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Inkarnation

Enzyklopädieartikel

Inkarnation (lateinisch incarnatio: Fleischwerdung), in der Religionswissenschaft das Eingehen eines göttlichen Wesens in eine irdische Gestalt. In frühen Zeiten galten häufig Priester und Könige als Inkarnationen göttlicher Wesen. In der Religion der alten Griechen und Römer nahmen die Götter gelegentlich menschliche Gestalt an und heirateten Sterbliche. Die Vorstellung der Inkarnation ist auch in zahlreichen Weltreligionen vertreten. Im Mahayana-Buddhismus wird Buddha als göttliches Wesen verehrt und angebetet, das aus Mitleid für die leidende Menschheit auf die Erde gekommen ist. Die Anhänger des Jainismus betrachten den Begründer der Religion Vardhamana Jnatiputra oder Nataputta Mahavira, genannt Jina, als ein übernatürliches, sündenfreies und allwissendes Wesen, das vom Himmel herabstieg. Zahlreiche Texte des Zoroastrismus befassten sich mit dem Thema des himmlischen Vorlebens Zarathustras und seiner Fleischwerdung. Die Substanz seines Körpers wurde im Himmel geschaffen, ging mit dem Regen zur Erde nieder und gelangte über die Milch junger Kühe zu seiner Mutter. Im Hinduismus werden Inkarnationen von Göttern, insbesondere Vishnus, Avataras genannt.

Im Christentum stellt die Inkarnation, d. h. die Einheit der göttlichen Natur mit der menschlichen in der Person Jesus Christus, einen zentralen Glaubenssatz dar. Da in Jesus Christus göttliche und menschliche (bis auf die Sünde) Wesenszüge vollkommen miteinander vereint sind, wird er als Verkörperung von Gott in menschlicher Gestalt betrachtet. Die Lehre der Inkarnation beruft sich auf Stellen der Heiligen Schrift wie Johannes 1, 14: „Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.” Siehe auch Christologie.

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