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Jemen

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Jemen (Flagge und Hymne)Jemen (Flagge und Hymne)
Artikelgliederung
7.2

Einheimische Dynastien

Ab dem 9. Jahrhundert wurde die Herrschaft der Kalifen im Jemen nach und nach ausgelöscht. Mächtige Dynastien einheimischer Regenten entstanden. Am längsten währte die Dynastie von Yahya ibn al-Hussein, vermutlich ein Nachfolger des Kalifen Ali ibn Abi Talib. Yahya gründete 893 die schiitische Zaiditen-Dynastie. Aus diesem Hause stammte auch der letzte Imam (Herrscher) im 20. Jahrhundert. Gegen Ende des 9. Jahrhunderts tauchten die ersten Glaubenseiferer der unorthodoxen Sekte der Ismailiten auf. Im Zuge ihrer Weiterverbreitung gewannen sie, besonders der Zweig der Fatimiden, großen Einfluss in Nordafrika. Letztere widersetzten sich massiv der Macht der Abbasiden-Dynastie. Ihre Anhänger, die Sulayhiden, regierten in Sana im Osten und später auch in Aden, bis – nach einer Zwischenherrschaft der schiitischen Zurayhiden – die orthodoxen Ayyubiden 1173 und 1174 einfielen, Aden eroberten und die Region wieder vereinten. 1229 spalteten sich die Rasuliden, die herausragende Dynastie in der südjemenitischen islamischen Geschichte, von den Ayyubiden ab, und errichteten ihr eigenes Reich. Ihre Hauptstadt Tais erreichte Berühmtheit durch die vielfältigen künstlerischen und intellektuellen Errungenschaften der Monarchen. Aden erblühte unter ihnen als Handelszentrum. Im 15. Jahrhundert zerbrach die Dynastie der Rasuliden, und wurde durch die der Tahiriden ersetzt, die fast den gesamten Südjemen kontrollierten.

7.3

Osmanische Herrschaft

Im 15. Jahrhundert gelangten die Portugiesen nach Arabien. Sie unterbrachen zwar durch die Blockade der Handelsrouten im Roten Meer den wirtschaftlichen Status Quo, konnten aber schließlich die Stadt Aden nicht einnehmen. Neue Auseinandersetzungen entstanden, als die Mamelucken und 1517 auch das Osmanische Reich den Jemen gegen die Portugiesen verteidigten. Die Osmanen besetzten die gesamte Region, und errichteten einen Stützpunkt in der Stadt al Mukha, die Aden als wichtigste Hafenstadt ablöste. Aus dem Südjemen wurden sie 1635 von den zaiditischen Imamen vertrieben, die daraufhin, mit Aden als Hauptstadt, bis zum Zerfall des Reiches in einzelne sich bekriegende Stämme im Jahr 1735 regierten. Im 19. Jahrhundert versuchten die Osmanen, ihre Macht im Jemen wieder herzustellen und sich dadurch selbst gegen die Wahhabiten in Arabien und gegen Mehmed Ali in Ägypten zu schützen. Bis 1872 hielten sie den Westen besetzt, doch die Briten – sie hatten einen Vorstoß Mehmed Alis abgewehrt – hatten dem Sultan von Lahidj 1839 Aden abgerungen. Sie regierten den Ostjemen von Bombay aus, und Aden entwickelte sich weiter. Nach der Eröffnung des Suezkanals 1869 wurde Aden zu einem bedeutenden Warenumschlagplatz auf dem Weg nach Indien.

7.4

Unabhängigkeit und Teilung

Nach Jahren der Rebellion wurde dem nördlichen Jemen schließlich von den Türken 1911 die Autonomie zugesichert. 1918 wurde die Region unter den zaiditischen Imamen unabhängig. Sie machten Ansprüche auf die gesamte historische Region Jemen geltend. Die Briten erkannten schließlich 1925 deren Unabhängigkeit an und unterzeichneten 1934 einen die Souveränität garantierenden Vertrag. Im weiteren Verlauf bauten sie ihre vertraglichen Beziehungen zu den Stämmen in der Umgebung aus und machten schließlich 1937 Aden zum Protektorat und zur Kronkolonie. Der Nordjemen war eines der Gründungsmitglieder der Arabischen Liga, die 1945 entstand. Der Beitritt zu den Vereinten Nationen erfolgte 1947. Im folgenden Jahr wurde der regierende Imam Yahya ibn Muhammad bei einer Palastrevolte getötet. Der Nachfolger, sein Sohn Ahmad, löste durch den Anspruch auf Aden in den fünfziger Jahren Spannungen mit den Briten aus. 1958 bildeten sechs der südjemenitischen Herrscher die von den Briten unterstützte Südarabische Föderation, der bereits 1965 alle 17 Staaten der Region beigetreten waren. 1961 starb der regierende Imam. Sein Sohn Muhammad al-Badr wurde nach nur einwöchiger Regierungszeit von der Armee gestürzt, die daraufhin die Arabische Republik Jemen (Nordjemen) unter Führung des Oberst Sallal ausrief. Einige jemenitische Stämme hielten dem gestürzten Imam jedoch die Treue, zusätzlich wurde er von Saudi-Arabien und Jordanien in seinem Bemühen, den Thron zurückzugewinnen, unterstützt. Die Kämpfe zwischen den republikanischen Truppen und den königlichen Kräften hielten auch 1964 weiter an und führten zu Auseinandersetzungen zwischen Ägypten, das die Republikaner unterstützte, und Saudi-Arabien, das auf Seiten der Royalisten stand. Ende 1964 wurden erste Anzeichen von Unstimmigkeiten innerhalb der republikanischen Regierung der Republik sichtbar; zahlreiche Kabinettswechsel waren die Folge. 1965 trafen sich der ägyptische Präsident Gamal Abd el-Nasser und König Faisal von Saudi-Arabien zu einer Konferenz bezüglich der Beilegung des Bürgerkrieges. Sie erarbeiteten eine Übereinkunft, der zufolge sich beide Länder verpflichten sollten, den Krieg zu beenden. Zusätzlich sollten sie einen Volksentscheid ansetzen, bei dem die Bevölkerung Nordjemens ihre Regierungsform wählen sollte. Die anschließenden Friedenskonferenzen endeten ergebnislos, und bereits 1966 brachen erneut Kämpfe aus. Erst die Niederlage gegen Israel im Sechstagekrieg 1967 löste grundlegende Veränderungen in der arabischen Welt aus. Ende 1967 zogen sich die ägyptischen Truppen – trotz Widerstand seitens des Präsidenten Sallal – aus dem Jemen zurück. Kurz darauf wurde Sallal gestürzt, und Abdul Rahman al-Iryani trat seine Nachfolge an. Nach dem Abzug britischer Truppen setzten sich in der Südarabischen Föderation 1967 revolutionäre Kräfte durch. Sie wandelten das monarchische System in ein sozialistisches um, auf dessen Grundlage die Demokratische Volksrepublik Südjemen entstand. Die Marxistische Nationale Befreiungsfront wurde als einzige Partei in der Volksrepublik anerkannt. Als ihr Führer Qahtan Muhammad al-Shaabi 1969 seines Amtes enthoben wurde, folgte ihm Salem Ali Rubayi nach. 1970 erfolgte die Umbenennung des Landes in Demokratische Volksrepublik Jemen. Eine Anzahl von Firmen, die sich in ausländischer Hand befunden hatten, wurde verstaatlicht, außerdem nahm der südjemenitische Staat enge Beziehung zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) auf.

7.5

Aufstand und Konflikt

1972 stimmten beide jemenitischen Staaten einer Vereinigung zu, die jedoch aufgrund von ideologischen Gegensätzen nicht zustandekam. Vor diesem Hintergrund kam es in den folgenden Jahren oft zu Grenzkonflikten. Angeführt von Oberst Ibrahim al-Hamidi erfolgte im Juni 1974 ein Militärputsch. Die Verfassung der Arabischen Republik Jemen wurde suspendiert, die Exekutivmacht wurde dem mit Befehlsgewalt ausgestatteten Rat übertragen. Oberst al-Hamidi nahm 1975 das Präsidentenamt an und wurde im Oktober 1977 ermordet. Ihm folgte der Armeebefehlshaber Ahmed Hussein al-Ghashmi, der 1978 starb. Danach wurde Oberst Ali Abdullah Saleh zum Präsidenten gewählt. In der Demokratischen Volksrepublik Jemen wurde mittlerweile Rubayi 1978 abgesetzt. Abdel Fattah Ismail und 1980 Ali Nasser Muhammad al-Hasani waren seine Nachfolger im Amt. Die Beziehungen zwischen beiden jemenitischen Staaten blieben weiterhin angespannt und führten Anfang 1979 zu einer bewaffneten Auseinandersetzung. Am 29. März 1979 stimmten beide Länder einem Einigungsplan zu. Obwohl kein fester Terminplan vorgeschrieben war, lag gegen Ende 1981 ein Verfassungsentwurf vor. 1986 kam es erneut zu einem Bürgerkrieg im Südjemen. Er war nach zwölf Tagen beendet, und al-Hasani floh ins Exil. Im Oktober 1986 wurde dann der frühere Premierminister Haydar Bakr al-Attas zum Präsidenten gewählt. Die Vereinigung von Nord- und Südjemen zur Republik Jemen wurde am 22. Mai 1990 verwirklicht. Saleh wurde Präsident, al-Attas Premierminister der neu gegründeten Republik.

7.6

Vereinigung

Eine tatsächliche Vereinigung der beiden diktatorisch regierenden Machtapparate gelang nicht. Auch die Streitkräfte wurden nicht zusammengeschlossen, sondern jeweils nur Truppen in den anderen Landesteil verschoben. Hinzu kamen außenpolitische Spannungen: Nur wenige Monate nach ihrer Einsetzung protestierte die jemenitische Regierung gegen die Stationierung ausländischer Truppen in Saudi-Arabien wegen des 2. Golfkrieges. Aufgrund der proirakischen Haltung des Jemen wurden etwa 850 000 jemenitische Arbeitskräfte aus Saudi-Arabien in ihr Heimatland zurückgeschickt, wo die Arbeitslosigkeit enorm anstieg und die wirtschaftlichen Probleme des neuen Staates noch vergrößerte.

1991 billigte zwar ein Referendum die neue Verfassung, innenpolitische Spannungen zwangen die Regierung allerdings zur Verschiebung der Wahlen, die schließlich am 27. April 1993 stattfanden. Der Allgemeine Volkskongress, früher die regierende Partei Nordjemens, gewann 122 Parlamentssitze, die Sozialistische Partei Jemens (JSP), die frühere Regierungspartei Südjemens, erhielt 56 Sitze, eine neue Islamische Koalitionspartei al-Islah errang 62 Sitze. Präsident und Premierminister blieben auch nach der Wahl im Amt, die drei großen Parteien bildeten eine Koalition.

Im April 1994 waren die Verhandlungen über die Machtverteilung zwischen Präsident Saleh und Vizepräsident Ali Salem al-Baidh, dem Vorsitzenden der früheren Einheitspartei Südjemens, endgültig gescheitert. In der Folge brachen Kämpfe zwischen den Streitkräften des Nordens und denen des Südens aus, und im Mai erklärte al-Baidh die Abspaltung des Südjemen vom Norden und rief eine neue Regierung für den Süden aus. Truppen aus dem Norden eroberten im Juli Aden und beendeten damit den Bürgerkrieg. Die Machthaber im Süden flohen in den Oman und nach Saudi-Arabien. Nach seiner Wiederwahl im Oktober 1994 durch ein Wahlmännerkollegium ernannte Präsident Saleh einen Ministerrat und bildete eine Koalitionsregierung.

Im Dezember 1995 kam es mit Eritrea zu einem bewaffneten Konflikt um die Inselgruppe Hanish im Roten Meer, deren völkerrechtlicher Status ungeklärt war. Beide Seiten einigten sich im März 1996 auf eine Beilegung der Auseinandersetzungen; der Internationale Gerichtshof erklärte die Inselgruppe zu jemenitischem Staatsgebiet. Im Juni 2000 einigten sich Jemen und Saudi-Arabien über den Grenzverlauf zwischen beiden Ländern.

Bei den Parlamentswahlen vom 27. April 1997 wurde der Allgemeine Volkskongress erneut stärkste Kraft vor der islamistischen Partei al-Islah. Im September 1999 wurde Ali Abdullah Saleh mit mehr als 96 Prozent der Stimmen für eine weitere Amtszeit zum Staatspräsidenten gewählt. Im Februar 2001 wurde per Referendum eine Verfassungsänderung angenommen, die die Amtszeit des Präsidenten auf sieben Jahre verlängerte und eine einmalige Wiederwahl möglich machte, so dass Saleh statt bis 2004 nach der bisher gültigen Verfassung potentiell bis 2013 an der Macht bleiben konnte. Im Mai 2001 beschloss die jemenitische Regierung die Verstaatlichung der circa 1 400 religiösen Privatschulen der Partei al-Islah. Damit verlor die größte Oppositionspartei im Land ihr wichtigstes Instrument der gesellschaftlichen und politischen Einflussnahme. Bei den Parlamentswahlen vom 27. April 2003 konnte der Allgemeine Volkskongress seine absolute Mehrheit zu einer Zweidrittelmehrheit ausbauen, die einzige größere oppositionelle Kraft blieb al-Islah. Die Präsidentschaftswahlen im September 2006 gewann erneut Saleh; jedoch votierten nur etwa 77 Prozent der Wähler für ihn, während gut 21 Prozent für seinen Herausforderer Feisal bin Schamlaan, der von einer islamistisch-sozialistischen, vorwiegend im Süden verankerten Koalition unterstützt wurde.

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