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Artikelgliederung
Einleitung; Die ersten Hochkulturen; Hellenistische und römische Ära; Islamische Ära; Arabische Vorherrschaft; Türkische und iranische Vorherrschaft; Europäische Vorherrschaft; Das 20. Jahrhundert; Friedensprozess
Naher Osten, politisch-geographische Bezeichnung für den Großraum, der Südwestasien und Nordostafrika und somit folgende Länder umfasst: Ägypten, Israel, Jordanien, Syrien, Libanon, Türkei, Irak, Iran sowie die Länder der Arabischen Halbinsel Saudi-Arabien, Jemen, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Bahrain und Kuwait. Die Bezeichnung Mittlerer Osten umfasst dagegen die südasiatischen Länder Afghanistan, Pakistan, Indien, Nepal, Bhutan und Bangladesch. Seit frühester Zeit haben Menschen den Nahen Osten wegen Handels- oder Machtinteressen durchquert. Verschiedene Hochkulturen entwickelten sich von hier aus, weshalb das Gebiet des Nahen Ostens auch den Beinamen „Wiege der Zivilisation” erhielt. Die ersten Städte, Regierungen, Gesetzesbücher und Alphabete stammen aus dem Nahen Osten. Vier Religionen (Judentum, Parsismus, Christentum und Islam) haben hier ihren Ursprung.
Den frühen Völkern des Nahen Ostens gelang es allmählich, entlang der großen Ströme Nil, Euphrat, Tigris und Indus Land im Bewässerungsfeldbau zu kultivieren. Die ersten Reiche waren Ägypten und Sumer; sie entstanden noch vor 3000 v. Chr. Die Sumerer wurden zunächst von den semitischen Stämmen der Akkadier und Amoriter (Amurru) aus dem Süden, später von indoeuropäischen Völkern aus dem Norden unterworfen, was zur Entstehung des Reiches Babylonien in Mesopotamien, dem Land zwischen Euphrat und Tigris, führte. Die Ägypter wurden von den semitischen Hyksos angegriffen, konnten diese jedoch wieder vertreiben, und errichteten ein mächtiges Reich. Um 1000 v. Chr. erschütterte eine erneute Welle von Invasionen den Raum, und in der Folge entstanden die Königreiche Phönizien und Israel. Die Phönizier betrieben ausgiebigen Seehandel und entwickelten eines der ersten Alphabete. Die Israeliten waren das erste Volk, das an einen einzigen, allmächtigen Gott glaubte, der sich durch heilige Schriften offenbarte. In Assyrien lebte ein kriegerisches Volk, das Werkzeuge und Waffen aus Eisen entwickelte und nach Mesopotamien expandierte. Im 6. Jahrhundert v. Chr. eroberten die Perser den gesamten Nahen Osten und führten ein Regierungssystem ein, das zum Vorbild für alle nachfolgenden Reiche wurde. Persien erstreckte sich über den gesamten Raum zwischen Indus und Nil. Die Untertanen des Reiches durften ihren jeweiligen Glauben und ihre Bräuche bewahren, solange sie die persischen Gesetze befolgten, dem persischen Staat Steuern entrichteten und die Männer der Armee dienten. Die Völker des Reiches waren zwar durch Straßen, Postverkehr und eine gemeinsame Verwaltungssprache miteinander verbunden, regelten jedoch nach wie vor den Großteil ihrer Angelegenheiten eigenständig. Staatsreligion war der Zoroastrismus (aus dem sich der Parsismus entwickelte), aber auch andere Religionen wurden geduldet. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde Persien, das inzwischen von Rebellionen und inneren Konflikten geschwächt war, von Alexander dem Großen aus Makedonien erobert.
Beginnend mit der Eroberung durch Alexander war der Nahe Osten für etwa ein Jahrtausend Teil der hellenistischen (d. h. von der griechischen Kultur geprägten) Welt. Dabei vermischte sich die griechische Kultur mit landeseigenen Sitten, denn Alexander übernahm Gedankengut und Bräuche, aber auch Beamte und Soldaten von den Ägyptern, Mesopotamiern und Persern. Der ägyptische Hafen von Alexandria wurde zu einem Zentrum von Handel und Kultur sowie zu einem Denkmal für den Eroberer, der die Stadt gründete und nach dem sie benannt ist. Als die Macht der Makedonier verfiel, eroberten die Römer weite Teile des Nahen Ostens. Persien blieb jedoch unabhängig von Rom und wurde weiterhin von eigenen Herrscherdynastien regiert, zunächst von den Parthern (248 v. Chr. bis 226 n. Chr.), danach von den Sassaniden (226-641 n. Chr.). Die Herrschaft Roms brachte Handel und Gewerbe nach Ägypten, Syrien und Kleinasien. Verschiedene Religionen, zunächst das Judentum, später das Christentum sowie der Mithras-Kult, konkurrierten im Nahen Osten zur Zeit des Römischen Kaiserreiches um Anhänger. Zu Beginn des 4. Jahrhunderts dominierte das Christentum. Konstantin der Große, der erste christliche Kaiser des Römischen Reiches, unterstrich die enge Verbundenheit des Reiches mit dem Osten, indem er seinen Regierungssitz nach Byzanz, einer Hafenstadt am Bosporus, verlegte. Sie wurde später in Konstantinopel umbenannt, entwickelte sich zu einer bedeutenden Metropole und war schließlich über einen Zeitraum von mehr als 1 000 Jahren die Hauptstadt des Oströmischen (Byzantinischen) Reiches.
Im frühen 7. Jahrhundert trat der in Mekka geborene religiöse Führer Mohammed (Muhammad) vor den Nomadenvölkern der Arabischen Halbinsel als Prophet Gottes auf. Er gründete eine Gemeinschaft von Gläubigen, die sich selbst als Muslime („die sich in den Willen Gottes ergeben”) und ihren Glauben als Islam („Hingabe”) bezeichneten. Dieser breitete sich innerhalb kurzer Zeit auf der Arabischen Halbinsel aus. Als der Prophet 632 starb, hatten seine Glaubenslehren, die auf jüdisch-christlichen und arabischen Traditionen aufbauten, bei den arabischen Völkern eine breite Anhängerschaft gefunden.
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