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    Böhmen (tschechisch Čechy, lateinisch und englisch Bohemia) ist eines der historischen Länder Tschechiens. Ebenfalls als Böhmen werden dessen Bewohner (überwiegend Tschechen ...

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Böhmen

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BöhmerwaldBöhmerwald
Artikelgliederung
1

Einleitung

Böhmen (tschechisch Čechy), historische Region in Mitteleuropa und früheres Königreich, im Wesentlichen identisch mit den westlichen zwei Dritteln der Tschechischen Republik. Die Fläche beträgt etwa 52 060 Quadratkilometer. Böhmen grenzt im Norden an Polen, im Osten an die Region Mähren, im Süden an Österreich und im Westen und Nordwesten an Deutschland.

2

Land, Wirtschaft und Bevölkerung

Die Region wird von Mittelgebirgen umrahmt. Dazu gehören der Böhmerwald, die Böhmisch-Mährischen Höhen sowie das Erzgebirge. Der zentrale Teil Böhmens ist in Plateaus, Hügelländer, Becken und Senken gegliedert. Fast ganz Böhmen wird von der Elbe (tschechisch Labe) mit ihren Nebenflüssen Moldau und Eger zur Nordsee hin entwässert.

Die Wirtschaft beruht im Wesentlichen auf Landwirtschaft, Industrie und Bergbau. Wichtigste Landwirtschaftsprodukte sind Roggen, Hopfen, Zuckerrüben und Weizen. Böhmen besitzt eine vielseitige und hoch entwickelte Industrie; Schwerpunkte liegen in der Produktion von Eisen und Stahl, Kraftfahrzeugen, chemischen Stoffen, Lebensmitteln, Maschinen und Textilien. Die wichtigsten Industriestandorte sind Prag (Praha), Pilsen (Plzeň) und Reichenberg (Liberec). In Böhmen befinden sich reiche Kohlevorkommen. Daneben werden Graphit, Eisenerz, Silber und Uran gefördert. Bedeutende Heilbäder wie Karlsbad, Marienbad und Franzensbad liegen im Westen Böhmens. Wirtschafts-, Verkehrs- und Kulturmittelpunkt der Region ist Prag.

Die Bevölkerung Böhmens bestand seit dem Mittelalter aus Tschechen im Landesinneren und Deutschen, die sich in den Randlandschaften ansiedelten. 1930 waren 32 Prozent der böhmischen Bevölkerung deutsch; sie wurden in der Folge des 2. Weltkrieges größtenteils vertrieben (siehe Sudetenland).

3

Geschichte

Für Böhmen lässt sich eine Besiedlung seit dem 5. Jahrtausend v. Chr. nachweisen. Ab dem 5. Jahrhundert v. Chr. ließen sich hier die keltischen Bojer nieder, von denen das Land auch seinen Namen hat (lateinisch Boiohaemum). Die Bojer wurden im 1. Jahrhundert v. Chr. von germanischen Stämmen, insbesondere den Markomannen, vertrieben, deren König Marbod hier kurz nach der Zeitenwende ein kurzlebiges Reich errichtete. Seit dem ausgehenden 6. Jahrhundert drangen von Osten und Norden her slawische Stämme nach Böhmen ein. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wurde Böhmen dem Frankenreich unter Karl dem Großen tributpflichtig, und wenig später wurde es Teil des Großmährischen Reiches, unter dessen Herrschaft die Christianisierung des Landes eingeleitet wurde.

3.1

Die Przemysliden

Seit dem späten 9. Jahrhundert stiegen die Przemysliden zur führenden Kraft in Böhmen auf und mit ihnen die vor allem im Prager Raum konzentrierten westslawischen Tschechen. Nach der Zerschlagung des Großmährischen Reiches durch die Magyaren 906 suchte Böhmen unter den Przemysliden die Anlehnung an das ostfränkisch-deutsche Reich; besonders der erste bedeutende Przemysliden-Herrscher Wenzel I. (Regierungszeit 921-929) betrieb diese Annäherung, ebenso wie die forcierte Christianisierung seines Landes. Beides provozierte den Widerstand nationaler und heidnischer Schichten, was wiederum König Heinrich I. zur Intervention in Böhmen veranlasste. Diese Intervention mündete 929 in der Etablierung der Lehenshoheit des römisch-deutschen Reiches über Böhmen. Böhmen galt nun, endgültig seit der römisch-deutsche König Heinrich II. um 1004 Böhmen aus der kurz zuvor errichteten polnischen Herrschaft befreit hatte, als Teil des Heiligen Römischen Reiches, bewahrte sich jedoch weitgehende Unabhängigkeit und behauptete im Reich eine einflussreiche Position, die sich u. a. in der Aufnahme des böhmischen Herrschers in den Kreis der Kurfürsten manifestierte.

1198 stieg Böhmen zum Königreich auf: Um Böhmen im staufisch-welfischen Thronstreit für seine Seite zu gewinnen, verlieh Philipp von Schwaben Herzog Ottokar I. (1197-1230) die erbliche Königswürde; 1212 bestätigte Friedrich II. dies in der Goldenen Bulle Böhmens und schrieb zugleich das lehensrechtliche Verhältnis zwischen Böhmen und dem Heiligen Römischen Reich fest. Die Lehensbindung an das Reich sank jedoch bald – parallel zur fortschreitenden Schwächung der Reichsgewalt – zu einer reinen Formalität herab.

Im 13. Jahrhundert wanderten mehr und mehr Deutsche nach Böhmen ein, vor allem in die Randgebiete und in die Städte, und trugen hier wesentlich zur Förderung von Handwerk und Wirtschaft (u. a. zum Ausbau des Gold- und Silberbergbaus) bei. Unter Ottokar II. (1253-1278) erlebte Böhmen einen machtpolitischen Höhepunkt: Ottokar erwarb das Erbe der Babenberger, wurde dadurch zum mächtigsten Reichsfürsten, verlor jedoch den Großteil seiner Erwerbungen (und sein Leben) im Kampf gegen den römisch-deutschen König Rudolf I. aus dem Hause Habsburg. Ottokars Sohn Wenzel II. (1278-1305) gewann 1300 zusätzlich zur böhmischen auch die polnische Krone sowie 1301 die ungarische für seinen Sohn Wenzel III. (1305/06). Mit Wenzels III. Tod 1306 erloschen die Przemysliden und endete die kurzlebige böhmisch-polnisch-ungarische Personalunion.

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