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Windows Live® Suchergebnisse IslamEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Mohammed; Der Koran; Die fünf Säulen des Islam; Die Gemeinschaft und ihr Recht; Geschichtliche Formen und Reiche des Islam; Sufismus und Derwischwesen: die Mystik des Islam; Gegenwart und Zukunft: Verwestlichung und Reform
Islam, von Mohammed im 7. Jahrhundert gestiftete Weltreligion. Nach dem Christentum ist sie die zweitgrößte und gegenwärtig am stärksten expandierende Religion der Welt, deren Anhänger auf mehr als eine Milliarde Menschen geschätzt werden. Die überwiegende Mehrheit (ca. 700 Millionen) lebt in Asien und Afrika (ca. 270 Millionen); in Europa gibt es etwa 35 Millionen, in Amerika um die fünf Millionen Muslime. Die größte islamische Nation der Welt ist mit circa 140 Millionen Muslimen Indonesien, das aber kein islamischer Staat ist. Staatsreligion ist der Islam in etwa 40 Ländern in Asien und Afrika. In Deutschland beträgt die Zahl der Muslime circa 2,5 Millionen, das sind etwa 3 Prozent der Bevölkerung. Die Selbstbezeichnung Islam bedeutet die völlige Hingabe an den Willen Gottes; derjenige, der diese Hingabe zeigt, ist der Muslim (oder Moslem). Die geläufige Fremdbezeichnung Mohammedaner nach dem Namen des Gründers der Religion lehnen die Muslime selbst ab, da sie nach ihrer Auffassung eine unrichtige Parallele zur Selbstbezeichnung der Christen (und auch der Buddhisten) darstellt.
Der Stifter des Islam, Mohammed, wurde um 570 n. Chr. in Mekka geboren. Er verlor sehr früh seine Eltern, woraufhin ihn sein Oheim Abu Talib zusammen mit dem Vetter Ali aufzog. Wie die meisten Mekkaner widmete sich Mohammed dem Handel. Er heiratete seine um einiges ältere Dienstherrin Chadidscha und hatte mit ihr mehrere Kinder, darunter die Tochter Fatima, die später seinen Vetter Ali heiratete. Um das Jahr 610 empfing er in einer Höhle am Berg Hira in der Umgebung von Mekka die erste Offenbarung, die ihn erschütterte und seinem Leben eine neue Richtung gab. Erst nach einer Phase innerer Qual, in der ihm seine Frau Chadidscha beistand, erhielt er weitere Eingebungen, die nun bis zu seinem Lebensende erfolgten. Er machte zunächst nur seiner engsten Familie Mitteilung – an die Öffentlichkeit wandte er sich erst nach drei Jahren. Aber seine Botschaft von dem einen Gott, der die Welt regiert und am Jüngsten Tag richten wird, fand bei den mekkanischen Polytheisten keinen Anklang. Es gelang Mohammed nicht, sich in Mekka durchzusetzen. Glauben und Zuspruch fand er nur im Kreis der engeren Familie und Freunde. 619 starben seine Frau und der ihn schützende Oheim Abu Talib. Im Jahr 622 wanderte Mohammed nach Yathrib, das später Medina (Stadt des Propheten) genannt wurde, aus. Mit dieser Emigration, die keine Flucht war, beginnt die islamische Zeitrechnung. Mohammed bot sich in Yathrib die Chance, als Friedensrichter zwischen einander befehdenden Stämmen und Parteien zu wirken und so eine dominierende Stellung zu gewinnen. Aus dem Propheten des Endgerichts wurde der Leiter und Organisator eines theokratischen Staatswesens. Und er begann den Kampf um Mekka, den er 630 mit der Eroberung der Stadt, die sich fast ohne Widerstand ergab, erfolgreich abschließen konnte. Er ritt auf einem Kamel zur Kaaba und ließ sofort alle Götterbilder zerstören; seinen bisherigen Gegnern gegenüber verhielt er sich großmütig. Bald schloss sich der größte Teil der Arabischen Halbinsel ihm an: der Islam wurde zur Religion der Araber. Mohammed starb 632 im Haus seiner Lieblingsfrau, der jungen Aischa, deren Vater Abu Bakr zu seinem ersten Nachfolger gewählt wurde. Mit der Festigung seiner Macht auf der Arabischen Halbinsel hatte Mohammed den Grund gelegt für die weltweite Ausbreitung des Islam.
Der Koran ist die Grundlage und Stiftungsurkunde des Islam. Er ist für die Muslime das ewige Wort Gottes, das durch Mohammed wie durch ein Instrument in arabischer Sprache vernehmbar wurde. Die Offenbarungen, die Mohammed zwischen 610 und 632 empfing, wurden zunächst mündlich tradiert. Die endgültige schriftliche Redaktion, zu der der dritte Kalif Othman den Auftrag gab, erfolgte 20 Jahre nach dem Tod Mohammeds. Othman ließ alle früheren Fassungen vernichten und je eine Abschrift des Textes in den vier Zentren der damaligen islamischen Welt – in Mekka und Medina sowie in Damaskus und in Basra (Irak) – hinterlegen. Der Text des Koran ist in 114 Abschnitte (Suren) untergliedert; sie wurden vermutlich nach dem Prinzip der abnehmenden Länge aneinandergereiht. Die Suren lassen sich in zwei Gruppen einteilen, je nachdem, ob sie in Mekka (610-622) oder in Medina (622-632) offenbart wurden, was in der Überschrift jeweils angegeben wird. In Mekka überwog die kurze, situationsgebundene Offenbarung, oft verbunden mit Polemik gegen das Unverständnis der Menschen und mit Gerichtsdrohungen, während in Medina längere Ausführungen bezüglich religiöser und politischer Themen und legislative Texte in den Vordergrund traten. Die Anordnung nach der Länge hat zur Folge, dass die früheren Offenbarungen aus Mekka eher am Ende des Korans, nach den späteren Offenbarungen aus Medina, stehen. Alle Suren tragen (später hinzugefügte) Titel, nach denen sie oft zitiert werden. Als Hauptthemen lassen sich benennen: die Einzigkeit und Barmherzigkeit Gottes, die Pflichten der Muslime, biblische Gestalten wie Adam, Abraham, Moses, auch Jesus und seine Mutter Maria, sowie Gericht, Hölle und Paradies. Der Koran ist für die gesamte islamische Kultur von grundlegender Bedeutung: Er ist der Schlüssel für das gesamte islamische Geistesleben. Viele koranische Verse sind zu Lieblingsthemen für die Meditation der Mystiker und Dichter geworden. Gerade durch die Mystik ist die Symbolik des Koran so tief in die orientalische Dichtung aller Sprachen eingedrungen, dass das Verständnis dieser Poesie oft gar nicht möglich ist ohne Kenntnis des Koran. Die zentrale Bedeutung des Koran hat auch zur Folge, dass jede Antwort auf neu auftauchende Fragen und Probleme sich durch Berufung auf den Koran legitimieren und dass auch jede Reformbewegung sich an ihm orientieren muss.
Für den Gläubigen Muslim gelten fünf Pflichten, die auch die fünf Säulen des Islam genannt werden, weil sie den Islam tragen wie Säulen ein Haus.
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