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Physiotherapie

Enzyklopädieartikel
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MuskelMuskel
Artikelgliederung
1

Einleitung

Physiotherapie oder physikalische Therapie, Methoden zur Behandlung behinderter, kranker oder verletzter Patienten mit dem Ziel, die beeinträchtigten Funktionen aufrechtzuerhalten oder wiederherzustellen und Fehlfunktionen oder Fehlbildungen zu verhüten. Die Behandlung dient dazu, die verbleibenden körperlichen Beschränkungen möglichst gering zu halten, die Genesung zu beschleunigen und zum Wohlbefinden des Patienten beizutragen. Physiotherapie wird bei verschiedenen Erkrankungen von Bewegungsapparat, Nerven, Herz, Kreislauf und Atemwegen verschrieben; die Ursachen können angeborene Fehlbildungen, krankheits- oder verletzungsbedingte Behinderungen oder ererbte Funktionsstörungen sein. Physiotherapeuten arbeiten in Krankenhäusern, Rehabilitationszentren, Pflegeheimen, Schulen für behinderte Kinder, staatlichen und kommunalen Gesundheitsbehörden oder in ihrer eigenen Praxis. Neben der unmittelbaren Patientenversorgung haben sie Aufgaben in Beratung, Lehre, Verwaltung und Forschung.

2

Behandlungsformen

Als Untersuchungsverfahren dienen in der Physiotherapie u. a. manuelle Muskeluntersuchungen, elektrische Tests, Wahrnehmungs- und sensorische Prüfungen sowie die Messung des Bewegungsspielraums von Gelenken. Von großer Bedeutung sind Funktionsprüfungen, mit denen man feststellt, ob die Fähigkeiten des Patienten für die vorgesehenen Aufgaben und zur Selbsthilfe ausreichen. Unter anderem werden in der Physiotherapie folgende Behandlungsformen verwendet: Wärmebehandlung mit unterschiedlich temperiertem Wasser, geschmolzenem Wachs, Infrarot- und Ultraviolettlampen sowie mit Ultraschall, der das Körperinnere erwärmt. Bei Diathermie wird durch Anlegen eines elektrischen Stromes im Gewebe Wärme erzeugt, auf diese Weise lassen sich Schmerzen und Krämpfe lösen. Durch den Einsatz von Wasser im Rahmen einer Hydrotherapie wird u. a. die Durchblutung gefördert und der Stoffwechsel aktiviert, es werden Rückenschmerzen gelindert und Muskelzerrungen behandelt.

Eine der wichtigsten Tätigkeiten des Physiotherapeuten sind verschiedene Formen der Krankengymnastik. Sie dient zur Steigerung von Kraft und Ausdauer, zur Verbesserung der Bewegungskoordination, zur Verminderung von Bewegungseinschränkungen im Alltagsleben und zur allgemeinen Verbesserung der Beweglichkeit. Gehübungen macht man mit Hilfe von Stöcken, Gehhilfen, Gurten und künstlichen Gliedmaßen. Weiterhin nutzt man in der Physiotherapie Massagen, Bandagen, Pflaster, Schienen und Gipsverbände; Massagen führen zur Lockerung der Muskulatur und zu besserer Durchblutung. Der Physiotherapeut bringt dem Patienten und seinen Angehörigen gymnastische Übungen und den Gebrauch von Hilfsmitteln wie Prothesen und Bandagen bei. Durch Chiropraktik werden Wirbelkörper und Bandscheiben mit bestimmten Handgriffen eingerichtet. Bei der Ergotherapie (Arbeits- und Beschäftigungstherapie) erlernt der Patient Tätigkeiten, die seine Selbständigkeit und Aktivität fördern.

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Geschichtliches

Die meisten mechanischen Hilfsmittel der heutigen Physiotherapie gab es schon in der Antike. Frühe griechische und römische Schriften weisen auf die vorteilhaften Wirkungen von Sonne und Wasser hin, und sowohl Gymnastik als auch Massage nutzten schon die alten Chinesen, Perser, Ägypter und Griechen. Die moderne Physiotherapie hat ihren Ursprung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Großbritannien. Kurze Zeit später bildeten amerikanische Orthopäden Absolventinnen von Gymnastikschulen zur Patientenbetreuung in Arztpraxen und Krankenhäusern aus. Als 1916 in New York und Neuengland eine schwere Poliomyelitis-Epidemie wütete, behandelten diese jungen Frauen Tausende von Patienten.

Nach dem 2. Weltkrieg setzte sich die Physiotherapie in der Patientenversorgung allgemein durch. Einer der Gründe für die gestiegene Nachfrage nach Physiotherapie waren die eindrucksvollen Ergebnisse, die man mit verletzten Industriearbeitern sowie mit Verwundeten aus dem 2. Weltkrieg und aus den Kriegen in Korea und Vietnam erzielt hatte. Außerdem gab es in der Bevölkerung immer mehr ältere Menschen und damit auch immer mehr Patienten mit chronischen Behinderungen. Darüber hinaus wurde die Betreuung von Krankenhauspatienten sowie die generelle medizinische Versorgung weiterentwickelt.

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