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Mittelalter

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Die Krönung Karls des GroßenDie Krönung Karls des Großen
Artikelgliederung
4.2

Religion

Das Mittelalter war insbesondere durch die europaweit gemeinsame Religion des Christentums geprägt. Das Frühmittelalter ist die Zeit, in welcher der christliche Glaube allmählich und unter manchen Wandlungen und Anpassungen an veränderte Bedürfnisse zur „Staatsreligion” in allen Nachfolgereichen der Westhälfte des Römischen Reiches wurde. Der christliche Glaube war eine gelehrte Religion; über die richtige Interpretation des Gotteswortes stritten Philosophen und Theologen schon in Zeiten der Christenverfolgung derart, dass sie sich gegenseitig exkommunizierten. Eine solche Religion konnte von den an Naturgottheiten und Dämonen gewöhnten Germanen nicht verstanden werden, weil ihnen der philosophische Hintergrund für so diffizile theologische Probleme wie die Dreifaltigkeit und die zwei Naturen Jesu fehlte. Der Glaube musste dem Bildungsstand und den Bedürfnissen der Germanen angepasst werden, die für alle möglichen Notfälle einen Gott hatten, dem sie opferten. Die Götter wurden ersetzt durch die Heiligen, also von Gott begnadeten Nothelfern, die sich in dieser Funktion bis in die Gegenwart erhalten haben. Ebenso haben sich diverse heidnische Festriten gehalten. Für Jahrhunderte wurden Klöster Bewahrer antiken Schriftgutes und Kulturträger. In ihnen wurde die geistige und geistliche Elite ausgebildet, die schon frühzeitig Einfluss auf den König und den weltlichen Adel gewann. In den verschiedensten Bereichen, sei es nun Medizin, Ackerbau, Technik oder Schulwesen, wurden sie zu Vorreitern des Fortschritts.

4.3

Königtum und Kirche

Der Glaube und die Kirche, die sich allein berechtigt sah, diesen zu interpretieren, prägten nicht nur den Alltag, sondern auch das politische Geschehen. Eine für die gesamte Entwicklung der europäischen Geschichte bedeutsame Entscheidung traf König Chlodwig, der Gründer des fränkischen Großreiches, als er im Gegensatz zu den arianischen Herrschern der Langobarden und der Ost- und Westgoten den katholischen Glauben annahm. Dadurch knüpfte er die Verbindung zur noch immer vom byzantinischen Kaiser dominierten römischen Kirche. Das Papsttum, das in der Zeit der Machtlosigkeit des byzantinischen Kaisers in Italien bereits zu einer der führenden politischen Mächte aufgestiegen war, beanspruchte, da von Petrus gegründet, gegenüber allen anderen Kirchen den Vorrang. Es emanzipierte sich endgültig vom byzantinischen Kaiser, als Papst Zacharias 751 die Errichtung der karolingischen Monarchie durch Pippin III. legitimierte, dem sein Nachfolger zudem den Schutz der römischen Kirche übertrug. Dies war ebenfalls eine Weichenstellung von größter Bedeutung, die unmittelbar zur Kaiserkrönung Karls des Großen (800) führen sollte. Diese aber besiegelte letztlich die politische und geistige Trennung des lateinisch geprägten Abendlandes vom griechischen Osten. Hatten die zumeist dem hohen Adel angehörenden Bischöfe als Stadtherren und Berater schon zuvor eine wichtige politische Rolle gespielt, so entwickelten sie sich seit dem Bündnis zwischen Papsttum und fränkischem Königtum zur „staatstragenden” Macht im Fränkischen Reich und seinen Nachfolgestaaten.

4.4

Sozialstruktur

Die frühmittelalterliche Sozialstruktur ist geprägt von einer arbeitsteilig noch wenig differenzierten Agrargesellschaft, die weitgehend von der Naturalwirtschaft lebte. Dies führte zu Herrschaftsformen, die sich grundsätzlich von denen des antiken Römischen Reiches unterschieden. Die Herrschaft war in Personenverbänden organisiert, weshalb die Mediävistik die auf solchen Verbänden beruhenden Staatswesen als Personenverbandsstaat charakterisiert. Der kleinste Personenverband war die Familie, wobei es sich allerdings nicht um die aus Eltern und Kindern bestehende handelte, sondern um einen Grundherrn (siehe Grundherrschaft) und all diejenigen, die unter seiner Verfügungs- und Herrschaftsgewalt (Munt) standen; das waren neben Ehefrau und Kindern noch die ihm gehörenden Unfreien, die im Herrenhaus, in grundherrlichen Werkstätten oder auf den unmittelbar dazu gehörenden Feldern dienten, sowie diejenigen (vielfach Halbfreie), die in eigener Regie einen dem Grundherrn gehörigen Bauernhof bewirtschafteten und dafür Abgaben und Frondienste leisteten. Zur Hausgenossenschaft (lateinisch familia) gehörten auch die „Grundholden” entfernter Güter. Grundherrschaften des Königs, mächtiger Adeliger oder kirchlicher Institute erstreckten sich bisweilen sogar über die Reichsgrenzen hinaus. Öffentliche Gewalt und private Rechtsbefugnis wurden begrifflich nicht unterschieden, der Grundherr war auch Gerichtsherr für seine Grundholden.

Neben der Grundherrschaft entwickelte sich das Lehnswesen, bei dem der König, Adelige oder kirchliche Institute ein oder mehrere Lehen an einen lehensfähigen Freien verliehen, der dadurch zu ihrem Vasall mit bestimmten Verpflichtungen wurde, aber dennoch frei blieb. Lehnsherr und Vasall waren sich zu gegenseitiger Treue verpflichtet und bildeten ebenfalls einen Personenverband. Es entwickelte sich die so genannte Lehnspyramide, an deren Spitze der König stand, dessen Stellung zunächst durch die germanische Vorstellung vom Königsheil und seit Pippin III. durch das Ritual der christlichen Königssalbung eine charismatische Aufwertung erfuhr. Dem König waren nur seine unmittelbaren Lehnsleute, die Kronvasallen, zur Treue verpflichtet, die wiederum treuepflichtige Vasallen hatten etc., was eine indirekte Königsherrschaft zur Folge hatte. Diese sollte sich das ganze Mittelalter über als problembeladen erweisen. In der Zeit der Teilung des Karolingerreiches unter die zerstrittenen Erben Kaiser Ludwigs des Frommen (814-840) wurden die ursprünglich nur auf Lebenszeit ausgegebenen Lehen der Kronvasallen erblich, weil einige dieser Kronvasallen Lehnsmann mehrerer Könige waren und für ihre Loyalität Zugeständnisse verlangten. Auf dieser Basis entwickelte sich der Feudalstaat, der für das Mittelalter derart kennzeichnend war, dass marxistische Historiker des 19. Jahrhunderts den Begriff „Mittelalter” durch „Feudalzeitalter” ersetzen wollten, das weit in die Neuzeit hineinreicht.

5

Hochmittelalter

Die Diskussion um die Abgrenzung zwischen Früh- und Hochmittelalter ist einerseits geprägt vom unterschiedlichen Verlauf der geschichtlichen Entwicklung in den einzelnen Ländern Europas, andererseits von den Kriterien, die die einzelnen Mediävisten zur Beurteilung heranziehen. In Deutschland war es lange üblich, das Hochmittelalter mit der Verfestigung der Nachfolgereiche des Karolingerreiches in ein ostfränkisch-deutsches und ein westfränkisch-französisches Reich im Lauf des 10. Jahrhunderts beginnen und mit dem Zusammenbruch der Stauferherrschaft 1250 enden zu lassen. Inzwischen orientiert man sich weniger an der dynastischen Geschichte der Kaiserzeit, sondern hat den Blickwinkel vor allem auf sozial-, wirtschafts- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte fokussiert und festgestellt, dass etwa um die Mitte des 11. Jahrhunderts im gesamten Abendland ein tief greifender Wandlungsprozess einsetzte, der nahezu alle Lebensbereiche erfasste. Ausgelöst wurde dieser „Aufbruch” der mittelalterlichen Gesellschaft zu neuen Lebens- und Bewusstseinsformen durch ein stetiges Bevölkerungswachstum, das bis zur Großen Pest (1347-1352) anhielt.

5.1

Wirtschaftlicher Aufschwung und sozialer Wandel

Dieses Bevölkerungswachstum führte zur Gründung zahlreicher Märkte und Städte, deren Bewohner entsprechend versorgt werden mussten. Um den gestiegenen Nahrungsbedarf zu decken, vergrößerte man einerseits die Anbauflächen durch Rodung, Trockenlegung von Sümpfen und Verlagerung der Tierzucht in die Bergregionen, andererseits verbesserte man die Anbaumethoden durch Dreifelderwirtschaft, Düngung oder neue Pflugtechniken. Den Bedarf an Kleidung, Werkzeug etc., die zuvor in den Grundherrschaften selbst hergestellt worden waren, deckten jetzt spezialisierte städtische Handwerker oder Händler, die Waren aus der Ferne feilboten. Es bildete sich allmählich der grundsätzliche Gegensatz zwischen der Stadt als dem Ort für die Warenproduktion und dem Land als Ort der Nahrungsmittelproduktion heraus.

Der Aufschwung der Städte und der Geldwirtschaft veränderte die Gesellschaft und deren Mentalität grundlegend, was zu weiterem technischem Fortschritt, dem Ausbau des Straßennetzes, dem Bau von Brücken, der zunehmenden Nutzung der Wasserkraft, weiterer Spezialisierung in Handwerk und Landwirtschaft und vielem mehr führte. Das städtische Bürgertum gewann dank seiner Wirtschaftsmacht deutlich an politischem Einfluss, und die Situation der unfreien Landbevölkerung verbesserte sich zusehends. Im Zuge des Landausbaus und der deutschen Ostsiedlung konnten Hörige ihre rechtliche Stellung gegenüber ihrem Grundherrn verbessern, was seinen Niederschlag in diversen Hofrechten fand. Ein Teil der Landbevölkerung wanderte in den Osten und die sich rasch vermehrenden Städte ab oder schaffte sogar den sozialen Aufstieg in den Ritterstand und damit in den niederen Adel (Ministerialenadel).

Der Ritterstand, dem vom König bis zum Ministerialen alle Adeligen angehörten, wurde europaweit zum Träger eines besonderen Standesethos und einer eigenen höfischen Kultur mit bestimmten Umgangsformen und Idealen, die in höfischer Literatur und Minnesang ihren Niederschlag fanden. Es setzte der Territorialisierungsprozess ein, der aus dem Wirrwarr von Herrschaften unterschiedlichen Rechts abgeschlossene Territorien einheitlichen Rechts machte, die sich schließlich zu Landesherrschaften entwickelten.

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