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Taiwan

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Artikelgliederung
6.6

Verkehrswesen

Das Straßennetz von Taiwan umfasst knapp 35 000 Kilometer. Der Personenverkehr über Land wird vor allem von privaten und öffentlichen Buslinien übernommen. Das Eisenbahnnetz hat eine Länge von 4 600 Kilometern. Die meisten Eisenbahnlinien sind im Besitz der Industrie und werden überwiegend zur Verschiffung der Waren verwendet. Die bedeutendsten Seehäfen liegen in Jilong, Hualian, Kaohsiung und Taichung. Internationale Flughäfen gibt es in Taipeh und Kaohsiung. Die wichtigste taiwanesische Fluggesellschaft, die China Air Lines, führt sowohl Flüge in Taiwan als auch in das Ausland durch.

6.7

Energie

73,4 Prozent des Strombedarfs liefern Wärmekraftwerke, 22,5 Prozent seines Elektrizitätsbedarfs deckt Taiwan mit Kernenergie (sechs Atomkraftwerke) und 4,1 Prozent durch Wasserkraftwerke.

7

Geschichte

Taiwan wurde ursprünglich von austronesischen Stämmen bewohnt. Eine erste chinesische Expedition nach Taiwan soll laut chinesischen Quellen bereits 603 v. Chr. durchgeführt worden sein; in etwas größerem Umfang wanderten Chinesen jedoch erst ab dem 7. Jahrhundert n. Chr. auf der Insel ein und drängten allmählich die ursprüngliche Bevölkerung in das zentrale Bergland ab. Ab dem 12. Jahrhundert brachte Japan vorübergehend Teile der Insel unter seine Herrschaft. Als erste Europäer landeten 1590 die Portugiesen auf der Insel, deren chinesischer Name Taiwan „terrassenförmige Bucht” bedeutet, und benannten sie in Ilha Formosa, „schöne Insel”, um. In der Folgezeit versuchten auch die Spanier, auf der Insel Fuß zu fassen; Portugiesen und Spanier wurden aber schließlich von den Holländern verdrängt, die 1621 die Pescadores-Inseln erobert hatten und bis 1642 die Kontrolle über ganz Taiwan erlangten.

7.1

Eingliederung in das chinesische Reich

Nach der Niederlage der Ming-Dynastie gegen die Mandschu (Qing-Dynastie) auf dem chinesischen Festland 1644 flüchteten sich zahlreiche Chinesen, vor allem Anhänger der Ming, nach Taiwan; innerhalb weniger Jahre stieg die Bevölkerung chinesischer Herkunft auf der Insel um das Vierfache auf etwa 100 000 an. Unter der Führung des Abenteurers Zheng Chenggong (auch bekannt als Koxinga) vertrieben diese chinesischen Neuankömmlinge 1662 die Holländer von Taiwan und übernahmen die Herrschaft über die Insel. Die allerdings war nach dem frühen Tod von Zheng Chenggong von inneren Unruhen überschattet und dauerte nur kurz: Schon 1683 eroberten die Mandschu die Insel und gliederten sie dem chinesischen Reich ein. Durch den Vertrag von Tianjin von 1858 musste China den westlichen Großmächten auch auf Taiwan zwei Vertragshäfen für den Handel öffnen: Tanshui im Norden und Tainan im Südwesten der Insel. Infolge der Öffnung Taiwans für den Westen kamen auch katholische und protestantische Missionare auf die Insel.

1885 wurde Taiwan chinesische Provinz und erlebte in den Folgejahren einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung, der Taiwan zur entwickeltsten chinesischen Provinz werden ließ. Während des Französisch-Chinesischen Krieges 1884/85, der mit der Annexion Annams durch Frankreich endete, belegte Frankreich Taiwan zeitweise mit einer Blockade und hielt mehrere Monate lang die Stadt Jilong besetzt. Nach dem Chinesisch-Japanischen Krieg (1894/95) musste China im Frieden von Shimonoseki 1895 Taiwan und die Pescadores-Inseln an Japan abtreten. Die chinesische Bevölkerung von Taiwan jedoch widersetzte sich der japanischen Herrschaft; es kam zu einem Aufstand, der aber von den Japanern niedergeschlagen wurde und ein hartes Besatzungsregime zur Folge hatte. Japan verwaltete Taiwan zunächst als Außenbesitzung; erst 1942, während des 2. Weltkrieges, wurde Taiwan als integraler Bestandteil in das Japanische Kaiserreich eingegliedert.

7.2

Zuflucht der Nationalchinesen

Nach seiner Niederlage im 2. Weltkrieg musste Japan 1945 Taiwan und die Pescadores-Inseln an China zurückgegeben (formell bestätigt im Frieden von San Francisco 1951). Die Bevölkerung Taiwans jedoch strebte nach Unabhängigkeit, und im Februar 1947 mündeten die zunehmenden Unruhen gegen die repressive nationalchinesische Kuomintang-Regierung in einem Aufstand. Aber auch dieser Aufstand wurde rasch wieder niedergeschlagen, die Aufständischen hart bestraft – es gab etwa 1 700 Hinrichtungen –, und im April 1947 wurde Taiwan als Provinz China eingegliedert.

Nachdem im Chinesischen Bürgerkrieg (siehe Chinesische Revolution) die Kommunisten unter Mao Tse-tung den endgültigen Sieg über die Nationalchinesen unter Chiang Kai-shek davongetragen und am 1. Oktober 1949 in Peking die Volksrepublik China ausgerufen hatten, wurde Taiwan ein weiteres Mal Rückzugsgebiet für die auf dem Festland unterlegenen Kräfte: Nun flüchtete sich die nationalchinesische Kuomintang-Regierung auf die Insel und mit ihr etwa zweieinhalb Millionen ihrer Anhänger, darunter etwa ein halbe Million Kuomintang-Soldaten. Am 8. Dezember 1949 richtete die Kuomintang-Regierung unter Chiang Kai-shek in Taipeh ihr Hauptquartier ein, und am 1. März 1950 rief Chiang Kai-shek die „Republik China auf Taiwan” aus, inoffiziell Nationalchina genannt. Staatspräsident der nationalchinesischen Regierung blieb auch auf Taiwan Chiang Kai-shek, und auch die Verfassung hatten die Nationalchinesen vom Festland mit nach Taiwan gebracht.

Die Regierung der „Republik China auf Taiwan” verfocht weiterhin den Anspruch, die einzige legitime Regierung ganz Chinas zu sein. Die meisten Staaten erkannten die nationalchinesische Regierung auf Taiwan an, ebenso die Vereinten Nationen, die Taiwan als Vertreter Chinas als eines der fünf ständigen Mitglieder in den Sicherheitsrat aufnahmen. Die Volksrepublik China dagegen verweigerte der „Republik China” naturgemäß die Anerkennung, betrachtete Taiwan vielmehr weiterhin als chinesische Provinz.

Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges im Allgemeinen und des Koreakrieges im Besonderen erfuhr Taiwan umfangreiche, vor allem militärische Unterstützung der USA: Noch 1950 schickten die USA Marineeinheiten nach Taiwan, um die Volksrepublik China von einem Angriff auf die Insel abzuhalten, und in der Folgezeit entsandten sie in großem Umfang Militärberater zum Aufbau und zur Ausbildung der nationalchinesischen Streitkräfte nach Taiwan. 1954 schlossen die USA und Taiwan ein Verteidigungsabkommen, das u. a. die Beistandspflicht der USA im Falle eines Angriffs der Volksrepublik China auf Taiwan beinhaltete. Im März 1954 wurde Chiang Kai-shek im Amt des Staatpräsidenten bestätigt.

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