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Griechische LiteraturEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Frühzeit (2. Jahrtausend bis 6. Jahrhundert v. Chr.); Attische Zeit (6. bis 4. Jahrhundert v. Chr.); Hellenistische Zeit (323-146 v. Chr.); Griechisch-römische Zeit (2. Jahrhundert v. Chr. bis 4. Jahrhundert n. Chr.); Byzantinische Zeit (Mitte 4. Jahrhundert bis 1453); Neuzeit
Im 6. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich mit dem philosophischen Gedicht ein weiteres Genre, das dem Epos nahe stand und von griechischen Philosophen wie Empedokles, Xenophanes und Parmenides geschrieben wurde. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. entstand ein Teil der ältesten überlieferten griechischen Prosa, darunter medizinische Texte, die dem Arzt Hippokrates zugeschrieben werden.
Im Verlauf des 6. Jahrhunderts hatte sich in Athen das Drama entwickelt. In seiner frühesten Form bestand es aus einem Männerchor, der Chorlieder zum Vortrag brachte. Später kam ein Sprecher hinzu, der Erläuterungen zum Vorgetragenen gab und mit dem Chor in einen Dialog trat. Das Drama entwickelte sich aus dem kultischen Fest um den griechischen Gott Dionysos, der durch ein ekstatisches Chorlied, den Dithyrambus, gefeiert wurde: Als man den Chor mit Schauspielern in Dialog treten ließ und epische Heldenstoffe mit aufnahm, entstand die antike Tragödie. Sie wurde zunächst im Rahmen der jährlichen Dionysien aufgeführt. Später emanzipierte sich das Schauspiel vom Chor.
Die Gattung der Tragödie, wie wir sie heute kennen, wurde vermutlich im 6. Jahrhundert v. Chr. von dem Athener Dichter Aischylos begründet, der einen zweiten, vom Chor unabhängigen Schauspieler einführte. Von seinen rund 90 Tragödien haben sich nur sieben erhalten, darunter Der gefesselte Prometheus, die Geschichte der Bestrafung des Titanen Prometheus durch Zeus, und die Orestie, eine Trilogie, die die Ermordung des griechischen Helden Agamemnon durch seine Frau Klytämnestra, deren Ermordung durch ihren Sohn Orestes und das weitere Schicksal des Orestes behandelt. Ebenso befasste er sich intensiv mit der Inszenierung seiner Stücke und führte erstmals Elemente wie Kostüme und Bühnenbild ein. Die Themen seines Werkes – Mythos, Religion und menschliche Leidenschaften – sind tiefgründig und werden in stark poetischer Sprache umgesetzt. Der zweite der großen griechischen Tragödiendichter war Sophokles. Die wichtigste Neuerung, die er vornahm, bestand in der Einführung eines dritten Schauspielers, wodurch eine vom Chor unabhängige komplexere dramatische Handlung möglich wurde. Damit trat das Einzelschicksal stärker als bisher in den Vordergrund. Zudem gab Sophokles die bis dahin übliche Form der Tragödientrilogie zugunsten der in sich geschlossenen Einzeltragödie auf. Von seinen über 100 Werken sind nur sieben Tragödien, ein Satyrspiel (heiteres Nachspiel der Tragödientrilogie und Abschluss der Tetralogie) und über 1 000 Einzelfragmente erhalten. Sophokles wird heute vielfach als der wichtigste griechische Tragiker betrachtet, dessen Werke im Ausdruck die Mitte zwischen dem Pathos des Aischylos und den rhetorisch ausgefeilten Werken des Euripides bilden. Er erhöhte die Zahl der Choreuten von 12 auf 15. Sophokles bewirkte auch insofern eine Wandlung der griechischen Tragödie, als er neben Religion und Moral als zentralen Inhalten auch das Handeln individueller Charaktere, deren Schicksal und Not in den Vordergrund treten ließ. Euripides war der jüngste der drei großen attischen Tragödiendichter. Er schrieb rund 92 Stücke, von denen 18 Tragödien und das Satyrspiel Kyklop überliefert sind. Trotz Gebundenheit an den Mythos zeichnen sie sich durch eine lebensechte Charakterzeichnung der handelnden Personen aus, die ihr Schicksal entsprechend ihrem eigenen Charakter eigenverantwortlich gestalten. Zu seinen Hauptwerken zählen Medea, das von der Rache der betrogenen Medea an ihrem Gemahl Jason erzählt, und Hippolytos, das die Liebe Phaedras zu ihrem Stiefsohn Hippolytos und dessen weiteres Schicksal behandelt. Bei der Umsetzung seiner skeptizistischen Geisteshaltung schwankt Euripides zwischen den Extremen. So werden häufig in ein und demselben Stück einerseits menschliche Schwächen realistisch dargestellt und bitter kommentiert, andererseits zeigen sie häufig Beispiele besonderer moralischer Qualitäten wie Heldentum, Würde oder Leidenschaft. Er stellte auch besonders die bis dahin wenig beachteten Frauenrollen in den Vordergrund und porträtierte Frauen als verbrecherische oder tugendhafte Heldinnen.
Die griechische Komödie entwickelte sich aus Frühformen der volkstümlichen Belustigung. Die Komödienform ging aus dem fröhlich-ausgelassenen Maskenumzug anlässlich der Dionysosfeier (komos) hervor. Die erste bezeugte Komödie wurde 486 v. Chr. in Athen aufgeführt. Der bedeutendste Repräsentant der so genannten Alten attischen Komödie (bis etwa 400 v. Chr.), die mit Spott, Satire und Kritik direkt auf die politischen, kulturellen und sozialen Auseinandersetzungen der Zeit Bezug nahm, war Aristophanes. Von seinen 40 Stücken haben sich elf vollständig erhalten. Batrachoi (Die Frösche) beschreiben einen Dichterwettstreit zwischen den Tragödiendichtern Euripides und Aischylos, in dem Euripides unterliegt, in Nephelai (Die Wolken) wird der Philosoph Sokrates der Lächerlichkeit preisgegeben und erscheint selbst als jener Sophist, den er in den sokratischen Dialogen Platons immer zu bekämpfen vorgab. Aus der umfangreichen Produktion der so genannten Mittleren Komödie (etwa 400 bis 330 v. Chr.), deren eher unpolitische Stoffe den Niedergang der attischen Demokratie spiegeln, haben sich nur wenige Zeugnisse erhalten. Mit zwei Spätwerken des Aristophanes, Ekklesiazusai und Plutos, beide im Zeitraum zwischen 392 und 388 v. Chr. verfasst, vollzieht sich der Übergang in diese Phase. Die wichtigsten Vertreter der Mittleren Komödie waren Antiphanes von Athen und Alexis von Thruil, deren Werk jedoch nur fragmentarisch überliefert ist. Die Neue Komödie (etwa 330 bis 250 v. Chr.), in der der Chor völlig in den Hintergrund tritt, schöpft ihre Themen hauptsächlich aus dem bürgerlichen Leben und stellt menschliche Unzulänglichkeiten und Schwächen, dargestellt anhand meisterhaft gezeichneter Charaktere, in den Mittelpunkt. Ihr wichtigster Vertreter war Menander, dessen Komödien besonders die römischen Komödiendichter Plautus und Terenz beeinflussten. Von seinen über 100 Stücken hat sich nur ein einziges, Dyskolos (Der Unfreundliche), vollständig erhalten, von anderen sind Fragmente überliefert. Menanders Komödien sind häufig ähnlich gebaut und schildern Liebesverwicklungen und die sich daraus ergebenden Intrigen. Sie geben Einblick in die menschlichen Schwächen und Komplikationen des täglichen Lebens und hatten beträchtlichen Einfluss auf spätere Dramatiker wie z. B. Molière und Carlo Goldoni.
Herodot wurde bereits von Cicero als „Vater” der antiken Geschichtsschreibung gewürdigt. In seinem im ionischen Dialekt verfassten Hauptwerk Histories Apodeixis (Darlegung der Geschichte), dem ältesten Geschichtswerk in griechischer Sprache, schildert er ein Thema der Zeitgeschichte, nämlich die Ursachen und Hintergründe der Perserkriege. Sowohl antike als auch moderne Kritiker haben Herodots formale Stärke und seinen offenen, klaren und erfrischend anekdotenhaften Stil gelobt, ebenso seine reichen Kenntnisse, die zum Großteil auf eigener Anschauung beruhten. Mit seinem Ansatz, moralische Lehren aus dem Studium großer Ereignisse zu ziehen, wirkte er sehr stark auf die spätere griechische und römische Geschichtsschreibung. Trotz weitgehend referierender Darstellung zeigte Herodot bereits Ansätze einer Wahrheitssuche, indem er sich bemühte, die Ereignisse in einen Kausalzusammenhang zu bringen, glaubte jedoch noch an das Walten von Zufall und Schicksal, die das menschliche Leben unberechenbar machen, betonte aber auch die freie moralische Entscheidungsmöglichkeit. Erst Thukydides wurde mit seiner Geschichte des Peloponnesischen Krieges zum Begründer einer kritisch-pragmatischen Geschichtsschreibung. Dabei konnte er sich für seine Darstellung aus einem reichen Schatz an praktischen Erfahrungen im Bereich von Politik und Heereskunde bedienen. Er stützte sich auf eigene Beobachtungen ebenso wie auf die Aussagen von Personen, die die jeweiligen Ereignisse miterlebt hatten, und stellt seine Auswahlkriterien und Forschungsmethoden in einer methodischen Einleitung ausführlich vor. Darin beschreibt er u. a. den Umgang mit widersprüchlichen Augenzeugenberichten, die er mit großer Sorgfalt gegeneinander abwog. Seine chronologische Schilderung der Ereignisse, die in einem straffen, präzisen Stil gehalten ist, wird immer wieder von Exkursen, Reflexionen oder stilisierten Reden unterbrochen, die er historischen Persönlichkeiten zur näheren Charakterisierung in den Mund legt (z. B. die Leichenrede des Perikles). Sie dienen ihm als Rahmen für die Analyse der öffentlichen Meinung und drängender Fragen der Zeit. An diesen Stellen verdichtet sich sein Stil, wird antithetisch, abstrakt und zuweilen schwer verständlich. Viele seiner Aussagen werden von zeitgenössischen Schriften, aber auch von neueren Forschungen bestätigt. Xenophon, der selbst an einem Feldzug des jüngeren Kyros teilgenommen hatte, stellte diesen in seinem Werk Kyrou Anabasis (Der Hinaufmarsch des Kyros) dar, in dem er den Rückzug der griechischen Söldner aus Persien beschrieb. Seine Hellenika (Griechische Geschichte), eine aus spartafreundlicher Perspektive verfasste Darstellung der griechischen Geschichte unter besonderer Berücksichtigung bedeutender Persönlichkeiten, bilden die inhaltliche Fortsetzung der von Thukydides begonnenen Geschichte des Peloponnesischen Krieges. In seinen inhaltsreichen Werken erwies sich Xenophon zudem trotz ihrer manchmal starken prospartanischen Einfärbung und einer zu geringen Distanz gegenüber dem Gegenstand als Meister der klaren Ausführung, der es verstand, in einem einfachen und gefälligen Stil zu schreiben. Dies erklärt seine anhaltende Verbreitung die ganze Antike hindurch, die ihn als einen der wichtigsten Vertreter des schlichten attischen Stiles hoch schätzte, und seine anhaltende Beliebtheit als viel gelesener Schulautor. Timaios, ein Historiker aus dem 4. bis 3. Jahrhundert v. Chr., verfasste eine Geschichte von Sizilien und ein chronographisches Werk über die Olympioniken. Auf ihn geht auch die Zeitrechnung nach Olympiaden zurück.
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