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FinnlandEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Die Christianisierung Finnlands wurde sowohl vom katholischen Schweden wie auch von der orthodoxen Ostkirche betrieben. Einen ersten groß angelegten Kreuzzug zur Bekehrung der heidnischen Finnen unternahm um 1155 auf Betreiben des Papstes Hadrian IV. König Erich IX. von Schweden. Erich besiegte die Finnen, konnte jedoch noch keine dauerhafte Herrschaft errichten. Die von ihm gegründete Stadt Turku wurde in der Folgezeit Ausgangspunkt der planmäßigen Missionierung des Landes. 1216 bestätigte der Papst den schwedischen Anspruch auf die bereits eroberten Teile Finnlands und den Missionsauftrag für den Osten und Norden des Landes. 1249 hatte der schwedische Regent Birger Jarl durch einen weiteren Kreuzzug die Eroberung Süd- und Zentralfinnlands abgeschlossen und Tavastland (das heutige Häme) für schwedisch erklärt. Die schwedische Herrschaft wurde abgesichert durch die Anlage von Festungen sowie durch eine umfangreiche schwedische Kolonisation. 1284 wurde Finnland Schweden als im Prinzip autonomes Herzogtum angegliedert. Unterdessen missionierten griechisch-orthodoxe Mönche von Nowgorod aus in Karelien. 1293 wandte sich Schweden in einem Feldzug nach Karelien gegen diese orthodoxe Mission; die Auseinandersetzung mit Nowgorod um Karelien endete erst 1323 mit dem Frieden von Nöteborg (heute Petrokrepost), in dem Schweden einen Teil von Karelien an Nowgorod abtreten musste und der erstmals die finnische Ostgrenze festlegte. 1362 wurden den Finnen weitgehend dieselben Rechte innerhalb des schwedischen Reiches gewährt wie den Schweden. In der von Königin Margarete I. 1397 errichteten Kalmarer Union geriet Finnland nicht nur in die dynastischen Machtkämpfe der skandinavischen Länder, sondern auch in den Krieg des Großfürstentums Moskau gegen die Union.
Nach dem Auseinanderbrechen der Kalmarer Union 1523 leitete König Gustav I. Wasa von Schweden eine tief greifende Reform der Wirtschaft und Verwaltung in Schweden und Finnland ein. 1527 brach er mit Rom und führte in seinen Ländern die Reformation ein. In Finnland wurde die Einführung der Reformation maßgeblich von Mikael Agricola betrieben; er erstellte außerdem die erste finnische Bibelübersetzung und wirkte damit auch auf die Ausbildung der finnischen Schriftsprache. In den Jahren 1570 bis 1595 war Finnland mehrfach Schauplatz von Kriegen zwischen Schweden und Russland. 1581 wurde Finnland zum Großfürstentum erhoben; tatsächlich hatte Finnland allerdings den Status einer schwedischen Provinz. 1617 musste Russland nach langwierigen Kriegen gegen Schweden unter Karl IX. und dessen Nachfolger Gustav II. Adolf Ingermanland und Teile Kareliens an Finnland abtreten. In der Folgezeit erlebte Finnland einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung; z. B. wurde 1640 die Universität Turku gegründet. Während des Großen Nordischen Krieges (1700-1721) zwischen u. a. Russland und Schweden hielt Russland von 1713 bis 1721 Finnland besetzt. Im Frieden von Nystad (1721) verlor Finnland seinen Teil von Karelien mit Wyborg an Russland. Nach einem weiteren Schwedisch-Russischen Krieg (1741-1743) musste Finnland erneut Territorium im Südosten an Russland abtreten. Das eigentliche Ziel, Finnland ganz unter seine Oberherrschaft zu bringen, erreichte Russland vorerst jedoch noch nicht. Auch eine neuerliche schwedisch-russische Auseinandersetzung in den Jahren 1788 bis 1790 änderte zunächst nichts am Status quo. Allerdings entstanden im Rahmen dieser Auseinandersetzungen um Finnland erste, zunächst lediglich von Offiziers- und Adelskreisen getragene nationale Bewegungen, die sich für die Unabhängigkeit Finnlands von Schweden und einen selbständigen finnischen Staat einsetzten.
1807 verständigten sich Napoleon und Zar Alexander I. im Frieden von Tilsit bei ihrer Neuordnung Mitteleuropas u. a. auf die Zugehörigkeit Finnlands zu russischen Interessensphäre. 1808 besetzten russische Truppen Finnland, und 1809 verzichtete Schweden im Frieden von Fredrikshamn formell auf Finnland. Finnland war nun autonomes Großfürstentum innerhalb des Russischen Reiches; die Grundgesetze, die Schweden 1772 und 1789 zugunsten Finnlands erlassen hatte, wurden von Alexander I. bestätigt. Zugleich wurden diejenigen Gebiete Kareliens, die vor 1809 an Russland abgetreten worden waren, wieder mit Finnland vereint. Verwaltet wurde das Großfürstentum von einem russischen Generalgouverneur; die Regierungsgeschäfte lagen in den Händen eines finnischen Staatssekretärs, der von der russischen Hauptstadt Sankt Petersburg aus agierte. 1812 löste Helsinki Turku als Hauptstadt von Finnland ab. In Reaktion auf die neuerliche Fremdherrschaft erstarkten seit den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts die nationalfinnischen Bewegungen. Vorrangige Ziele dieser Bewegungen waren die Einführung des Finnischen als Amts- und Schulsprache sowie die Errichtung eines finnischen Nationalstaates. Wobei die eine Partei, die so genannten Svekomanen, für die Einbeziehung des großen schwedischen Bevölkerungsteiles in einen zu errichtenden unabhängigen Staat plädierte, während die andere, die Fennomanen, ein rein finnisches Staatswesen anstrebte. Die russische Seite trug bis Mitte des 19. Jahrhunderts den finnischen Nationalbewegungen keinerlei Rechnung; die restaurative Politik Zar Nikolaus’ I. führte im Gegenteil zu einem politischen Stillstand in Finnland. Erst Alexander II. leitete eine Reihe von liberalen Reformen ein, die dem zunehmenden finnischen Nationalbewusstsein entgegenkamen: 1863 stellte er per Dekret mit Wirkung von 1883 die finnische Sprache der schwedischen gleich und anerkannte damit die Tatsache, dass die bisher schwedischsprachige kulturelle Oberschicht unterdessen von einer finnischsprachigen abgelöst worden war. 1865 erhielt Finnland eine eigene Münze, und 1869 trat der finnische Landtag erstmals seit 1809 wieder zusammen. 1878 erhielt Finnland mit der Einführung der Wehrpflicht eine eigene Armee. Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts erfasste die antiliberale Russifizierungspolitik Alexanders III. auch Finnland. Sie äußerte sich in der Zurückdrängung der finnischen Sprache aus dem öffentlichen Leben und der sukzessiven Einschränkung der Autonomie. 1899 hob Nikolaus II. in seinem Februarmanifest die Autonomie vollends auf. Angesichts des finnischen Widerstands gegen diese Verfügung und vor allem vor dem Hintergrund der Revolution von 1905, die auch auf Finnland überzugreifen drohte, sah sich Nikolaus II. jedoch 1905 gezwungen, die finnische Autonomie wiederherzustellen. 1906 wurde zudem der bisherige Vier-Stände-Landtag in ein Einkammerparlament umgewandelt, dessen Mitglieder in allgemeinem und gleichem Wahlrecht von Männern und Frauen gewählt wurden. Einer wenig später einsetzenden weiteren Russifizierungswelle begegneten die Finnen erneut mit Widerstand.
1916, während des 1. Weltkrieges, gewannen die Sozialdemokraten die absolute Mehrheit im finnischen Landtag. Nach der Februarrevolution 1917 in Russland übernahm der Landtag die Regierung und erklärte am 17. Juli Finnland für unabhängig. Zwei Wochen später wurde der Landtag von der russischen Regierung unter Kerenskij aufgelöst. Nach der Oktoberrevolution proklamierte der neu konstituierte Landtag am 6. Dezember 1917 erneut die Souveränität Finnlands; am 31. Dezember 1917 anerkannte die bolschewistische Regierung in Sowjetrussland unter Wladimir I. Lenin entsprechend ihrem Beschluss vom 15. November, der allen Nationen innerhalb des ehemaligen Zarenreiches das Recht auf nationale Selbstbestimmung zugestand, die Unabhängigkeit Finnlands. Bereits im Januar 1918 brach in Finnland ein blutiger Bürgerkrieg aus, zwischen der bürgerlichen Regierung, den „Weißen”, und der bolschewistischen Gegenregierung, den „Roten”. Die Weißen unter dem Oberbefehl von General Carl Gustaf von Mannerheim konnten sich nach Abschluss des Sonderfriedens zwischen Finnland und dem Deutschen Reich am 7. März 1918 auf deutsche Truppen stützen; die Roten wurden von den nach der Anerkennung der Unabhängigkeit im Lande verbliebenen russischen Truppen sowie aus Sowjetrussland unterstützt. Am Ende setzten sich die Weißen durch; am 12. Dezember 1918 wählten sie ihren Befehlshaber von Mannerheim zum Reichsverweser. Am 17. Juli 1919 trat die neue, republikanische Verfassung in Kraft, und am 25. Juli 1919 wurde der Liberale Kaarlo J. Ståhlberg zum ersten Staatspräsidenten von Finnland gewählt. Am 14. Oktober 1920 schlossen Finnland und Sowjetrussland den Frieden von Dorpat. In ihm erkannte Sowjetrussland nochmals formell die Unabhängigkeit Finnlands an, gestand Finnland einen Zugang zur Barentssee mit dem eisfreien Hafen Petschenga zu; Finnland auf der anderen Seite verzichtete auf Ostkarelien. Im Dezember 1920 trat Finnland dem neu gegründeten Völkerbund bei, und 1921 erhielt Finnland vom Völkerbund die Ålandinseln zugesprochen, obwohl sich die Bevölkerung mehrheitlich für einen Anschluss an Schweden ausgesprochen hatte. Die finnische Innenpolitik der Zwischenkriegszeit war geprägt von den Gegensätzen zwischen Bürgerlichen und Sozialisten und zwischen schwedischer und finnischer Bevölkerung, die sich sowohl in rasch wechselnden Kabinetten wie auch in Aufstands- und Putschversuchen von links und von rechts niederschlugen. Führende politische Kraft war zunächst die national-konservative Bauernpartei, ab etwa 1933 die Sozialdemokratische Partei. In der Außenpolitik orientierte sich Finnland nach Skandinavien; mit der Sowjetunion schloss Finnland 1932 einen Nichtangriffspakt.
Trotz des Nichtangriffspaktes löste die Sowjetunion am 30. November 1939, in der Anfangsphase des 2. Weltkrieges, den Finnisch-Sowjetischen Winterkrieg aus. Vorausgegangen war die ultimative Forderung der Sowjetunion an Finnland, strategisch wichtige Gebiete nördlich von Leningrad im Austausch gegen karelisches Territorium an die UdSSR abzutreten. Finnland war der Forderung nicht nachgekommen. Nach überraschenden Anfangserfolgen der Finnen unter General von Mannerheim gegen die sowjetische Übermacht gewannen die sowjetischen Truppen mit gewaltigem Materialeinsatz rasch die Oberhand; im Frieden von Moskau vom 12. März 1940 musste Finnland u. a. die Karelische Landenge (das Land zwischen dem Finnischen Meerbusen und dem Ladogasee) mit Wyborg sowie das Nordufer des Ladogasees an die Sowjetunion abtreten und Hanko am nördlichen Ausgang des Finnischen Meerbusens als Militärstützpunkt an die Sowjetunion verpachten. Im Herbst 1940 landeten deutsche Truppen in Finnland. Ab Juni 1941 beteiligte sich Finnland am deutschen Angriffskrieg gegen die Sowjetunion, jedoch nur so lange, bis es die 1940 an die Sowjetunion verlorenen Gebiete wieder besetzt hatte; in der Folge verharrte Finnland in der Defensive. Im Zuge des Zusammenbruchs der deutschen Ostfront erlitt auch Finnland im Juni 1944 eine schwere Niederlage gegen die Sowjetunion; am 19. September 1944 schloss Finnland einen Waffenstillstand mit der UdSSR, der endgültige Friedensschluss erfolgte am 10. Februar 1947 in Paris. Finnland musste erneut auf die schon 1940 an die Sowjetunion abgetretenen Gebiete verzichten, außerdem auf seinen Zugang zur Barentssee, und anstelle von Hanko musste es Porkkala, ebenfalls im Finnischen Meerbusen, für 50 Jahre an die Sowjetunion verpachten. Die Reparationszahlungen wurden auf 300 Millionen US-Dollar festgesetzt.
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