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Mittelalter

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Die Krönung Karls des GroßenDie Krönung Karls des Großen
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6.2

Weiterführende Entwicklungen

Doch nicht nur Depression und Resignation, sondern auch Kreativität und beginnende Individualität prägten diese Zeit, in der manches sein Ende fand und mancher Neuanfang gemacht wurde. Vor allem war das Spätmittelalter die Zeit des Aufblühens der Stadtkultur, die frühkapitalistischen Wirtschaftsformen (neue Zahlungs- und Kreditformen, Banken- und Versicherungswesen, Börsen) zum Durchbruch verhalf. So wuchs die politische Bedeutung des Bürgertums und der Städte, während das Rittertum zwar von der Idee her noch hochgehalten wurde, aber militärisch von den Landsknechten überflügelt wurde. Die meisten Bürgerschaften erlangten im 13. und 14. Jahrhundert weitgehende Freiheiten gegenüber ihren Stadtherren und organisierten sich autonom.

Im Bildungsbereich gelang die Lösung von der allzu festen Bindung an das traditionelle Wissen, und die neu gegründeten Universitäten wurden zu Hochburgen des geistigen Fortschritts. Ausgehend von Italien wurden allmählich neben dem Klerus die Bürger zu Bildungsträgern. Bürgerliche Gelehrte wie Francesco Petrarca oder Coluccio Salutati wurden zu Vätern des Humanismus. Zahlreiche Stadtregierungen richteten weltliche Lateinschulen ein, um Unabhängigkeit von der allzu festen Umklammerung durch die Kirche zu erlangen und die Bildung nach den eigenen weltlichen Bedürfnissen ausrichten zu können. Das Alltagsleben und die hohe Politik wurden mehr und mehr verrechtlicht, um Missstände abzustellen. So regelte Kaiser Karl IV. in der Goldenen Bulle 1356 endlich die Königswahl für das Heilige Römische Reich derart, dass eine einhellige Wahl des Königs durch die sieben Kurfürsten gesichert war, nachdem es 1198, 1257 und 1314 zu Doppelwahlen mit verheerenden Folgen gekommen war. Dieses Gesetz blieb bis 1806 gültig.

7

Grenze zur Neuzeit

Angesichts dieser facettenreichen Entwicklung im Spätmittelalter erübrigt es sich, Epochendaten zum Beginn der Neuzeit zu diskutieren, denn überdeutlich erkennt man, wie die Zeiten ohne Zäsur ineinander übergehen. Die Reformation war nicht nur eine Folge der Dekadenz in Papsttum und „Amtskirche”, sondern eines veränderten Selbstbewusstseins der Laien, das sich bereits bei den Häretikern des 12. Jahrhunderts findet und im 15. Jahrhundert die Hussiten in den Krieg ziehen ließ. Die Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1450 – ebenfalls oft als Epochengrenze herangezogen – war durch verschiedene Druckverfahren schon vorbereitet, und die Entdeckung Amerikas – ein weiterer gängiger Markstein für die Abgrenzung zwischen Mittelalter und Neuzeit – war eine Folge der längst erwachten Entdeckungslust, die einen Marco Polo schon im 13. Jahrhundert (vermutlich) bis nach China geführt hatte.

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