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Artikelgliederung
Einleitung; Uruguay 1930; Italien 1934; Frankreich 1938; Brasilien 1950; Schweiz 1954; Schweden 1958; Chile 1962; England 1966; Mexiko 1970; Bundesrepublik Deutschland 1974; Argentinien 1978; Spanien 1982; Mexiko 1986; Italien 1990; USA 1994; Frankreich 1998; Japan und Südkorea 2002; Deutschland 2006
Fußballweltmeisterschaft, internationales Fußballturnier der Nationalmannschaften, das alle vier Jahre ausgetragen wird. Diese Veranstaltung gehört zu den populärsten Sportereignissen der Welt und ist der wichtigste internationale Wettbewerb in dieser Sportart. Die Fußballweltmeisterschaft wird weltweit mit großem Interesse verfolgt. Mehr als eine Milliarde Zuschauer sahen die Fernsehübertragung des Endspiels der Weltmeisterschaft in den USA 1994. Das Turnier wird seit 1930 ausgetragen. Bis 1970 erhielt die Weltmeistermannschaft als Trophäe den „Coupe Jules Rimet”, seit 1974 wird der neu gestiftete FIFA World Cup vergeben. Im Jahr 1904 gründeten Abgesandte von sieben europäischen Fußballverbänden (Frankreich, Belgien, Dänemark, Niederlande, Spanien, Schweden und Schweiz) einen Fußballweltverband, die Fédération Internationale de Football Association (FIFA). Bereits bei diesem ersten Treffen fasste die FIFA die Austragung eines Fußballweltturniers ins Auge. Doch es vergingen noch 26 Jahre bis zur ersten Fußballweltmeisterschaft. Da Fußball zu dieser Zeit auch schon professionell gespielt wurde und die Olympischen Spiele auf Amateursportler beschränkt waren, war die Ausrichtung eines internationalen Turniers auch für Profis angezeigt.
Die erste Fußballweltmeisterschaft fand vom 13. bis zum 30. Juli 1930 in Uruguay statt. Nachdem verschiedene europäische Länder sich nicht, wie von der FIFA erhofft, um die Ausrichtung des ersten Weltturniers beworben hatten, wurde die WM im Frühjahr 1929 auf dem FIFA-Kongress in Barcelona an Uruguay vergeben. Im Anschluss daran wurde sofort mit dem Ausbau des Centenario-Stadions in Montevideo begonnen, das nach Fertigstellung der Arbeiten mit einem Fassungsvermögen von 80 000 Zuschauern zu dieser Zeit das größte Fußballstadion der Welt darstellte. Doch die europäischen Verbände zeigten wenig Interesse an einer Teilnahme in dem südamerikanischen Land. Man scheute die weite Schiffsreise und versuchte, durch übertriebene Geldforderungen eine Teilnahme zu vermeiden. Jules Rimet bereiste verschiedene europäische Länder und versuchte, die verantwortlichen Funktionäre zur Teilnahme zu bewegen. Schließlich sagten nur vier europäische Länder zu: Frankreich, Belgien, Jugoslawien und Rumänien. Insgesamt nahmen 13 Nationen teil, neben den vier europäischen neun Staaten des amerikanischen Kontinents: Argentinien, Bolivien, Brasilien, Chile, Mexiko, Paraguay, Peru, Gastgeber Uruguay und die USA. Die 13 Mannschaften wurden in der ersten Runde in drei Gruppen zu je drei und eine Gruppe mit vier Teams eingeteilt. Die vier Gruppensieger erreichten das Halbfinale. In allen Gruppen setzten sich die Favoriten durch, und es kam zu folgenden Halbfinalbegegnungen: Uruguay bezwang Jugoslawien mit 6:1, und Argentinien besiegte die USA ebenfalls mit 6:1. 100 000 Zuschauer im Centenario-Stadion sahen am 30. Juli 1930 die gleiche Endspielpaarung wie bei den Olympischen Spielen 1928 in Amsterdam. Nachdem Argentinien zur Pause mit 2:1 geführt hatte, gewann Uruguay in der zweiten Halbzeit die Oberhand und erreichte mit drei weiteren Treffern den 4:2-Endstand. Gastgeber Uruguay stellte nach zweimaligem Erfolg beim olympischen Turnier (1924 in Paris und 1928 in Amsterdam) auch den ersten Fußballweltmeister. Torschützenkönig der ersten Fußballweltmeisterschaft wurde mit acht Toren der Argentinier Guillermo Stabile, der zwar kein brillanter Techniker war, aber über eine große Grundschnelligkeit und einen harten, genauen Schuss verfügte. Trotz der Abwesenheit der starken europäischen Teams war das Turnier ein finanzieller Erfolg und weckte internationales Interesse. Ein Spiel um den dritten Platz, wie später üblich, wurde nicht ausgetragen.
Mit der Ausrichtung der zweiten Fußballweltmeisterschaft wurde Italien beauftragt. Das Turnier fand vom 27. Mai bis zum 10. Juni in Bologna, Genua, Triest, Rom, Florenz, Mailand, Neapel und Turin statt. Der Staatspräsident des faschistischen Staates, Benito Mussolini, hatte sich für Italien als Austragungsland des größten Fußballturniers der Welt stark gemacht, um internationales Renommee zu gewinnen und die WM als Propagandaveranstaltung zu nutzen. Mit großem Aufwand wurden in Neapel, Florenz und Turin neue Stadien errichtet, die bestehenden Arenen in den anderen Städten wurden ausgebaut. Nachdem vier Jahre zuvor in Uruguay nur 13 Nationen teilgenommen hatten, meldeten sich für die WM in Italien 32 Länder zur Teilnahme an. England und die anderen britischen Verbände interessierten sich nicht für eine Teilnahme; das „Mutterland des Fußballs”, das sich für das Zentrum der Fußballwelt hielt, betrachtete die Ausrichtung internationaler Turniere mit Argwohn. Titelverteidiger Uruguay revanchierte sich für das Fernbleiben der Italiener beim Turnier 1930 und zog es vor, auf eine Titelverteidigung zu verzichten. Um die Anzahl der Endrundenteilnehmer auf 16 zu beschränken, mussten Qualifikationsspiele ausgetragen werden. Für die Endrunde qualifizierten sich schließlich Ägypten, Argentinien, Belgien, Brasilien, Deutschland, Frankreich, Italien, Niederlande, Österreich, Rumänien, Schweden, Schweiz, Spanien, Tschechoslowakei, Ungarn und die USA. Die Mannschaften wurden nicht in Gruppen eingeteilt, sondern es wurde von Beginn an im K.-o.-System gespielt.
Nach dem Achtelfinale kam es im Viertelfinale zu folgenden Ergebnissen:
Im Semifinale standen sich Italien und Österreich sowie die Tschechoslowakei und Deutschland gegenüber. Der deutsche Reichstrainer Otto Nerz und sein Assistent Sepp Herberger hatten mit einem Durchschnittsalter von 23 Jahren ein äußerst junges Team zusammengestellt. Vorstopper Fritz Szepan und Mittelstürmer Edmund Conen waren die herausragenden Spieler der Mannschaft. Österreich verfügte über eines der spielstärksten Teams der Welt. Im ersten Halbfinalspiel setzte sich Italien gegen Österreich durch ein umstrittenes Tor von Giuseppe Meazza mit 1:0 durch. Das zweite Halbfinalspiel gewann die Tschechoslowakei durch ein 3:1 gegen Deutschland. Im Spiel um den dritten Platz am 7. Juni in Neapel kam Deutschland zu einem überzeugend herausgespielten 3:2-Sieg gegen die höher eingeschätzten Österreicher. Das Finale am 10. Juni in Rom verlief lange Zeit ausgeglichen und blieb dank hervorragender Torhüterleistungen torlos. Nachdem das Spiel nach der regulären Spielzeit 1:1 gestanden hatte, fiel die Entscheidung in der 97. Minute durch Schiavio, der den 2:1-Endstand besorgte und Italien zum Weltmeister machte. Torschützenkönig des Turniers wurde mit fünf Treffern der Tschechoslowake Oldrich Nejedly, ein brillanter Techniker, der über einen präzisen Torschuss verfügte und mit wenig Körpereinsatz spielte.
Jules Rimet hatte beim FIFA-Weltkongress 1934 in Rom Frankreich als Austragungsjahr der nächsten Weltmeisterschaft 1937 vorgeschlagen, damit das sportliche Großereignis mit der Weltausstellung 1937 in Paris zusammenfallen könnte. Die Vertreter der südamerikanischen Länder plädierten dafür, die nächste WM wieder auf dem amerikanischen Kontinent stattfinden zu lassen. Nachdem auf dem Kongress keine Einigung erzielt werden konnte, wurde erst zwei Jahre später eine Entscheidung herbeigeführt. Man vergab die WM nach Frankreich, als Jahr der Austragung wurde 1938 festgesetzt. Als Reaktion auf diesen Beschluss nahmen mehrere amerikanische Verbände ihre Meldung zurück, darunter auch die großen Fußballnationen Uruguay und Argentinien. Nur Brasilien, Kuba und die USA kündigten ihre Teilnahme an. Schließlich kam noch Niederländisch-Indien hinzu, nachdem auch die USA ihre Meldung zurückgenommen hatten. Die britischen Verbände lehnten weiterhin ab, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen. Die beteiligten Nationen waren schließlich Belgien, Brasilien, Italien, Norwegen, Frankreich, Tschechoslowakei, Niederlande, Polen, Schweden, Kuba, Rumänien, Schweiz, Deutschland, Ungarn und Niederländisch-Indien. Die Spiele wurden zwischen dem 4. Juni und dem 19. Juni in den Städten Paris, Toulouse, Le Havre, Reims, Strasbourg, Marseilles, Antibes, Lille und Bordeaux ausgetragen. Wie 1934 sah der Austragungsmodus von Beginn an ein K.-o.-System vor. Die Teilnahme Österreichs kam aus politischen Gründen nicht zustande. Nach dem „Anschluss” Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland wurde von höchster Stelle die Nominierung eines gemeinsamen Teams befohlen. Trainer dieser deutsch-österreichischen Mannschaft war Sepp Herberger, der nach dem Misserfolg bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin Otto Nerz abgelöst hatte. Herberger stand vor der Aufgabe, aus zwei eingespielten Mannschaften ein neues Team zu formen. Das Experiment misslang, und Deutschland unterlag in einem Wiederholungsspiel gegen die Schweiz mit 2:4, nachdem die erste Begegnung mit 1:1 geendet hatte.
Die weiteren Achtelfinalspiele endeten wie folgt:
Schweden erreichte nach dem Verzicht Österreichs kampflos das Viertelfinale. Im Viertelfinale kam es zu folgenden Ergebnissen:
Im Halbfinale besiegte Ungarn Schweden mit 5:1, Italien bezwang Brasilien mit 2:1. Das Finale zwischen Italien und Ungarn fand am 19. Juni 1938 vor 55 000 Zuschauern im Stade de Colombes von Paris statt. Das schnellere, direktere Spiel der Italiener setzte sich gegen das technisch brillante Kombinationsspiel der Ungarn durch. Italien gewann schließlich mit 4:2 und verteidigte seinen Titel. Im Spiel um den dritten Platz siegte Brasilien mit 4:2 gegen Schweden. Torschützenkönig wurde mit sieben Treffern der Brasilianer Leonidas.
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