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HexeEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Europäische Hexenvorstellungen; Bräuche; Geschichte; Hexerei in außereuropäischen Kulturen; Hexenglaube in westlichen Industriegesellschaften
Ägyptische Aufzeichnungen berichten von Zauberern und Wahrsagern, die ihre Fähigkeiten von fremden Göttern erhielten. Die ägyptische Darstellung der Begegnung von Moses und dem Pharao zeigt Moses als Hexer und seine Anhänger als Diener eines fremden und abscheulichen Gottes. Demnach sind sie Hexer. In der biblischen Darstellung derselben Episode erscheinen die ägyptischen Experten, die mit Moses wetteifern, als böse Zauberer. Die biblische Anordnung „Die Zauberinnen sollst du nicht am Leben lassen” (2. Mose 22, 17) lieferte eine der wichtigsten Rechtfertigungen für die Hexenverfolgungen in späterer Zeit. Ein noch früheres Verbot der Hexerei enthält der Kodex Hammurapi. Auch in den antiken Kulturen Griechenlands und Roms spielten Hexen und Magier eine bedeutende Rolle. Thessalien in Griechenland galt als Zentrum der Hexenkunst. Die erste systematische Hexenverfolgung ist aus dem Jahr 367 n. Chr. überliefert und erfolgte auf Anordnung des römischen Kaisers Valerian. In ihrer Anfangszeit war die christliche Kirche tolerant gegenüber den religiösen Vorstellungen des einfachen Volkes. Personen, denen die Ausübung magischer Praktiken nachgewiesen wurde, mussten lediglich Buße tun. Geistliche, die sich bemühten, die Macht der Kirche zu festigen, versuchten zunächst Konflikte mit den zahlreichen Gläubigen der alten Religionen zu vermeiden, um allmählich mehr Einfluss gewinnen zu können. Deshalb tolerierten sie traditionelle religiöse Praktiken und nahmen, zuverlässigen Aufzeichnungen zufolge, häufig selbst daran teil.
Als die Kirche unter der Bevölkerung Fuß gefasst hatte, begann sie, offen gegen die traditionellen Religionen und deren Anhänger vorzugehen. Sozialrevolutionär religiöse Bewegungen des Hochmittelalters und der frühen Neuzeit wie die Wiedertäufer wurden ebenfalls von Kirche und weltlicher Macht als Hexenkulte und Häresien verfolgt. Da der Säkularismus den kirchlichen Einfluss zu untergraben drohte, definierten kirchliche Autoritäten ihn als Häresie, stellten Häresie der Hexerei gleich und versuchten, alle drei Richtungen zu bekämpfen. Um 1350 kam es zur endgültigen Vermengung dieser Richtungen. Der Übergang zum christlichen Hexenbegriff zeichnet sich ab. In den ersten Hexenprozessen der Inquisition wurde bereits festgestellt, dass die Angeklagten ihre vermeintlichen Schandtaten im Pakt mit dem Teufel ausgeübt hätten. Eine Zuspitzung auf Frauen erfolgte allerdings noch nicht. Die einflussreichste päpstliche Bulle gegen Hexerei war die Summis desiderantibus affectibus, verkündet von Papst Innozenz VIII. 1484. Zur Ausführung dieser Bulle ernannte er regionale Inquisitoren. In Deutschland waren dies Jakob Sprenger und Heinrich Institoris (Heinrich Krämer), die den berüchtigten Hexenhammer verfassten, der von seinem Erscheinungsjahr 1487 bis 1609 in 29 Auflagen erschien. Dieses Werk ist bereits vom für die europäische Hexenverfolgung typischen Hass auf Frauen geprägt, die darin u. a. als „unvollkommene Tiere” bezeichnet werden. Es enthält auch einen Kriminalkodex, der geistlichen und weltlichen Richtern genaue Anweisungen darüber gibt, wie sie einen Hexenprozess zu führen haben. Der Hexenwahn in Europa wird auf die Zeit von etwa 1350 bis zum Ende des 17. Jahrhunderts datiert. Mit unmenschlichen Foltern wurden Geständnisse erzwungen. Eine Klasse von professionellen Hexensuchern bildete sich, die Anschuldigungen sammelten und dann die Hexenprobe einsetzten, um Beweise für Hexerei zu finden. Jede Überführung wurde vergütet. Die gebräuchlichste Probe war das Stechen. Alle Hexen trugen angeblich irgendwo am Körper ein schmerzunempfindliches Mal, das ihnen der Teufel aufgedrückt hatte. Der Beweis für Hexerei war erbracht, wenn ein solches Mal gefunden wurde. Als weitere Beweise galten u. a. zusätzliche Brustwarzen, die angeblich zum Säugen von Hausgeistern dienten, die Unfähigkeit zu weinen und die Wasserprobe. Eine Frau wurde dabei als unschuldig betrachtet, wenn sie sank, nachdem man sie in ein Gewässer geworfen hatte. Hielt sie sich aber über Wasser, war ihre Schuld bewiesen. Ihren Höhepunkt erreichten die Hexenprozesse zwischen 1590 und 1630. Bekannteste Opfer sind Jeanne d’Arc (die Jungfrau von Orléans) und Agnes Bernauer. Anna Göldi, die so genannte „letzte Hexe Europas” wurde 1782 im schweizerischen Glarus hingerichtet.
In einigen nichtwestlichen Gesellschaften haben Hexen oder Hexer, auch Schamanen oder Schamaninnen genannt, eine gesicherte und unangefochtene Stellung in der Gemeinschaft inne, so etwa bei den meisten Ethnien des zirkumpolaren Raumes. Es wird angenommen, dass sie ihre Macht von Geistern erhalten, die von der Gemeinschaft verehrt oder zumindest gefürchtet werden. Personen, die Zugang zu der Geisterwelt haben sollen, werden mit Ehrfurcht oder Furcht angesehen. Der Voodoo auf Haïti und in anderen lateinamerikanischen Ländern kann als eine Form der Hexerei betrachtet werden. In Afrika ist Hexerei ein weit verbreitetes Phänomen. In der Republik Südafrika ist seit Mitte der neunziger Jahre ein regelrechter Hexenwahn entstanden, der dazu geführt hat, dass bereits mehrere Hundert Menschen als Hexer und Hexen verbrannt wurden. In den ländlichen Regionen im Osten Indiens werden seit Jahrhunderten Dians genannte Frauen verfolgt, die aufgrund ihrer übersinnlichen Fähigkeiten für Krankheiten, Tod oder Streitigkeiten verantwortlich gemacht werden. Bei diesen Hexenverfolgungen werden meist auch die nächsten Verwandten der vermeintlichen Hexen ermordet. Seit Mitte der neunziger Jahre haben diese Verfolgungen noch einmal zugenommen, da so genannte Hexen-Doktoren nun verstärkt den allgemeinen Hexenwahn schüren. Aufgrund der schlechten medizinischen Versorgung in der Region, also mangels Alternativen, wendet sich die Bevölkerung an diese Heiler, die bei einem Versagen ihrer Heilkünste die Dians für ihre Fehler verantwortlich machen.
In den Vereinigten Staaten hält sich der Glaube an Hexerei besonders in den Südstaaten in relativ isoliert lebenden Gruppen. Bis vor kurzem waren Hexen in einigen Teilen Pennsylvanias, wo noch im 17. Jahrhundert Hexenverfolgungen stattgefunden haben, überaus gefürchtet. In Europa haben besonders die Forschungen der Ethnologin Jeanne Favret-Saada Ende der siebziger Jahre in Westfrankreich neue Erkenntnisse über zeitgenössische Hexenvorstellungen erbracht. Eine Vielzahl neuerer volkskundlicher Monographien aus ländlichen Regionen in ganz Europa zeigt, dass Hexenvorstellungen auch in modernen Gesellschaften weiterleben. In den vergangenen Jahren hat in den modernen Gesellschaften allgemein das Interesse am Okkultismus zugenommen. Das Auftauchen moderner Formen der Hexerei, oft als Wiccakult (abgeleitet von dem altenglischen Wort wicce mit der Bedeutung Hexe) bezeichnet, wird in der Regel einem wachsenden Interesse an alternativen Religionen zugeschrieben.
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