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ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Technische Voraussetzungen und Materialien; Gebäudekonstruktionen; Ideengeschichtlicher Hintergrund der Architektur; Künstlerische Aspekte und Klassifikationen; Vor- und Frühgeschichte; Ägypten; Asiatische Hochkulturen; Amerika; Griechische Antike; Römische Antike; Christlich-römische Antike; Frühes Mittelalter; Byzantinische Architektur; Romanik; Gotik; Renaissance; Manierismus; Barock; Rokoko; Klassizismus und Romantik; Historismus, Industriearchitektur und Jugendstil; 20. Jahrhundert; 21. Jahrhundert
Zu den wesentlichen Errungenschaften der Neuzeit gehörte die Entdeckung, dass die visuelle Wahrnehmung des Raumes strengen Gesetzmäßigkeiten unterworfen ist. Dies stand im engen Zusammenhang mit der Entdeckung der Perspektive in der Malerei und Graphik. Die Kunst der Frührenaissance widmete sich dem Ziel, den Raum möglichst exakt wiederzugeben. Perspektive wurde zur Wissenschaft. In keiner anderen Epoche der Kunst waren Wissenschaft und bildende Kunst so vereint wie in der Renaissance. Dies hatte für die Architektur weit reichende Folgen.
Der einflussreiche Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti verfasste 1451 den Traktat Über die Baukunst. Diese seit Vitruv wichtigste Abhandlung zu den Merkmalen und Richtlinien der Architektur sowie zu den Aufgaben des Architekten formulierte drei wesentliche Kriterien:
In der Gliederung in wohlproportionierte Flächen ist die Ausrichtung an der Antike deutlich erkennbar. Das neue Bauen der Renaissance beanspruchte eine gewisse Leichtigkeit, ohne jedoch auf Materialität gänzlich zu verzichten. Im Gegensatz zum gotischen Stil wurden wieder geschlossene Flächen betont. Alle Elemente, sogar Pfeiler, wurden plastisch ausgebildet. Säulen und Pfeiler wurden konsequent symmetrisch angeordnet und oft durch Rundbogen verbunden. Diese Entwicklungen sind auch nördlich der Alpen zu beobachten.
Das Hauptwerk des Florentiner Architekten Filippo Brunelleschi ist die Kuppel (1436) des Domes von Florenz (Santa Maria del Fiore). Sie wurde zum Prototyp weiterer bedeutender Kuppelbauten (z. B. Michelangelos Kuppel für den Petersdom in Rom, 1547). Von Donato Bramante stammt die Kirche Santo Spirito in Florenz (begonnen 1434), deren Anlage sehr harmonisch und ausgewogen ist. Alles dient hier einer zentralisierenden Raumkonzeption; jedes Einzelelement steht zu einem anderen in Beziehung.
Die Architekten strebten im 15. Jahrhundert nach einer Raumwirkung, die nicht erst beim Durchschreiten erfahrbar wird. Der Innenraum von Santa Maria Presso San Satiro in Mailand, die Donato Bramante seit etwa 1480 ausbaute, ist im Augenblick des Eintretens mit einem Blick erfassbar. Hier wurde sogar mit den Mitteln illusionistischer Malerei gearbeitet, um den Eindruck eines konsequent regelmäßigen Zentralbaus zu erzeugen. Ein Meisterwerk der Zentralbaukunst ist Bramantes Tempietto (italienisch: Tempelchen) im Klosterhof von San Pietro in Montorio in Rom (begonnen 1502) sowie die Konzeption des Petersdoms in Rom, der Hauptkirche der Christenheit. In England nutzte man die Klarheit des architektonischen Rahmens zu außerordentlich dekorativem Reichtum. Die Kapelle des Königs Heinrich VII. in Westminster Abbey zeigt ein kompliziertes Maßwerk aus Steinwölbungen mit herabhängenden Schlusssteinen (siehe Perpendicular Style).
In Florenz gehörte die Loggia dei Lanzi (1374 bis 1381 von Benci di Cione erbaut) und in Rom die Arkadenarchitektur des Palazzo della Cancellaria zu den bedeutendsten Profanbauten. Hier wurden die Maßgaben Albertis (siehe oben) hinsichtlich Ausgewogenheit und Harmonie des Ganzen vorbildlich erfüllt. Venedig wahrte dagegen die Traditionen des gotischen Palastbaus (Ca’d’Oro am Canal Grande, 1421-1440) und behielt neben der symmetrischen Anordnung auch das Dekorative der Fassaden bei. Die Stadtbauten von Florenz (z. B. Palazzo Rucellai, 1446 nach Plänen Albertis erbaut) und Rom (z. B. Palazzo Farnese, 1541 durch Michelangelo nach Plänen Antonio Sangallos vollendet) waren dagegen klassisch und auf die antiken Säulenordnungen von dorischer, ionischer und korinthischer Systematik bezogen. Die Bauten Andrea Palladios mit den über zwei Geschosse reichenden Säulen (siehe Kolossalordnung) stehen stellvertretend für die noch bis ins 19. Jahrhundert geschätzte Kühle und Wohlabgewogenheit.
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