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Herpes (griechisch herpein: kriechen), durch Herpesviren verursachte Krankheitsbilder, zu denen Hautausschlag mit Bläschenbildung, Windpocken und Gürtelrose gehören. Zwei aus medizinischer Sicht besonders wichtige Herpesviren sind das Hautbläschen bildende Herpes-simplex-Virus und das Varicella-Zoster-Virus (auch Herpesvirus varicellae), das Windpocken und Gürtelrose verursacht. Andere Herpesviren sind das Epstein-Barr-Virus, Erreger des Drüsenfiebers, und das Zytomegalievirus, das bei Infektion Schwangerer Geburtsfehler hervorrufen kann. Man schätzt, dass Herpesviren mehr Erkrankungen beim Menschen auslösen als jede andere Virengruppe. Den menschlichen Herpesviren nahe verwandte Viren wurden bei zentralafrikanischen Gorillas und Schimpansen gefunden.
Das Herpes-simplex-Virus tritt in zwei Serotypen auf. Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV 1; auch Humanes Herpesvirus 1, HHV 1) bewirkt Fieberbläschen, ein bläschenartiges Ekzem, das häufig während oder nach fieberhaften Erkrankungen wie Erkältung, Grippe und Lungenentzündung auftritt. Die Bläschen erscheinen im Allgemeinen um den Mund und auf den Lippen (Herpes labialis), an der Nase, im Gesicht, an den Ohren sowie im Mund und im Rachen. Das verursachende Virus wurde auch bei Infizierten, die keinen Bläschenausschlag hatten, in Zellkörpern des Gesichtsnervs nachgewiesen. Dort ist das Virus, das für die wiederholten Herpesausschläge verantwortlich ist, latent (verborgen) vorhanden. Eine schwere Komplikation ist die Herpesinfektion des Auges (Keratokonjunktivitis herpetica), die zur Trübung der Augenhornhaut führen kann. Leichte Infektionen bleiben meist unbehandelt; um die Bläschen auszutrocknen, kann eine spezielle Tinktur aufgetragen werden. Schwere oder chronische Infektionen werden mit einem antiviralen Medikament (Aciclovir) behandelt. Kommt es zusätzlich zu einer bakteriellen Infektion, können Antibiotika verabreicht werden. Das Herpes-simplex-Virus Typ 2 (HSV 2; auch Humanes Herpesvirus 2, HHV 2) verursacht zumeist Infektionen des Genitalbereichs (Herpes genitalis). Diese Erkrankung äußert sich anfangs durch leichten Juckreiz, manchmal zusammen mit Kopfschmerz und Fieber, gefolgt von der Bildung gruppenweise angeordneter kleiner Bläschen an den Geschlechtsorganen. Die Bläschen platzen später auf, verkrusten und bilden Schorf, der schließlich austrocknet und abfällt. Dieser Verlauf kann eine bis drei Wochen dauern. In vielen Fällen entstehen neue Bläschen, während andere abheilen. Schwangere, die an Herpes genitalis leiden, können die Infektion bei der Entbindung auf das Neugeborene übertragen. Da eine solche Infektion für das Kind tödlich sein kann, wird in diesem Fall meist durch Kaiserschnitt entbunden. Eine HSV-2-Infektion wird ähnlich behandelt wie eine Infektion mit HSV 1. Ein weiteres Herpesvirus, HHV 6, wurde bei 70 Prozent der daraufhin untersuchten Multiple-Sklerose-Kranken gefunden; als alleinige Ursache dieser Krankheit kommt es jedoch nicht infrage, da es auch bei Gesunden nachzuweisen ist. Das offenbar vor allem oral (durch Speichel) übertragene Virus HHV 8 wurde beim Kaposi-Sarkom im Tumorgewebe nachgewiesen und gilt als Verursacher dieser bei AIDS-Kranken häufigen Krebsform.
Bei dieser auch als Herpes zoster oder Zoster bekannten Erkrankung handelt es sich um eine in der Regel einmalige Reaktivierung der Windpocken, die zumeist im Erwachsenenalter auftritt. Verursacht wird die Krankheit durch das Windpockenvirus (Varicella-Zoster-Virus), das einen sensorischen, meist am Rumpf verlaufenden Nerv befällt. Auf der Haut über diesem Nerv bildet sich oftmals einige Tage nach Krankheitsbeginn ein Bläschenausschlag. Die Bläschen sind zunächst durchscheinend, werden aber nach einigen Tagen trüb und bilden Krusten, die nach fünf bis zehn Tagen austrocknen. Der Ausschlag wird entlang des betroffenen Nervs von Schmerz und häufig Taubheit oder Überempfindlichkeit begleitet. Die bei Herpes zoster auftretenden Hauterscheinungen sind relativ harmlos. Die Schmerzen jedoch, die von der Entzündung des darunter liegenden Nervs herrühren, können äußerst heftig sein und wochenlang andauern. Manchmal folgt auf die Heilung eine hartnäckige Neuralgie im Bereich des betroffenen Nervs (Post-Zoster-Neuralgie oder postherpetische Neuralgie). Das Varicella-Zoster-Virus kann auch das zentrale Nervensystem befallen und eine schwere Enzephalitis hervorrufen, besonders bei Menschen, die bereits durch andere Krankheiten wie Krebs geschwächt sind. Die frühzeitige Behandlung einer Herpes-Enzephalitis mit einem antiviralen Medikament kann in vielen Fällen Hirnschäden vermeiden und lebensrettend sein. Varicella-Zoster-Viren lassen sich mit Brivudin, Valaciclovir oder Aciclovir bekämpfen; wenn keine Komplikationen auftreten, heilt eine Gürtelrose jedoch auch ohne Behandlung nach wenigen Wochen ab. Bei anhaltenden Schmerzen kann eine Schmerzbekämpfung mit Analgetika und tricyclischen Antidepressiva durchgeführt werden. Eine neu entwickelte Immunisierung gegen Gürtelrose verringerte die Wahrscheinlichkeit des Auftretens dieser Krankheit bei den Geimpften um etwa 50 Prozent (New England Journal of Medicine, 2005).
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