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Elfenbeinschnitzerei

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ElfenbeinwalrossElfenbeinwalross
Artikelgliederung
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Einleitung

Elfenbeinschnitzerei, vor allem in Europa, Asien und Afrika seit vorgeschichtlicher Zeit bekannte Kunst des Schneidens, Feilens, Drechselns und Gravierens von Elfenbein zur Herstellung kunsthandwerklicher Gegenstände wie Plastiken, Schmuck und Reliefs. Meist stammt das zu bearbeitende Elfenbein von Stoßzähnen von Elefanten, doch gibt es auch andere Elfenbeinarten oder Ersatzmaterialien, wie die Stoßzähne, Zähne, Hörner und Knochen des Narwales, des Walrosses und anderer Tiere sowie pflanzliches und synthetisches Material.

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Antike Elfenbeinschnitzerei

Die ältesten bekannten Elfenbeinschnitzereien stammen aus der frühen Altsteinzeit und wurden im europäischen Périgordien vor mehr als 20 000 Jahren hergestellt. Diese Schnitzereien waren durchweg figürliche Darstellungen, unter denen nackte weibliche Fruchtbarkeitsfiguren das häufigste Motiv waren. Aus der späteren Periode des Magdalénien sind mehr Tierdarstellungen bekannt.

In Ägypten lässt sich die Kunst der Elfenbein- und Knochenschnitzerei schon in prädynastischen Zeiten vor 3000 v. Chr. nachweisen. In Gräbern aus dieser Zeit wurden viele weibliche und männliche Figuren sowie geschnitzte Kämme, Haarnadeln und Griffe gefunden. Ab der Mitte des 2. Jahrtausends v. Chr. sind Waffengriffe, Möbel, Wandverkleidungen und Schatullen, die mit Einlegearbeiten aus Elfenbein verziert waren, nachweisbar. Die Elfenbeinschnitzereien aus Mesopotamien weisen häufig einen starken ägyptischen Einfluss auf. Zu ihnen zählen eine Reihe von Täfelchen mit Figuren im Flachrelief, die in Ninive, der antiken assyrischen Hauptstadt, gefertigt wurden.

In der minoischen Kunst (siehe Kreta) wurden Siegel in Tiergestalt hergestellt, später tauchen Tierfiguren, Schlangengöttinnen und Kultgefäße aus Elfenbein auf. Die Griechen waren insbesondere im 5. Jahrhundert v. Chr. für ihre chryselephantinen Bildwerke bekannt, die oft eine gewaltige Größe hatten. Dabei wurden die nackten Partien in geschnitztem Elfenbein dargestellt, während Haare und Kleider mit Goldplatten belegt waren. Bei den Römern in den späten Zeiten des Kaisertums herrschte eine große Nachfrage nach Konsulardiptychen aus geschnitztem Elfenbein (siehe Diptychon). Dabei handelte es sich um zweiteilige Schreibtäfelchen, deren Außenseiten mit Bildern und Szenen verziert waren, die an den Amtsantritt eines Konsuls erinnern sollten. Die Innenseiten trugen eine Wachsschicht, auf der man schreiben konnte. Die Konsulardiptychen wurden persönlichen Freunden geschenkt. Im antiken Rom kamen dann auch mit Elfenbein furnierte Möbel und Dosenschnitzereien auf.

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Mittelalterliche Elfenbeinschnitzereien

In der frühchristlichen Kunst blühte die Elfenbeinschnitzerei auf, insbesondere im 5. und 6. Jahrhundert und zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert. Christliche Figuren, Symbole und Szenen waren die häufigsten Motive, die auf Buchdeckel, Ikonen, Kästchen, Schreinen, Krummstäben, Kreuzen, Türtäfelungen und Thronen geschnitzt wurden. Die Pyxiden (siehe Pyxis), kelchartige Dosen, die zur Aufbewahrung der Hostien dienten, waren neben der Cathedra des Bischofs Maximilian von Ravenna in Italien (6. Jahrhundert) Höhepunkte christlichen byzantinischen Handwerkes.

Nördlich der Alpen setzte die Elfenbeinschnitzerei mit der Karolingischen Kunst ein. Während der Herrschaft Karls des Großen und seiner Nachfolger im 9. und 10. Jahrhundert wurden besonders in den Klosterwerkstätten von Metz, Saint Denis, Reims und Sankt Gallen Buchdeckel, Reliquienkästen und Altarfiguren aus Elfenbein geschnitzt. In der Romanik waren Elfenbeinschnitzereien in Europa weniger verbreitet, doch in der Gotik blühte dieses Handwerk wieder stark auf. Die gotischen Elfenbeinschnitzereien zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert waren religiösen Ursprungs, dienten aber mehr dem Zweck der privaten Andacht als dem öffentlichen kirchlichen Gebrauch. Beliebt waren Diptychen mit tief eingeschnitzten Figuren und Landschaften, die den Hintergrund von Passionsdarstellungen bildeten. Besonders schöne Arbeiten wurden in Paris gefertigt.

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Elfenbeinschnitzereien im Barock und Rokoko

In der Zeit der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Elfenbeinschnitzerei durch die Bronzekunst verdrängt und erlangte erst wieder im Barock und Rokoko des 17. und 18. Jahrhunderts Bedeutung. Die deutschen Handwerker waren für ihre reich verzierten Schnitzereien, wie Salzfässer und Prunkgeschirre berühmt, die sie besonders für die Fürstenhöfe herstellten. Flämische Handwerker schnitzten Statuetten und andere skulpturenähnliche Gegenstände gerne nach vorderasiatischen und chinesischen Vorbildern.

Im Laufe des 18. Jahrhunderts ließ die Nachfrage nach Elfenbeinschnitzereien nach. Eine Wiederbelebung ging von Frankreich aus. Mit der Entstehung des Art Nouveau in der angewandten Kunst Ende des 19. Jahrhunderts erfreute sich die Elfenbeinschnitzerei, besonders die chryselephantine Kleinplastik wieder neuer Beliebtheit. Zentrum der deutschen Elfenbeinschnitzerei war Erbach im Odenwald, wo sich heute ein Elfenbeinmuseum befindet.

Die Elfenbeinsammler des 20. Jahrhunderts schätzen vor allem die alten Arbeiten. Seit in Europa und den USA Elefantenstoßzähne mit Importverbot belegt sind, wird weltweit nur noch sehr wenig in Elfenbein gearbeitet.

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