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Bernardo Bertolucci (*1940), italienischer Filmregisseur. Mit Filmen wie Il conformista (1971; Der große Irrtum), Ultimo tango a Parigi (1972; Der letzte Tango in Paris) und Novecento (1975/76; 1900) wurde er in den siebziger Jahren zu einem der wichtigsten Vetreter des italienischen Films. Bertolucci wurde am 16. März 1940 als Sohn eines Schriftstellers und Filmkritikers in Parma geboren. Er besuchte die Universität in Rom, wo er Literaturwissenschaften studierte, und arbeitete zunächst als Schriftsteller. Als Mitarbeiter von Pier Paolo Pasolini war er Regieassistent in dessen Film Accatone (1961; Accattone – Wer nie sein Brot mit Tränen aß), kurz darauf führte er in La commare secca (1962; Die dürre Gevatterin) erstmals selbst Regie. Sein zweiter Film Prima della rivoluzione (1963/64; Vor der Revolution), der bereits seine Vorliebe zeigt, bei der Neubearbeitung literarischer Klassiker – in diesem Fall Stendhals La chartreuse de Parme (1839; Die Kartause von Parma) – politische und sexuelle Anspielungen zu integrieren, machte ihn schlagartig berühmt. Bertolucci führte einen stark bildhaften Stil ein, der durch genau festgelegte Bewegungsabläufe, extravagante Kameraführung sowie starke Stilisierung gekennzeichnet ist und der seinen Filmen eine opernhafte Dimension verleiht. In der Folgezeit führte er Regie in der Dostojewskij-Adaption Partner (1968; Partner) und in Strategia del ragno (1970; Die Strategie der Spinne), in denen er sein Talent eindrucksvoll unter Beweis stellte, bevor er mit Il conformista (1969/70; Der große Irrtum, nach Alberto Moravia) seinen ersten großen künstlerischen Erfolg erzielte. Der Film handelt von einem Mann, der die Ideologie des Faschismus dazu benutzt, seine eigene gestörte Sexualität zu verleugnen. Für viele Kritiker ist dieser Film Bertoluccis Meisterwerk, er wurde für den Oscar in der Sparte „Bestes Originaldrehbuch” nominiert. Seine weiteren Filme schrieben Filmgeschichte, darunter der umstrittene Ultimo tango a Parigi (1972; Der Letzte Tango in Paris) mit dem alternden Marlon Brando in einer sexuell ungewöhnlich freizügigen Rolle (Oscar-Nominierung als bester Regisseur 1973), das zweiteilige Epos Novecento (1975/76; 1900), La Luna (1979; La Luna), La tragedia di un uomo ridicolo (1981; Die Tragödie eines lächerlichen Mannes), der monumentale Ausstattungsfilm The Last Emperor (1986/87; Der letzte Kaiser) über das Leben des letzten chinesischen Kaisers Pu Yi, The Sheltering Sky (1989/90; Himmel über der Wüste, nach dem Roman von Paul Bowles) und Little Buddha (1993; Little Buddha), der die Lebensgeschichte des historischen Buddha erzählt. Mit The Last Emperor gewann er allein neun Oscars, u. a. für den besten Film, für seine Regiearbeit und als Koautor des Drehbuches. Mit Stealing Beauty (1996; Gefühl und Verführung) drehte Bertolucci nach mehr als 15 Jahren wieder einen Film in Italien. Dieses Werk schwelgt in Bildern der toskanischen Landschaft und erzählt die Geschichte einer jungen, schönen Amerikanerin, die sich auf die Suche nach ihrem ersten Liebesabenteuer begibt. In der Hauptrolle ist die 19-jährige Liv Tyler zu sehen, die mit diesem Film ihren internationalen Durchbruch hatte. Es folgte der in Englisch gedrehte Fernsehfilm L’Assedio (1998; Die Belagerung), der die in ruhigen Bildern inszenierte Liebesgeschichte zwischen einem britischen Musiker und seiner aus Schwarzafrika stammenden Geliebten erzählt. Sein weitgehend als Kammerspiel inszenierter, sehr persönlicher Film The Dreamers (2003; Die Träumer) schildert die Anfänge der Pariser Studentenrevolte 1968 und ist eine kritisch-distanzierte, aber auch von Sympathie getragene Auseinandersetzung mit der Lebenshaltung und den Utopien der Achtundsechziger-Generation. 2007 wurde Bertolucci bei den Filmfestspielen von Venedig mit einem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk geehrt.
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