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ArchitekturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Technische Voraussetzungen und Materialien; Gebäudekonstruktionen; Ideengeschichtlicher Hintergrund der Architektur; Künstlerische Aspekte und Klassifikationen; Vor- und Frühgeschichte; Ägypten; Asiatische Hochkulturen; Amerika; Griechische Antike; Römische Antike; Christlich-römische Antike; Frühes Mittelalter; Byzantinische Architektur; Romanik; Gotik; Renaissance; Manierismus; Barock; Rokoko; Klassizismus und Romantik; Historismus, Industriearchitektur und Jugendstil; 20. Jahrhundert; 21. Jahrhundert
Monumentalität und Pathos sind die kulturellen Leitideen antiker Architektur, was sich gerade im Tempelbau niederschlägt. Im Gegensatz zu den ägyptischen Grabtempeln entstanden die griechischen Tempel nicht aus dem Totenkult. Sie dienten sowohl religiösen als auch repräsentativen Zwecken. Die frühesten dieser Tempel stammen aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. und wurden auf Samos entdeckt (Heratempel). Andere und eher einfache Tempel finden sich auf Kreta. Diese waren bereits vom Fundament her über einem niedrigen Sockel aus Bruchstein errichtet und holzgedeckt. Die ältesten bekannten Tempel aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., die ausschließlich aus Stein errichtet waren, sind zum einen der Apollontempel in Korinth und zum anderen das so genannte Heraion in Olympia, beide also auf dem griechischen Festland. Siehe auch griechische Kunst und Architektur
Man unterscheidet neben dem ganz schmucklosen archaischen Typus drei weitere Säulenordnungen: die dorische, die ionische und die korinthische. Anhand dieser stilistischen Merkmale lassen sich antike Bauwerke und Tempel sehr gut datieren.
Der griechische Tempel diente in seiner Funktion als Herberge und Schrein für das Kultbild. Dieses wurde jedoch im Tempelinneren nur bewacht, aber nicht angebetet. Der Gottesdienst fand im Freien vor den Tempelbauten statt. Der wohl berühmteste Tempelbau, nämlich der Parthenon auf der Akropolis in Athen, ist zugleich das Stadtsymbol der griechischen Metropole. In seiner unkonventionellen Form krönte der Tempel das zentrale Heiligtum der griechischen Antike, nämlich die der Göttin Athene geweihte Burganlage. Teilweise sind die Säulen durch gleich hohe stehende weibliche Figuren (Karyatiden) geziert, deren ausladende Frisuren meisterhaft in die Kapitelle hineingearbeitet wurden, so dass die Last des Gebälks scheinbar mühelos auf den Köpfen der Statuen ruht. Die Tempelanlage auf der Akropolis ist maßgebend für die Architekturornamentik, den so genannten ionischen Stil, der sich durch üppige Formen und schmuckhafte Gliederung auszeichnet. Dieser ist häufig im östlichen Griechenland anzutreffen (etwa beim Heratempel auf Samos und beim Tempel der Artemis in Ephesos, um 480 v. Chr.). Im süditalienischen Großgriechenland herrschte zeitgleich die strenge, klassische Ordnung des dorischen Stils. Vor allem dieser prägt das heutige Bild von der griechischen Architektur aus blendend weißem Marmor und klaren geometrischen Formen.
Im 4. Jahrhundert v. Chr. setzte der griechische Theaterbau ein. Aufgrund der stärkeren Zweckgebundenheit des Bauwerks durchmischten sich der dorische und der ionische Stil. Das Theater als religiöse Schaubühne wurde in der griechischen Polis zur staatlich subventionierten Institution. Eines der größten und berühmtesten Theater, das Dionysos-Theater in Athen am Südhang der Akropolis, lässt aufgrund der Funde die Rekonstruktion eines Baus mit etwa 2 000 Sitzplätzen zu. Noch größer ist das Theater in Epidauros (entstanden um 300 v. Chr.) mit 14 000 Sitzplätzen, terrassenförmig aufsteigenden Kalksteintreppen (Kerkides), die konzentrisch um die Bühne (Skene) und den Chorraum (Orchestra) angeordnet waren. Solche Amphitheater finden sich in der gesamten antiken Zeit im griechischen, römischen und kleinasiatischen Raum. Die geometrisch angelegten Theaterrundbauten bilden noch heute das Vorbild für zeitgenössische Theaterbauten und vor allem für Konzertsäle, da sich die Akustik bewährt hat. Die wichtigsten Funde griechischer Architektur ereigneten sich um die Wende des 20. Jahrhunderts. Bereits in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Ingenieur Carl Humann den bis heute größten Baukomplex, den Burgberg von Pergamon. Die archäologischen Grabungen dauerten bis um 1930 (einzelne Untersuchungen sind bis heute nicht abgeschlossen) und legten einen vollständigen hellenistischen Herrschersitz in Verbindung mit Kult- und Opferstätten sowie eine Theateranlage frei. Der Osten war der Altarterrasse sowie dem berühmten Pergamonaltar vorbehalten, der um 180 v. Chr. erbaut wurde. Die gesamte Anlage wurde in erstaunlich kurzer Zeit errichtet. Quellen zufolge muss dies innerhalb eines knappen Jahrhunderts geschehen sein; dazu kommt, dass die Pergamon-Anlage einen Markstein der Entwicklung einer neuen hellenistischen Kunst bildet: die großzügige Bebauung, die terrassenförmige Anlage der Baukörper sowie die Bemächtigung der Natur sind die wichtigsten architektonischen Kriterien.
Hellenismus und griechische Kultur, ihre Errungenschaften in Stadtplanung und Kunstentwicklung waren international bedeutsam. Bis in die Renaissance und den Klassizismus wurden antike Formelemente gerade in der Architektur immer wieder aufgenommen (siehe Eklektizismus) und weiterentwickelt. Mit der Befreiung der Römer aus der Herrschaft der Etrusker (6. Jahrhundert v. Chr.) setzte die kontinuierliche Erstarkung des Römischen Reiches ein, das in einem fortdauernden Siegeszug bis zum 3. Jahrhundert den gesamten Mittelmeerraum eingenommen hatte; unter der Regierung Caesars und Augustus’ folgten die europäischen Territorien. Das römische Weltreich erlangte schließlich unter Trajan im 1. Jahrhundert n. Chr. seine größte Ausdehnung, bevor es im 5. Jahrhundert zerbrach. Diese Expansionsmacht forderte die Weiterentwicklung der griechischen Vorbilder von Architektur und Städtebau. Das neue Bauen war durch eine zweckbestimmte Konzeption von Technik und Repräsentation geprägt. Tempel, Basiliken, Thermen und Theater säumten die weiten Plätze (Foren) der römischen Städte und auch das originäre Wohnhaus (domus) war zunehmend bedeutsam. Das Einfamilienhaus nach griechischer Tradition, wie es auch in der islamischen Architektur anzutreffen ist, verfügte über einen von Säulenhallen umgebenen Hof (Peristyl) und meist mehrere Gärten, die von verschiedenen Seiten an die einzelnen Wohnräume heranreichten. Ein sehr gut erhaltenes Beispiel ist die Casa del Fauno in Pompeji, entstanden wohl um das 2. Jahrhundert v. Chr. Durch den Bau von Straßen, Brücken, Aquädukten und Stadtmauern erhielten die Stadtanlagen ein strukturiertes Stadtbild.
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