![]() |
Windows Live® Suchergebnisse
Windows Live® Suchergebnisse Seite 2 von 3
HessenEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
In Hessen gibt es Universitäten in Marburg, Kassel, Darmstadt, Gießen und Frankfurt, Fachhochschulen in Darmstadt, Dieburg, Frankfurt, Fulda, Gießen, Langen, Marburg und Wiesbaden. Frankfurt hat eine Hochschule für bildende Künste und eine für Musik und darstellende Kunst, Offenbach eine für Gestaltung. In Fulda und Oberursel gibt es theologische Hochschulen, in Frankfurt eine philosophisch-theologische Hochschule. In Frankfurt wurde 1947 mit der Deutschen Bibliothek die nationale Bibliothek der Bundesrepublik Deutschland gegründet. Sie versteht sich als Archivbibliothek des gesamten deutschen Schrifttums seit 1945. Berühmtester Sohn der Stadt ist Johann Wolfgang von Goethe, der hier 1749 geboren wurde. In den frühen dreißiger Jahren entwickelte sich hier die Frankfurter Schule, ein Kreis von Philosophen und Soziologen, die dem Frankfurter Institut für Sozialforschung angehörten. Die Frankfurter Schule prägte mit ihren Gedanken maßgeblich die Studentenbewegung der sechziger Jahre. Ihre wichtigsten Protagonisten waren Max Horkheimer und Theodor Adorno. In Goddelau bei Darmstadt wurde 1813 Georg Büchner geboren. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt in Erinnerung an den Dramatiker alljährlich zusammen mit dem Land Hessen und der Stadt Darmstadt den Georg-Büchner-Preis, einen der bedeutendsten deutschen Literaturpreise. In Marburg studierten seit der Gründung der Universität 1527 viele bekannte Persönlichkeiten, u. a. Boris Pasternak, die Brüder Grimm, Gottfried Benn, Otto Hahn und Gustav Heinemann. Um die Jahrhundertwende lehrten hier die Philosophen Hermann Cohen und Paul Natorp, die als Begründer der Marburger Schule, einer Richtung der neukantianischen Philosophie, bekannt sind. In Kassel, dem kulturellen Zentrum Nordhessens, findet alle vier oder fünf Jahre mit der documenta eine internationale Ausstellung zeitgenössischer Kunst statt.
Rund 37 Prozent der Gesamtfläche Hessens werden landwirtschaftlich genutzt, gut 40 Prozent sind bewaldet. Angebaut werden vor allem Weizen und Zuckerrüben, in der Wetterau auch Gemüse und Obst. Neben der weit verbreiteten Forstwirtschaft ist die Milchwirtschaft von Bedeutung. Das Bundesland hat kleine Vorkommen an Eisen, Mangan, Salz und Braunkohle. Die wichtigsten, überwiegend im Südwesten konzentrierten Industriebranchen sind Chemie, Maschinen- und Fahrzeugbau. Wirtschaftlicher Mittelpunkt Hessens ist Frankfurt am Main: Die Messestadt ist mit der Frankfurter Börse und über 400 Banken eines der wichtigsten Handels- und Finanzzentren Europas und Verkehrsknotenpunkt (Eisenbahn, Autobahn, Flughafen Rhein-Main, Hafen).
Die frühesten menschlichen Spuren, gefunden nahe Münzenberg, datieren aus der Altsteinzeit. Seit etwa 600 v. Chr. siedelten hier Kelten, bis sie noch vor der Zeitenwende von Germanen verdrängt wurden. In den Chattenkriegen (81-96 n. Chr.) Domitians eroberten die Römer Südhessen, das sie als Teil ihrer Provinz Germania Superior (Obergermanien) mit dem Limes gegen Norden sicherten, wo die Chatten lebten, Vorfahren der späteren “Hassi” oder Hessen. Auf römische Siedlungen gehen u. a. Wiesbaden und Frankfurt zurück. Um 260 n. Chr. drangen Alemannen in das Gebiet des heutigen Hessen ein, die um 500 wiederum den Franken weichen mussten.
Die Karolinger bauten das Land durch Heer- und Handelsstraßen aus, deren Etappenstationen zu Städten wie Kassel oder Frankfurt heranwuchsen. In Fritzlar, Hersfeld, Fulda und Frankfurt entstanden Königspfalzen. Der angelsächsische Missionar Bonifatius, unterstützt durch die von ihm gegründeten Klöster in Hersfeld, Fritzlar und Fulda, vollendete die Christianisierung des Gebiets. Seit 765 Reichsabtei, wurde Fulda unter Hrabanus Maurus ein kultureller Mittelpunkt des Frankenreiches. Für Ludwig II., den Deutschen, war Frankfurt bevorzugter Regierungssitz. Seit der Herausbildung des Heiligen Römischen Reiches im 10. Jahrhundert wurde Hessen von Grafen verwaltet. Ab 1122 waren dies die 1130 zu Landgrafen von Thüringen erhobenen Ludowinger, die mit umfangreichem Besitz in Nieder- und Oberhessen sowie am Rhein zu mächtigen Gegnern des Mainzer Erzbistums wurden, das ebenfalls auf seinen Machtausbau in Hessen bedacht war. Unterstützt von Friedrich I. Barbarossa, der sich 1152 in Frankfurt zum König krönen ließ, behaupteten sich jedoch die Ludowinger gegen den Mainzer Erzbischof. Nach dem Tod des letzten Ludowingers Heinrich Raspe 1247 errang die thüringische Landgräfin Sophie von Brabant im Thüringisch-Hessischen Erbfolgekrieg (1247-1264) Hessen als Landgrafschaft für ihren Sohn Heinrich I., das Kind (1256-1308). 1292 wurde die Landgrafschaft zum Reichsfürstentum erhoben. In der Goldenen Bulle von 1356 wurde Frankfurt als Ort der Königswahl reichsrechtlich festgeschrieben. Das 14. Jahrhundert prägten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den Landgrafen und dem vom Mainzer Erzbischof unterstützten hessischen Adel um die Vorherrschaft in Hessen; im Frankfurter Frieden 1427 entschieden die Landgrafen den Konflikt für sich. Unter Landgraf Ludwig I. (1413-1458) wurde Hessen erweitert, insbesondere durch die Grafschaft Ziegenhain, durch die das Territorium arrondiert wurde, und die 1479 geerbte Grafschaft Katzenelnbogen vergrößerte Hessen um weitere Gebiete an Rhein und Main.
Landgraf Philipp I., der Großmütige, sicherte seine Macht gegen die aufbegehrenden Stände, indem er 1522 den Ritteraufstand Franz von Sickingens niederwarf und 1525 den Bauernaufstand (siehe Bauernkrieg) in Hessen. 1526 führte er die Reformation ein, gründete 1527 die Universität Marburg, die erste protestantische Hochschule in Deutschland, und trat 1531 als Fürst eines der bedeutendsten Reichsterritorien neben dem sächsischen Kurfürsten an die Spitze des Schmalkaldischen Bundes. Nach Philipps Tod (1567) wurde Hessen in Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt geteilt; daneben bestanden weitere Herrschaften wie das Fürstentum Nassau. Erbstreitigkeiten zwischen dem Calvinisten Moritz von Hessen-Kassel und dem Lutheraner Ludwig von Hessen-Darmstadt (Marburger Erbfolgestreit) führten zu unterschiedlicher Parteinahme im Dreißigjährigen Krieg mit verheerenden Folgen für Hessen, das zu einem Hauptkriegsschauplatz wurde. Der Krieg und die ihn begleitende Pest halbierten die Bevölkerung, weshalb in den achtziger Jahren des 17. Jahrhunderts gerne aus Frankreich geflohene Hugenotten aufgenommen wurden. Unter Landgraf Karl (1670-1730) erlebte Hessen-Kassel eine neue Blüte. Karls Sohn Friedrich I. wurde durch Heirat 1720 König von Schweden. Wie alle deutschen Höfe eiferten auch die hessischen Landgrafen dem Absolutismus König Ludwigs XIV. nach. Dies zeigte sich etwa im Ausbau der Residenz Kassel mit der Gründung der Gemäldegalerie durch Landgraf Wilhelm VIII. (1682-1760). Hessen-Darmstadt wurde unter der „großen Landgräfin” Henriette Karoline (1721-1774) zu einem Mittelpunkt für Literatur, Musik und Wissenschaft. In Hessen-Kassel baute Landgraf Friedrich II. (1720-1785) seine Residenz ebenfalls zu einem Kunst- und Kulturzentrum aus und finanzierte dies u. a. dadurch, dass er etwa 12 000 hessische Söldner an Großbritannien für den Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg verkaufte. Im ersten Koalitionskrieg war Hessen ab 1792 Schauplatz von Kämpfen mit französischen Revolutionstruppen. Im Frieden von Lunéville 1801 verlor Hessen linksrheinische Gebiete an Frankreich.
© 1993-2008 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten. |
© 2008 Microsoft
![]() ![]() |