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Windows Live® Suchergebnisse Befestigung und BelagerungEnzyklopädieartikel
Artikelgliederung
Einleitung; Feste und mobile Stellungen; Der Bau von Befestigungsanlagen; Belagerungstechniken; Der Beginn der Artillerie; Vauban und die Kriegsführung im 18. Jahrhundert; Befestigungen im Amerikanischen Bürgerkrieg; Der 1. Weltkrieg; Der 2. Weltkrieg; Jüngste Entwicklungen
Befestigung und Belagerung, Formen der Militärtechnik und Kriegsführung. In der Befestigungstechnik befasst man sich mit der Planung und der Errichtung von Verteidigungsbauten. Dagegen beinhaltet die Belagerungstechnik die systematischen Anstrengungen, derartige Bauten anzugreifen und einzunehmen.
Verteidigungsbauten können dauerhafter oder zeitlich begrenzter Natur sein. Beispiele für erstgenannte sind Stadtmauern, die Burgen des Mittelalters, die Grenzfestungen und Hafenverteidigungsanlagen der jüngeren Zeit. Der Bau dauerhafter Verteidigungsanlagen lässt auf ein anhaltendes Erfordernis zum Schutz politischer, ökonomischer oder militärischer Interessen schließen. Damit können auch ganz bestimmte örtliche Lagen verbunden sein (z. B. Häfen, Städte, Berge). Im Gegensatz dazu steht der Bau von zeitlich begrenzten Militäranlagen oder von Feldbefestigungen mit taktischen Erfordernissen im Feld im Zusammenhang. Zu den Beispielen zählen die Palisadenlager, die von den römischen Legionen für Übernachtungen erbaut wurden, oder der Einsatz von Sandsäcken und Schützengräben in der Geschichte der modernen Kriegsführung. Stabilisiert sich eine militärisch wechselhafte Lage, kann es vorkommen, dass eine kurzfristig eingenommene Stellung im Nachhinein stärker befestigt werden muss. Ein junges Beispiel waren Abschnitte der Westfront im 1. Weltkrieg. Im Frühjahr 1916 hatten die Alliierten einen Angriff deutscher Truppen in der Champagne erwartet. Die Offensive fand allerdings bei Verdun, dem nördlichen Eckpfeiler der französischen Front, statt. Neben den inneren und äußeren Verteidigungslinien von Verdun gab es Feldstellungen am Ostufer der Maas, 60 Forts aus Eisenbeton mit versenkbaren Panzertürmen, die man in die Erde und in den Fels hineingebaut hatte. Dazwischen existierte ein Labyrinth von Befestigungsanlagen: Drahtverhaue und Betonunterstände waren im hügeligen und waldreichen Gelände verstreut. Die Offensive kam unter hohen Verlusten fast zum Erliegen. Trotzdem wurden die Angriffe bei unübersichtlichem Frontverlauf monatelang fortgesetzt. Das Leid auf beiden Seiten war unvorstellbar. Am Ende der „Hölle von Verdun” (17. Dezember 1917) waren auf deutscher Seite 337 000 und auf französischer Seite 362 000 Gefallene zu beklagen.
Vorrangiges Ziel der Befestigung einer ortsfesten Position ist die Errichtung einer physischen Barriere, die nicht einfach überrannt werden kann und die stabil genug ist, damit die verteidigenden Kräfte die Stellung eine bestimmte Zeit halten können. In afrikanischen Dorfkriegen könnte eine dichte Dornenhecke diesen Zweck erfüllen, besonders wenn diese grün genug ist, um nicht Feuer zu fangen. An den Grenzen der Vereinigten Staaten erwiesen sich Forts mit einer fest in die Erde gesetzten und mit Sehschlitzen sowie Schießscharten für Musketen versehenen Palisade aus Holzstämmen als äußerst brauchbare Befestigungsanlage. Jedoch über Jahrhunderte hinweg und an den meisten Orten war die Steinmauer, die das zu verteidigende Gebiet umschloss und normalerweise von einem tiefen Graben umgeben war, die klassische Verteidigungsbarriere. Der Angriff auf und die Verteidigung von Mauerbauten, seien es nun Stadtmauern, Festungen und Burgen oder ausgedehnte Barrieren wie die Mauer in Medien zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris in Mesopotamien, die Chinesische Mauer oder die Vielzahl von Grenzwällen, die von den Römern erbaut wurden (siehe Limes), beruhen auf drei Grundkonzepten. Diese änderten sich bis zum Zeitalter des Schießpulvers nicht. Um zu den Verteidigern zu gelangen, mussten die Angreifer die Mauer erklettern, eine Bresche hineinschlagen oder sich unter ihr durchgraben. Die Techniken des Belagerungskrieges waren auf das Erreichen letztgenannter Ziele ausgerichtet. Die Befestigungstechniken wiederum zielten darauf ab, die Verteidigung erfolgreich durchzusetzen. Diese gegensätzlichen Techniken beeinflussten sich gegenseitig. Die Befestigungsbauer strebten danach, eine unüberwindliche Festung zu bauen, während die Belagerer sich bemühten, eine erfolgreiche Belagerungstechnik zu entwickeln. Die Wirksamkeit, mit der diese Ziele im Verlauf der Geschichte verfolgt wurden, war allerdings recht unterschiedlich. Für die Auswahl der Standorte zu verteidigender Städte war die natürliche Verteidigungsfähigkeit das ausschlaggebende Kriterium. In Griechenland war z. B. der hohe Felsen der Akropolis der Ort, an dem sich zuerst Siedler niederließen. Die Sieben Hügel von Rom, mitten in den Sümpfen des Tibers, erwiesen sich als brauchbare Verteidigungsstellung für diese Stadt. Die Phönizier der antiken Stadt Tyros, die sich durch ihre Küstenlage zu sehr Plünderern ausgesetzt sahen, zogen auf eine küstennahe Insel und fügten ihren Verteidigungsanlagen eine Wasserbarriere hinzu.
In früheren Zeiten erforderte die Belagerung einer Festung enorme Anstrengungen. Es wurden bewegliche Holztürme oder Glockengalgen zum Angriff auf die Kronen der feindlichen Mauern gebaut. Von diesen Angriffstürmen konnten Pfeil und Bogen oder Schleudern auf die Verteidiger der Garnison gerichtet werden. Solche Türme hatten ein enormes Gewicht, ein im Jahr 305 v. Chr. bei der Belagerung von Rhodos durch Demetrios I., König von Makedonien, benutzter Turm musste von 3 400 Kriegern bewegt werden. Soldaten in den unteren Stockwerken des Turmes attackierten die Mauer mit aus Baumstämmen bestehenden Sturmböcken. Diese hatten abgerundete Metallköpfe und wurden von übermannshohen Tragbalken aus mit Seilen geschwungen. Mit diesem Kriegsgerät versuchten die Angreifer Breschen in das Mauerwerk zu schlagen. Die Verteidiger ihrerseits griffen die hölzernen Türme normalerweise mit Feuer an. Zu den Geschosswurfmaschinen gehörte das Katapult. Bei einem anderen Modell handelte es sich im Prinzip um eine riesige speerwerfende Armbrust. Ein weiteres Modell ist die Balliste, bei der mittels Verdrehung von starken Seilen, die zwischen zwei senkrechten Stützen gespannt waren, bis zu 45 Kilogramm schwere Steine geworfen wurden. Die Zielgenauigkeit der Balliste war allerdings gering.
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