Auswahl der Encarta-Redaktion
Gute Bücher zum Thema "Griechische Literatur", ausgewählt von den Encarta-Redakteuren.
Verwandte Elemente
Suche in Encarta
In Encarta suchen nach Griechische Literatur

Windows Live® Suchergebnisse

Alle Suchergebnisse anzeigen:
Windows Live® Suchergebnisse

Griechische Literatur

Enzyklopädieartikel
Multimedia
HomerHomer
Artikelgliederung
1

Einleitung

Griechische Literatur, altgriechische und neugriechische Literatur, die in Griechenland und in griechischer Sprache verfasste Literatur vom 2. Jahrtausend v. Chr. bis in die Gegenwart. Sie ist eine der ältesten Nationalliteraturen der Welt. Mit ihrem Bemühen um Vollendung der Form wirkte sie gattungsbildend im Bereich von Epik, Lyrik und Dramatik und übte damit prägenden Einfluss auf die gesamte europäische Literatur aus.

2

Frühzeit (2. Jahrtausend bis 6. Jahrhundert v. Chr.)

Nach den ersten Einwanderungswellen griechischer Siedler im 2. Jahrtausend v. Chr. begannen sich aus der Vielfalt örtlicher Dialekte zwei Stammes- und Dialektgruppen auszugliedern, die ionisch-attische und die äolische (zu den griechischen Dialekten vergleiche den Artikel griechische Sprache).

2.1

Versepos

Die ersten Bewohner Griechenlands, die Menschen der ägäischen und minoisch-mykenischen Kulturen, verfügten bereits über eine reiche mündliche Literaturtradition, von der sich jedoch keine Zeugnisse erhalten haben. Sie bestand vor allem aus Arbeitsliedern und Götterhymnen sowie erzählenden Dichtungen über Götter und Helden und wurde von den im 2. Jahrtausend v. Chr. von Norden aus einwandernden Hellenen übernommen, die daraus die Stoffe für ihre Heldenepen schöpften. Siehe auch griechische Mythologie

Mit seinen ältesten überlieferten Werken, der Ilias und Odyssee Homers, die wohl im 8. Jahrhundert v. Chr. im aristokratischen Umfeld entstanden, erreichte das griechische Versepos bereits einen hohen künstlerischen Rang. Die beiden homerischen Epen wurden in breit erzählenden daktylischen Hexametern (siehe Verslehre) im ionischen Dialekt verfasst, enthalten jedoch auch Elemente des äolischen Dialekts. Die Vollkommenheit des Versmaßes deutet darauf hin, dass diese Dichtungen eher den Höhepunkt als den Anfang einer literarischen Tradition markieren. Sie wurden von professionellen Sängern (Rhapsoden) vorgetragen, die über Generationen hinweg die übernommenen Stoffe frei variierten, und blieben über vier Jahrhunderte fester Bestandteil der mündlichen Tradition.

Weitere Epen, die Randthemen der homerischen Epen behandeln, sind zum Teil in Fragmenten erhalten. Eine Gruppe solcher Epen, die zwischen 800 und 550 v. Chr. von unbekannten Dichtern verfasst wurden und die man später zum so genannten Epischen Kyklos (Kreis) zusammenfasste, behandelt den Trojanischen Krieg und den Krieg der Sieben gegen Theben. Zu den bekannten Epikern aus späterer Zeit gehören Peisander von Kameiros (6. Jahrhundert v. Chr.), Verfasser einer Herakleia, eines Heldenepos, das die Taten des mythologischen Helden Herakles schildert, Panyassis von Halikarnassos (5. Jahrhundert v. Chr.), ebenfalls Autor einer nur noch in Fragmenten erhaltenen Herakleia, und Antimachos von Kolophon (4. Jahrhundert v. Chr.), Autor des Epos Thebais und vermutlich erster Vertreter des später im Hellenismus geläufigen Typs des poeta doctus (also des gelehrten Dichters), der großen Einfluss auf die alexandrinischen Ependichter ausübte.

Eine Reihe von Werken, die früher Homer zugeschrieben wurden, rechnet man inzwischen späteren Autoren zu. Zu den ältesten gehören vermutlich die so genannten Homerischen Hymnen aus dem 7. bis 4. Jahrhundert v. Chr., eine Sammlung von vier längeren und 29 kürzeren in daktylischen Hexametern verfassten Hymnen an verschiedene Götter, die den Rhapsoden als Proömien zu ihren Rezitationen dienten (Proömien waren kleinere, vor Epen von den Sängern vorgetragene Rhapsoden). Daneben finden sich Texte wie Batrachomyomachia (Froschmäusekrieg), ein Kleinepos, das das große Heldenepos im homerischen Stil parodiert.

Im Gegensatz zu Homer steht Hesiod, der mit seinem Hauptwerk Erga kai hemerai (Werke und Tage), das wie die homerischen Epen im ionischen Dialekt geschrieben und von Elementen des äolischen Dialekts durchsetzt ist, als erster griechischer Epiker den mythologischen Bereich verlässt und ein Thema aus dem Alltagsleben behandelt, ein Lehrgedicht, das den Wert ehrlicher Arbeit anhand der Erfahrungen und Gedanken eines böotischen Bauern rühmt. Die Theogonia (Götterabstammung) erzählt vom Entstehen der Welt aus dem Chaos und der Geburt der Götter.

2.2

Lyrik

Lyrik (griechisch lyrikós, abgeleitet von Lyra) bezeichnete ursprünglich allgemein die zur Begleitung eines Saiteninstruments vorgetragene Kunstdichtung, die sich in zwei Hauptformen untergliederte, die monodische und die Chorlyrik.

Die so genannte monodische Lyrik, die von einem einzelnen Sänger vorgetragene Lyrik, entstand auf der Insel Lesbos. Der Dichter und Musiker Terpander, der auf der Insel geboren wurde, einen Großteil seines Lebens jedoch in Sparta verbrachte, gilt als erster griechischer Dichter, der Dichtung mit Musik verband. Die meisten seiner Gedichte waren Nomoi, ein hymnischer Melodientyp der altgriechischen Musik, der anfangs nur instrumental, später mit Text unterlegt vorgetragen wurde, oder liturgische Hymnen, die zu Ehren eines Gottes, vor allem Apollons, geschrieben und von einem einzelnen, von einer Lyra, also einer Leier, begleiteten Sänger vorgetragen wurden.

Auf Terpander folgten später im 7. Jahrhundert v. Chr. die großen Dichter von Lesbos, die ihre Werke im äolischen Dialekt verfassten. Alkaios behandelte in seiner Lyrik politische, religiöse und Themen aus dem persönlichen Erleben und entwickelte die Form der alkaischen Strophe. Sappho, die größte Dichterin der griechischen Antike, prägte die nach ihr benannte sapphische Strophe, verwendete aber auch andere lyrische Formen. Ihre aus subjektivem Erleben schöpfenden Gedichte über Liebe und Freundschaft zählen zu den differenziertesten und leidenschaftlichsten der antiken griechischen Literatur.

Das Distichon (griechisch: Zweizeiler), ein aus einem daktylischen Hexameter mit darauf folgendem Pentameter gebildetes Verspaar, begann sich während des 7. Jahrhunderts v. Chr. als metrische Form der antiken Elegie (daher auch: elegisches Distichon) und später des Epigramms durchzusetzen. Der erste bekannte griechische Lyriker war Kallinos aus Ephesos, der Elegien mit politischen Themen verfasste, weitere bedeutende Dichter der Frühzeit waren Tyrtaios von Sparta, Mimnermos aus Kolophon, Archilochos von Paros, der aus Athen stammende Dichter und Staatsmann Solon, der die attische Demokratie begründete, und Theognis von Megara.

Archilochos, der erste historisch belegte Dichter Griechenlands, der zudem als wichtigster Antipode des griechischen Nationalepikers galt, indem er sich gegen dessen aristokratischen Heroenkult wandte, wird die Einführung des Jambus zugeschrieben. In einer Form des Schimpf- oder Spottgedichts auf seine Gegner verwendete er das jambische Versmaß. Mit seinen Spottversen übte er großen Einfluss auf Catull und Horaz aus. Solon und andere Dichter gebrauchten jambische Verse auch für reflektierende Lyrik. Da der Jambus dem Rhythmus der griechischen Sprache des Altertums mehr als jedes andere Versmaß entspricht, wurde er in Form des jambischen Trimeters auch in den Dialogen der Tragödien verwendet. Auch die Fabeln des Äsop waren ursprünglich in jambischen Trimetern verfasst, die überlieferten Texte stammen jedoch aus jüngerer Zeit.

Die verspielten Trink- und Liebeslieder des Dichters Anakreon aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. sind in verschiedenen Versmaßen gehalten. Anakreon verfasste u. a. elegische Distichen, Epigramme und Gedichte in jambischen Versen und beeinflusste besonders die hellenistische Dichtung (Anakreonteen), an die später die Anakreontiker in Frankreich und Deutschland anknüpften. Bei seinem nur fragmentarisch erhaltenen Werk handelt es sich meist um spielerische, elegante Lieder, in denen er die Liebe und den Wein besingt. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre schlichte, klare Sprache aus.

Die so genannte Chorlyrik wurde im 7. Jahrhundert v. Chr. von Dichtern begründet, die im dorischen Dialekt schrieben, der vor allem in der Umgebung von Sparta beheimatet war und später auch in anderen Teilen Griechenlands für Chorgesänge verwendet wurde. Die Dichter aus Sparta verfassten ihre Chorlieder zunächst für Gesänge und Tänze anlässlich kultischer Feiern, etwa im Rahmen des Dionysos-Kults. Später schrieben sie Chorgesänge auch für profane Gelegenheiten, beispielsweise um einen Sieg bei den Olympischen Spielen zu feiern.

Einer der bekanntesten Dichter von Chorliedern war Thaletas. Der Überlieferung nach kam er von Kreta nach Sparta, um mit Hilfe seiner Päane (Chorhymnen) das Ende einer Epidemie von Apoll zu erflehen. Ihm folgten Terpander, der monodische Lieder und Chorgesänge schrieb, Alkman und Arion. Ein Großteil der Dichtung Alkmans bestand aus Partheneien, Chorgesängen, die anlässlich von Prozessionen von Mädchenchören vorgetragen wurden und im Ton leichter als die Päane waren. Arion hat vermutlich den Dithyrambus, das ekstatische Chorlied im Dionysoskult, zur chorlyrischen Kunstform ausgestaltet, aus der sich später die Tragödie entwickelte.

Weitere bedeutende Dichter von Chorgesängen waren der sizilianische Dichter Stesichoros, ein Zeitgenosse von Alkaios, der die triadische Form des Chorliedes einführte, sowie Ibykos aus Rhegion, von dessen Werk nur Fragmente erhalten sind. Simonides von Keos verfasste neben den Epinikien (Siegesgesänge) zu Ehren der Sieger der Olympischen Spiele auch Enkomien (Preis- und Loblieder), Klagelieder und Epigramme. Er schrieb seine Werke für viele hochrangige Persönlichkeiten. Nur noch wenige sind erhalten. Bacchylides von Keos, ein Neffe des Simonides, schrieb sowohl Epinikien als auch Dithyramben.

Mit den Werken Pindars erreichte der Chorgesang Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. einen Höhepunkt. Rund ein Viertel seines Werkes, das Chorgesänge verschiedenster Art, wie Päane, Dithyramben und Epinikien umfasst, ist überliefert, vor allem Epinikien in der von Stesichoros begründeten Form. Des Weiteren verfasste Pindar Hymnen zu Ehren der Götter, Tanzlieder, Grabgesänge und Loblieder, von denen jedoch nur noch Teile erhalten sind. Unter seinen noch fast vollständig erhaltenen Werken, die vermutlich etwa ein Viertel seines Gesamtwerks darstellen, befinden sich als Epinikien 44 Oden, die er zu Ehren der Sieger der vier nationalen Hauptfeste in Olympien, Pythien, Isthmien und Nemeen schrieb. Sie zeigen einen komplexen Aufbau, edle moralische Gesinnung und das der griechischen Chorlyrik eigene tiefe religiöse Gefühl. Pindars Lobeshymnen auf die Sieger der Festspiele enthalten als Kernstück stets einen Mythos, der entweder die Stimmung des Ereignisses ausdrückt oder den siegreichen Helden mit der mythologischen Vergangenheit verbindet. Seine Oden schließen zahlreiche moralische und religiöse Betrachtungen sowie die Verkündigung der Unsterblichkeit der Seele ein. Auf Pindar geht die Bezeichnung Pindarische Ode zurück, eine Odenform, die aus zwei gleich gebauten und einer metrisch abweichenden dritten Strophe (Epode) besteht.

Zurück
| | | |
Nächste
In diesem Artikel suchen
Druckerfreundliche Version der Seite
Versenden




© 2008 Microsoft