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Architektur

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18

Manierismus

Die Kunst und Architektur des Manierismus stand in einem gewissen Gegensatz zur klassischen Haltung der Renaissance. Häufig stellte er klassische und antiklassische Formen in eine kontrastierende Beziehung. Mit dem Stilmittel der Ironie sollten auch in der Architektur die Gesetze der Kunst in Frage gestellt werden.

So suchten die Baumeister das traditionelle Zusammenspiel von tragenden und nichttragenden Elementen außer Kraft zu setzen, indem sie Säulen in Mauerverbände einarbeiteten (z. B. Biblioteca Laurenziana in Florenz von Michelangelo). Der Kunstschriftsteller und Architekt Giorgio Vasari integrierte in den florentinischen Uffizien (1560) einen sich in den Baukörper einschneidenden, tiefen Korridor.

19

Barock

Die Barockarchitektur umfasste in ihrem Ursprungsland Italien einen Zeitraum von etwa 1600 bis 1760. In Europa lassen sich geographisch drei Zentren herausheben, nämlich Rom, Paris und Mitteleuropa. Von dort aus wirkten sich die barocken Tendenzen über fast ganz Europa bis in die russische Kunst und Architektur aus.

Für Sakral- wie Profanbauten des Barock waren ähnliche Gesichtspunkte maßgeblich: Repräsentation, Monumentalität sowie die Integration von Architektur und Landschaft. Ein wesentliches Merkmal herrschaftlicher Repräsentationsarchitektur ist beispielsweise die Treppe, vor allem innerhalb des Schlossbaus. Von Johann Dientzenhofer (Schloss Weißenstein in Pommersfelden, 1711-1716) und Balthasar Neumann (Schloss Augustusburg in Brühl, 1741-1748) wurden berühmte Treppenläufe errichtet.

19.1

Sakralbau

Der Kuppelbau des Petersdoms in Rom (siehe oben) zeigte die Bewegungsfähigkeit einer kolossalen Architektur. Daraus entstand ein neues künstlerisches Empfinden für dynamisches, kontrastreiches, zum Teil illusionistisches Bauen (siehe Scheinarchitektur), wie es gerade Michelangelo verwirklichte.

Rom war die Wiege der Barockarchitektur. Ein Hauptvertreter war Lorenzo Bernini: Er gab dem Petersplatz seine heutige Gestalt, der das Bindeglied zwischen Kirche und Stadt darstellt. Unter dem Einfluss der Barockisierug von Sankt Peter stehen Kuppelbauten im Mittelpunkt aller sakralen Bauvorhaben (z. B. Santa Susanna, 1603, und Santi Martina e Luca, 1635; beide in Rom).

Häufig ist die Symmetrie das wichtigste Gliederungsprinzip der kolossalen Bauten: Alles strebt zur Mitte der Fassade hin, das Portal ist nach vorne verlagert und durch einen Treppenaufgang noch stärker betont.

Barocke Architektur war Wirkungsarchitektur, die gerne mit theatralischen Effekten spielte. Zur Steigerung der Wirkung wurde der sakrale Zentralbau wieder häufig gebaut, der sich besonders für Kuppelkirchen eignete. Beliebt waren Hell-Dunkel-Effekte im Innenraum, der durch die laternenartige Öffnung im Scheitel der Kuppel ausgeleuchtet wurde. Auch bei Theaterbauten dieser Zeit findet sich die ovale oder runde Gestaltung des Innenraums.

Im Inneren der Kirche entstanden so genannte Rotunden: Der Hauptraum erhielt nun einen kreisrunden oder ovalen Grundriss, wie man ihn vom Pantheon her kannte. Wurden keine Neubauten errichtet, konnten sogar in bestehende gotische Kirchen Rotunden integriert werden.

19.2

Villen

Das römische Stadtbild wurde vermehrt durch private Wohnsitze geprägt (z. B. Belvedere des Palazzo Falconieri von Francesco Borromini). Auch kleinere, bereits bestehende Stadtvillen wurden zu schlossähnlichen Baukomplexen erweitert, so etwa der Palazzo del Quirinale.

19.3

Frankreich

Paris war ebenso ein Schauplatz der barocken Umgestaltungen: Hier orientierte man sich bevorzugt am französischen Schlossbau (Palais du Luxembourg, 1615 bis 1620 für Maria von Medici erbaut). Unter der die absolutistische Herrschaft vorbereitenden Regierung des Ministers Richelieu erlebte die Bautätigkeit in Frankreich einen enormen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung. Das antike Rom wurde zum Vorbild der künstlerischen Strömungen. Erst zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden auch sakrale Bauwerke barockisiert. Der führende Architekt dieser Phase war der von Richelieu protegierte Jacques Lemercier.

Inbegriff barocker Architektur ist die Schlossanlage Versailles, die inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Residenz Ludwigs XIV. Die Schlossanlage stand ganz im Dienst des absolutistischen Repräsentationsbewusstseins und war Schauplatz für Festivitäten und Vergnügungsspektakel der Hofgesellschaft. Darum war der Schlossgarten von besonderer Bedeutung (siehe Gartengestaltung; Landschaftsarchitektur). Versailles wurde zum monumentalen Vorbild des Schlossbaus in ganz Europa.

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