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Depression (Medizin)

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Artikelgliederung
1

Einleitung

Depression (Medizin) (lateinisch deprimere: niederdrücken), psychische Störung, die durch Gefühle der Wertlosigkeit, Traurigkeit, Hilf- und Hoffnungslosigkeit und durch Schuldgefühle gekennzeichnet ist. Etwa 7 Prozent der Deutschen zwischen 18 und 65 Jahren leiden an einer behandlungsbedürftigen depressiven Erkrankung.

Man unterscheidet in der Psychiatrie zwei Formen der Depression: Die reaktive Depression tritt als Folge bestimmter Ereignisse auf (z. B. nach dem Verlust eines geliebten Menschen). Sie geht in ihren Symptomen weit über die normalen Formen der Traurigkeit hinaus, klingt jedoch meist bald wieder ab. Die endogene Depression hingegen besteht in lang anhaltender und schwerer Traurigkeit ohne erkennbaren Grund. Als Ursache werden biochemische Störungen vermutet.

Beide Depressionsformen haben zahlreiche Begleitsymptome, beispielsweise Schlaf- und Essstörungen, Schuldgefühle, Rückzugstendenzen, Antriebslosigkeit bis hin zur völligen Erstarrung (Stupor). Depressive sind je nach Schwere ihrer Erkrankung latent oder akut suizidgefährdet. Die Krankheit trifft alle Altersgruppen und alle Gesellschaftsschichten, dabei Frauen häufiger.

Bereits im Altertum waren Depressionen als so genannte Melancholie bekannt, über deren Behandlung allerdings (wie bei seelischen Störungen überhaupt) Ratlosigkeit herrschte. Heute werden die Lebensumstände der modernen Industriegesellschaft mit ihren negativen Aspekten wie Vereinzelung, Wertverlust, Stress etc. für den deutlichen Anstieg depressiver Erkrankungen mitverantwortlich gemacht. Allerdings wird dieser Anstieg auch mit einer verbesserten Diagnostik bzw. einem geschärften Problembewusstsein bei Ärzten und Patienten erklärt.

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Formen

Die monopolare depressive Störung ist durch ausschließlich depressive Episoden gekennzeichnet. In der bipolaren manisch-depressiven Erkrankung wechseln sich depressive und manische Episoden ab. Diese auch als Schübe bezeichneten Phasen treten vor allem im Zusammenhang mit bestimmten Formen der Schizophrenie auf. Bei Manisch-Depressiven liegt offenbar dieselbe genetische Veranlagung vor wie bei Schizophrenen: Bei beiden Krankheiten ist die Myelinproduktion gestört.

Kennzeichnend für die so genannte Major Depression und die depressive Phase der manisch-depressiven Erkrankung ist Niedergeschlagenheit, in der die Betroffenen jedes Interesse an ihren gewohnten Aktivitäten verlieren. Zu den Symptomen gehören Schlafstörungen (Durchschlafstörungen), Appetitverlust oder Heißhunger, Konzentrationsunfähigkeit, Entscheidungsunfähigkeit, verlangsamtes Denken, Energieverlust, Gefühle der Wertlosigkeit, Schuld, Hoffnungs- und Hilflosigkeit, verringertes sexuelles Interesse sowie Suizidgedanken.

In der manischen Phase der bipolaren Erkrankung kann der Patient dagegen gehobener, überschwenglicher oder reizbarer Stimmung sein. Die Betroffenen verhalten sich bizarr und teilweise sozial nicht akzeptabel. Weitere Symptome sind übertriebene Redseligkeit, Gedankenflucht, Ablenkbarkeit, Mangel an Urteilsvermögen, Größenwahn und verringertes Schlafbedürfnis.

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Auftreten und Ursachen

Vieles deutet darauf hin, dass die Anlage zu einer depressiven Störung vererbt wird (siehe Genetik). In Familien, in denen es bereits eine depressive Erkrankung gegeben hat, ist die Wahrscheinlichkeit, eine depressive Störung zu entwickeln, größer als im Durchschnitt der Bevölkerung. Ein Gen, das Schwankungen des Dopaminspiegels besonders spüren lässt und daher leicht Gefühlsschwankungen hervorrufen kann, tritt bei manisch-depressiven Patienten drei Mal häufiger auf (Molecular Psychiatry, 2003). US-amerikanische Wissenschaftler identifizierten 19 Gene, die nach ihrer Einschätzung direkt oder indirekt mit der Entstehung von Depressionen zusammenhängen (American Journal of Medical Genetics, 2003).

Statistiken, denen zufolge mehr Frauen als Männer unter Depressionen leiden, werden zum Teil damit erklärt, dass diese Störung bei Männern häufig nicht diagnostiziert wird, weil Männer bei Problemen nicht so schnell Hilfe suchen wie Frauen. Depressive Frauen kommen mit einer um 20 Prozent erhöhten Wahrscheinlichkeit früher in die etwa zweijährige Vorphase der Menopause, in der die Menstruation bereits unregelmäßig auftritt (Archives of General Psychiatry, 2003). Depressive Menschen haben eine um durchschnittlich acht Jahre geringere Lebenserwartung (American Journal of Medical Genetics, 2003). Dies hängt nach Ansicht der Forscher nicht nur mit dem höheren Suizidrisiko Depressiver und einer verstärkten Neigung zum Missbrauch von Alkohol und Drogen zusammen, sondern basiert auch auf einer genetischen Veranlagung, die eine kürzere Lebenserwartung zur Folge hat.

Untersuchungen zufolge kann die Anlage zur Depression mit einer übermäßigen Empfänglichkeit gegenüber dem Neurotransmitter Acetylcholin im Gehirn zusammenhängen. In der Haut depressiver Patienten wurde eine stark erhöhte Anzahl von Rezeptoren für Acetylcholin gefunden. Darüber hinaus scheint das Fehlen von Glucocorticoidrezeptoren im Gehirn eine Rolle zu spielen. Bei gentechnisch veränderten Mäusen, denen diese Rezeptoren fehlten, stieg der Blutspiegel an Stresshormonen wie Hydrocortison. Es kam zu chronischem Stress und weiteren für Depressionen typischen Symptomen wie Antriebslosigkeit, Schlaf- und Gedächtnisstörungen (Proceedings of the National Academy of Sciences, 2004). Auch gibt es Anzeichen dafür, dass Depressive häufig unter einem Mangel an Folsäure (einem B-Vitamin) leiden (Archives of General Psychiatry, 2003).

Eine Depression kann auch durch einen – möglicherweise unbemerkt gebliebenen – Schlaganfall ausgelöst werden; dies betrifft besonders über 50-Jährige. Andererseits sind depressive Patienten relativ häufig von Schlaganfällen betroffen, offenbar weil Depressionen die Arteriosklerose beschleunigen. Die im höheren Lebensalter verringerte Gehirndurchblutung kann ebenfalls Ursache für Depressionen sein (Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry, 2002). Außerdem litten Farmer und Farmarbeiter, die sich mit Organophosphaten vergiftet hatten, häufig an Depressionen (Annals of Epidemiology, 2002); Organophosphate sind organische Phosphorverbindungen, die als Insektizide eingesetzt werden. Der Hippocampus, eine Gehirnregion, die für Gedächtnis und Lernen von Bedeutung ist, ist bei Depressiven oft deutlich kleiner (BioMed Central Medicine, 2004).

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Behandlung

Die Behandlung depressiver Störungen erfolgt überwiegend medikamentös, häufig begleitet von einer Psychotherapie. Störungen zweier wichtiger Transmittersysteme im Gehirn (Serotonin und Noradrenalin) werden hauptsächlich mit zwei Medikamentengruppen behandelt: trizyklischen bzw. tetrazyklischen Antidepressiva und Monoaminoxidasehemmern (MAO-Hemmer, MAOH). Bei der Behandlung mit Letzteren muss eine bestimmte Diät eingehalten werden, da die MAO-Hemmer den Abbau der in Käse, Bier, Wein, Hähnchenleber und anderen Nahrungsmitteln vorkommenden Tyraminen (von Aminosäuren abgeleiteten Derivaten des Ammoniaks) verhindern und dadurch den Blutdruck erhöhen.

Die trizyklischen Antidepressiva erfordern keine spezielle Diät, können aber das Herzgewebe schädigen. Sie hemmen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin durch die Nerven. Ein weiteres Medikament zur Behandlung depressiver Störungen ist Fluoxetin (Fluctin), es hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin im Gehirn. Fluoxetin regte im Tierversuch das Wachstum neuer Hirnzellen an, so dass sich der bei Depressiven verkleinerte Hippocampus regenerieren könnte.

Zur Vorbeugung gegen manische Schübe hält man die Medikation mit Lithiumsalzen, einem verbreiteten Mineralstoff, für am wirkungsvollsten. Allerdings muss die notwendige Dosis individuell exakt bestimmt werden. Lithium beeinflusst die Nerventätigkeit, indem es die Konzentration des Neurotransmitters Glutamat reguliert.

Zur Behandlung sehr schwer Depressiver, bei denen andere Therapieformen keinen Erfolg haben, wird in manchen Fällen unter Narkose eine Elektrokrampftherapie durchgeführt. Dazu werden Elektroden im Bereich der Stirn angelegt. Dann löst ein Stromfluss von wenigen Sekunden Dauer eine Art epileptischen Anfall aus. Nach wiederholter Anwendung kann der Patient häufig medikamentös weiterbehandelt werden; eine Nebenwirkung der Elektrokrampftherapie sind Gedächtnisstörungen. Eine neue Behandlungsmethode, die keine Gedächtnisstörungen zur Folge hat und ohne Narkose angewandt wird, ist die Transkranielle Magnetstimulation. Dabei erzeugt ein pulsierendes Magnetfeld einen schwachen Stromfluss im Gehirn, der bei manchen Fällen von Depression einen stimmungsaufhellenden Effekt hat. Bei schweren Depressionen wurde neuerdings das Narkotikum Ketamin (Cyclohexanon) injiziert, das den Glutamatstoffwechsel beeinflusst und die Stimmung der meisten Patienten innerhalb weniger Stunden deutlich aufhellte; da die längerfristige Anwendung mit einem Suchtrisiko einhergeht, ist es nicht zur Dauertherapie geeignet (Archives of General Psychiatry, 2006).

Auch Placebos können bei der Behandlung Depressiver wirksam sein; so haben die als Antidepressivum eingesetzten Wirkstoffe des Johanniskrauts offenbar einen solchen Effekt (Journal of the American Medical Association, 2002).

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