den Öffnungsfrüchten zählen u. a. die Früchte der Hülsenfrüchtler, z. B. Bohnen und Erbsen, die meist durch eine Hülse gekennzeichnet sind; diese wird aus einem mit sich selbst verwachsenen Fruchtblatt gebildet. Dabei wird die äußere Hülle, quasi die Schale, vom Perikarp erzeugt, die darin enthaltenen Bohnen oder Erbsen sind die Samen. Die Hülsen platzen längs an zwei Seiten auf. Beim Balg, wie ihn die Pfingstrosengewächse und Schwalbenwurzgewächse ebenfalls aus einem Fruchtblatt bilden, platzt nur eine Seite auf. Eine Kapsel besteht hingegen aus zwei oder mehr Fruchtblättern. In den Kapseln der Mohngewächse entstehen zum Ausstreuen der Samen Poren, einem Pfefferstreuer vergleichbar. Die Kapseln der Wegerichgewächse öffnen sich an einer horizontal rund um die Kapsel verlaufenden Linie, so dass sich vom oberen Teil ein Deckel löst und die Samen freigesetzt werden können. Die für Kreuzblütler typische Schote ist eine zweikammerige trockene Frucht, die an zwei Nähten aufplatzt und die auf einem dünnen Häutchen sitzenden Samen freigibt. Bei der für Gräser typischen Frucht, der Karyopse (einer Nuss-Sonderform), ist die dünne Samenwand mit dem ebenfalls dünnen Perikarp verwachsen. Die Achäne, die Frucht der Korbblütler und ebenfalls eine Sonderform der Nuss, besitzt oft noch Reste des Kelchs der Blüte, der dann als Schirmchen, wie beim Löwenzahl wohlbekannt, für eine sehr effektive Verbreitung sorgt. Bei der Betrachtung der Anatomie der Früchte ist vor allem die Bildung von Äpfeln (aber auch Birnen) und die Entwicklung der Erdbeeren von Interesse. Beim Apfel beginnt mit der Bestäubung der Blütenboden (also keines der Blütenorgane) zu wuchern und umhüllt mit saftigem Fruchtfleisch die eigentliche Frucht, die aus den pergamentartigen Kammern und den eingeschlossenen braunen Samen besteht. Auf der dem Apfelstiel gegenüber liegenden Seite des Apfels befindet sich meist ein kleines Loch, das von kleinen, vertrockneten Blättchen umgeben ist; dabei handelt es sich um die ehemaligen, jetzt hochgeschobenen Kelchblätter. Bei der Erdbeere erfolgt die Entwicklung nach einem „Luftballonprinzip”. Der Boden unter den zahlreichen einzelnen Fruchtknoten bläht sich auf, so dass die eigentlichen Früchte, winzige Nüsschen, auf die Außenseite der Erdbeere zu liegen kommen. Die zugehörigen Kelchblätter findet man ebenfalls, aber diesmal dort, wo sie ursprünglich waren, nämlich am Stielansatz. Sowohl bei Erdbeeren als auch bei Äpfeln, Birnen oder Quitten isst man nur sekundär entwickeltes Blütengewebe.
Die wichtigsten in Früchten enthaltenen Nährstoffe sind Kohlenhydrate wie Stärke und Zucker. Zitrusfrüchte, Tomaten und Erdbeeren liefern vor allem Vitamin C, aber auch die anderen Vitamine sind reichlich vertreten. Die Verwendbarkeit vieler Früchte zur Herstellung von Gelees oder Marmeladen ist auf die Pektine, unverdauliche Polysaccharide, zurückzuführen, die sich zwischen den Zellwänden des Fruchtgewebes befinden und die Gelierfähigkeit der eingekochten Fruchtmasse ausmachen. Im Allgemeinen enthalten Früchte wenig Protein oder Fett. Ausnahmen sind Avocados, Nüsse und Oliven, die große Mengen Fett enthalten, sowie Hülsenfrüchte, die mit reichlich Protein aufwarten. Als „Superfrucht”. könnte man die Sojabohne bezeichnen, die zu jeweils rund einem Drittel aus Protein, Fett und Kohlenhydrat besteht. Der Anteil an anorganischen Stoffen in den Früchten ist zwar gering, dennoch liefern sie einen wichtigen Teil der zur Ernährung erforderlichen Mineralien, wobei besonders die wasserreichen Früchte viel Kalium enthalten – und nicht etwa nur die aus diesem Grund von Sportlern geschätzten Bananen. Siehe auch Pflanzenanbau; Gartenbau; Pflanzenzucht; Baumschnitt.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |