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Welthilfssprache

Enzyklopädieartikel

Welthilfssprache, natürliche oder künstliche Sprache, die zur Erleichterung der Verständigung zwischen Sprechern unterschiedlicher Muttersprache dient. Bei den künstlichen Sprachen unterscheidet man zwischen Hilfssprachen, die völlig neu entwickelt wurden, und Sprachen, deren Elemente aus natürlichen Sprachen hergeleitet wurden. Angestrebte Merkmale einer künstlichen Sprache sind: regelmäßige und dadurch einfach erlernbare Grammatik, leichte Übersetzbarkeit in möglichst viele verschiedene Sprachen, einfache Verwendbarkeit in verschiedenen Bereichen des Alltagslebens und der Kultur sowie politische Neutralität.

Im Lauf der Geschichte dienten verschiedene natürliche Sprachen als Universalsprachen. Unterworfene Völker wurden infolge von Eroberungen oder Kolonialismus gezwungen, ihre eigene Sprache aufzugeben, oder sie übernahmen allmählich die Sprache der Eroberer. Umgekehrt nahmen nicht selten Besatzungsmächte die Sprache eines besetzten Landes an, wie es z. B. bei den Normannen in England der Fall war. Es kam auch vor, dass Völker, die an ein wirtschaftlich, kulturell und politisch überlegenes Land angrenzten, die Sprache dieses Landes aus freien Stücken (in der Regel nur teilweise) neben ihrer eigenen verwendeten. Auf diese Weise wurde z. B. die lateinische Sprache eine der wichtigsten natürlichen internationalen Sprachen. Eine ähnliche Rolle spielte Französisch im 18. und 19. Jahrhundert, als es universell in Diplomatie, Wissenschaft und Wirtschaft eingesetzt wurde. Im 20. Jahrhundert übernahm Englisch diese Aufgabe.

Es gab verschiedene Versuche, ein internationales Verständigungsmittel zu finden: Entweder mischte man bestehende Sprachen zu einer Lingua franca oder Pidginsprache, oder man vereinfachte eine natürliche Sprache. Letzteres wurde zwischen 1925 und 1930 mit der Erfindung des Basic English versucht, einer reduzierten Form des Englischen. Es besteht aus nur 800 Wörtern, die zum Alltagsvokabular gehören, darunter 600 Substantiven (davon 400 Abstrakta und 200 Konkreta), 100 Adjektiven und 100 Verben. Der Wert einer derartigen Sprache ist umstritten.

Hinzu kamen viele Versuche, künstliche internationale Sprachen zu schaffen, die aus Elementen natürlicher Sprachen bestehen, aber in Grammatik und Rechtschreibung vereinfacht sind. Volapük, 1880 von dem deutschen Bischof Johann Martin Schleyer vorgestellt, und Esperanto, 1887 von dem polnischen Arzt Ludwig Lazarus Zamenhof publiziert, basieren sowohl auf Elementen aus den romanischen als auch den germanischen Sprachen. Volapük erwies sich in der Erlernung und Anwendung als zu schwierig, während Esperanto immer noch die am weitesten verbreitete künstliche Sprache ist. Sie wird bei internationalen Konferenzen eingesetzt, Zeitungen und Zeitschriften erscheinen in Esperanto, und es gibt einen umfangreichen Bestand an übersetzter Literatur, darunter die Bibel und den Koran. Trotzdem besitzt Esperanto keinen offiziellen Status als Welthilfssprache. Interlingua, 1951 von der International Auxiliary Language Association vorgestellt, ist vom Englischen und den romanischen Sprachen abgeleitet und verwendet einen standardisierten Wortschatz, der den wichtigsten westeuropäischen Sprachen entnommen ist. Interlingua wird vor allem in internationalen naturwissenschaftlichen und technischen Fachzeitschriften verwendet; man vermeidet dadurch die hohen Kosten für Übersetzungen in mehrere Sprachen.

Weitere Beispiele sind: Idiom Neutral (von V. K. Rosenberger, 1902), das hauptsächlich auf den romanischen Sprachen basiert, Latino Sine Flexione (von Giuseppe Peano, 1903) mit lateinischem Wortschatz, jedoch ohne Flexionsendungen, Ido (von Louis de Beaufront und Louis Couturat, 1907), das auf Esperanto basiert, Occidental (von Edgar von Wahl, 1922), das ebenfalls aus romanischen Sprachen abgeleitet ist, Novial (von Otto Jespersen, 1928), das den Wortschatz des Ido und die Grammatik des Occidental kombiniert. 1981 stellten W. Ashby und R. Clark Glosa vor, eine Sprache mit 1 000 Wörtern, die aus dem Griechischen und Lateinischen stammen. Trotz aller Bemühungen ist es aber noch nicht gelungen, eine wirklich international anerkannte und universell einsetzbare Sprache zu schaffen.

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