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Sir Benjamin Thompson, Graf von Rumford

Enzyklopädieartikel

Sir Benjamin Thompson, Graf von Rumford (1753-1814), angloamerikanischer Physiker und Politiker, der u. a. die Entstehung von Reibungswärme erforschte und hierzu die Theorie aufstellte, dass Wärme auf die Bewegung von Teilchen zurückzuführen sei.

Thompson wurde am 26. März 1753 in North Woburn (Massachusetts) geboren. Schon während seiner Ausbildung bei einem Ladenbesitzer begann Thompson, verschiedene chemische und physikalische Experimente durchzuführen. Im Nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg stand Thompson als Offizier auf britischer Seite. Im Zuge des Krieges musste er 1776 nach England fliehen. Dort fand Thompson in London eine Anstellung beim Amt für Auswärtige Angelegenheiten. Wenig später wurde er Unterstaatssekretär. Während dieser Zeit führte Thompson neben seiner militärischen Laufbahn seine wissenschaftlichen Studien weiter. Er untersuchte in diesem Zusammenhang die Sprengkraft von Schießpulver, entwickelte Verbesserungen für Schusswaffen und erfand ein Kommunikationssystem für Schiffe auf See.

1784 wurde Thompson in den britischen Adelsstand erhoben. Nur wenig später quittierte er seinen Dienst bei der britischen Armee, um ins Exil zu gehen. Er übernahm den Kommandeursposten der bayerischen Armee und trat in die Dienste des bayrischen Kurfürsten Karl Theodor ein. In dieser Zeit engagierte sich Thompson auf sozialem Sektor. So regte er beispielsweise den Anbau von Kartoffeln als Grundnahrungsmittel an und ließ in München Arbeitshäuser errichten, die vielen Armen der Stadt eine Arbeit boten. Thompson legte u. a. auch den Englischen Garten in München an. Als Anerkennung für seine Dienste zeichnete ihn der bayerische Kurfürst 1791 mit dem Titel Graf von Rumford aus. 1795 kehrte er nach England zurück und ließ sich 1798 in London nieder. 1801 wechselte er an das Institute de France in Paris. Er blieb in Frankreich und starb am 21. August 1814 in Auteuil (bei Paris).

Für die Physik wurden seine Untersuchungen über die Reibungswärme bedeutsam. Er stellte seinen Artikel Enquiry Concerning the Source of Heat Which Is Excited by Friction der Royal Society im Jahre 1798 vor und gehörte damit zu den ersten Wissenschaftlern, die erkannten, dass Wärme kein Stoff ist. Unter seinen zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen sind die Entwicklung eines Kalorimeters und eines Photometers.

Im Jahre 1779 wurde Rumford zum Mitglied der Royal Society gewählt; 1799 schlug er die Einrichtung einer Royal Institution vor, die im darauf folgenden Jahr von George III. gegründet wurde. Er führte die Rumford-Medaille der Royal Society ein und wurde ihr erster Empfänger. Eine ähnliche Auszeichnung der American Academy of Arts and Sciences, die seinen Namen trägt, geht auch auf ihn zurück. Außerdem gründete er den Rumford-Lehrstuhl für Physik an der Harvard University.

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