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Windows Live® Suchergebnisse Afrikanischer NationalkongressEnzyklopädieartikel
Afrikanischer Nationalkongress (African National Congress, ANC), politische Partei in Südafrika, hervorgegangen aus der gleichnamigen Bürgerrechts- und Antiapartheid-Organisation. Seit den ersten Wahlen des Landes 1994, bei denen auch die schwarze Mehrheit ihre Stimme abgeben konnte, ist der ANC Regierungspartei, verfügt über die absolute Mehrheit der Mandate und stellt den Präsidenten; der erste schwarze Präsident Südafrikas war Nelson Mandela. Der ANC wurde 1912 in der Südafrikanischen Union als gewaltfreie Bürgerrechtsorganisation gegründet, um für die weitgehend rechtlose schwarze Bevölkerungsmehrheit die vollen Bürgerrechte durchzusetzen. Anfangs bestand der ANC vorwiegend aus Vertretern der schwarzen Mittelschicht und setzte verfassungskonforme Mittel wie Delegationen, Petitionen und friedliche Proteste ein, um die Lebensbedingungen für die schwarze Bevölkerung zu verbessern, war damit jedoch nicht erfolgreich. Erst in den vierziger Jahren wandelte sich der ANC als Antwort auf die zunehmend diskriminierende Politik der weißen Regierung in eine schlagkräftige Organisation. Der ANC-Vorsitzende Alfred B. Xuma (seit 1940) rekrutierte jüngere, engagierte Mitglieder, u. a. Nelson Mandela, Oliver Tambo und Walter Sisulu, der 1944 den ANC-Jugendverband mitbegründete und bald einer der Führer der Organisation wurde. Die immer schärferen Passgesetze, die die Regierung erließ, und schließlich die Apartheid als der Höhepunkt des weißen Rassismus trieben in den vierziger und fünfziger Jahren dem ANC scharenweise Mitglieder zu; der ANC entwickelte sich zur Massenorganisation und zum Träger und Organisator des massenhaften – noch friedlichen – Widerstandes gegen die Apartheid. 1955 verkündete der ANC seine „Freiheits-Charta”, ein Grundsatzprogramm mit dem Leitsatz, dass „Südafrika allen gehöre, die hier leben, schwarz und weiß”. ANC-Mitglieder, die der Auffassung waren, dass Südafrika nur den Schwarzafrikanern gehöre, und die auch über die Art des Kampfes gegen die Apartheid mit der ANC-Führung in Konflikt gerieten, spalteten sich 1959 vom ANC ab und gründeten den Pan-Africanist Congress (PAC). Auch der PAC organisierte – in Rivalität zum ANC – Massendemonstrationen, so etwa im März 1960 eine friedliche Protestaktion gegen die Passgesetze, die im Massaker von Sharpeville an schwarzen Demonstranten mündete. Die Regierung rief daraufhin den Notstand aus und verbot alle politischen Organisationen der Schwarzen, einschließlich ANC und PAC. Die Zeit der friedlichen Proteste war zu Ende. Während der folgenden 30 Jahre operierte der ANC aus dem Untergrund. 1961 bildete er einen bewaffneten Flügel, den Umkhonto we Sizwe („Speer der Nation”), der unter Mandelas Führung zahlreiche Sabotageaktionen gegen Einrichtungen des Staates unternahm. Mandela und Sisulu wurden 1962 bzw. 1963 verhaftet und zu lebenslänglichen Gefängnisstrafen verurteilt, Tambo verließ nach dem Verbot des ANC Südafrika und übernahm später im Exil die Führung der Organisation; zahlreiche weitere ANC-Mitglieder teilten dieselben Schicksale, so dass die gesamte Führungsriege entweder im Gefängnis saß oder im Exil lebte. In den siebziger Jahren wurde der Kampf gegen das Apartheidregime vor allem von Arbeitern und Studenten und in Form von Streiks und Demonstrationen geführt. Ein Höhepunkt dieses Kampfes war 1976 die Protestaktion von Schülern und Studenten in der schwarzen Township Soweto bei Johannesburg gegen die Einführung von Afrikaans als Unterrichtssprache; die Sicherheitskräfte schlugen die Demonstration gewaltsam nieder, etwa 250 Schwarze wurden getötet. Diese Aktion hatte auf Seiten der Apartheidgegner eine Verschärfung des Kampfes gegen das Apartheidregime zur Folge, was auf Seiten der Regierung eine Verschärfung der Repressionen nach sich zog. Trotz des Verbots stieg die Mitgliederzahl des ANC weiter an, der politische Kampf wurde nun auf alle Lebensbereiche übertragen. Als der neue südafrikanische Präsident Frederik Willem de Klerk 1990 das Ende der Apartheid einleitete, das Verbot u. a. des ANC aufhob, den seit 1986 bestehenden Ausnahmezustand beendete und die Freilassung politischer Gefangener, darunter Mandela, verfügte, sagte sich der ANC vom bewaffneten Kampf los und wandelte sich von einer Untergrundorganisation zu einer politischen Partei, die auf friedlichem Weg, d. h. über demokratische Wahlen, an die Macht gelangen wollte. In der Folgezeit übernahm der ANC unter der Führung Mandelas eine maßgebliche Rolle in dem Dialog zwischen verschiedenen Organisationen und Parteien und der weißen Regierung über die Umgestaltung Südafrikas in einen demokratischen, von Rassismus freien Staat. Mandela war seit Juli 1991 Vorsitzender des ANC; in diesem Amt hatte er Oliver Tambo abgelöst, der die Organisation mehr als zwei Jahrzehnte lang aus dem Exil geleitet hatte. Bei den ersten freien, demokratischen und durch kein rassistisches Gesetz mehr eingeschränkten Wahlen in Südafrika vom 27. bis zum 30. April 1994 erreichte der ANC mit 62,6 Prozent die absolute Mehrheit der Stimmen und Mandate und übernahm nun die Regierung; am 2. Mai 1994 übergab de Klerk das Präsidentenamt an Mandela. Auf dem 50. Kongress des ANC im Dezember 1997 wurde Thabo Mbeki zum Nachfolger von Nelson Mandela im Amt des Parteivorsitzenden gewählt; Mandela hatte aus Altersgründen und um frühzeitig die Nachfolgefrage in Partei und Staat zu regeln, nicht mehr kandidiert und seinen bisherigen Stellvertreter als neuen Parteichef empfohlen. Bei den zweiten freien Parlamentswahlen in Südafrika im Juni 1999 konnte der ANC seine Mehrheit auf 66,35 Prozent ausweiten und verfehlte damit die – etwa für Verfassungsänderungen notwendige – Zweidrittelmehrheit im Parlament um nur einen Sitz. Zum neuen Staatspräsidenten wählte das Parlament Thabo Mbeki. Infolge eines neuen Gesetzes, das es Abgeordneten innerhalb einer bestimmten Frist erlaubte, die Partei zu wechseln, ohne ihr Parlamentsmandat zu verlieren, kam der ANC im April 2003 doch noch zu einer Zweidrittelmehrheit im südafrikanischen Parlament; er verfügte nun über 275 (statt bisher 266) Mandate. Bei den Parlamentswahlen im April 2004 erreichte der ANC schließlich mit gut 69 Prozent der Stimmen und 279 Mandaten aus eigener Kraft die Zweidrittelmehrheit; Mbeki wurde im Präsidentenamt bestätigt. Im Dezember 2007 wählte der ANC-Parteikongress gegen den Amtsinhaber Mbeki dessen bisherigen Stellvertreter Jacob Zuma zum neuen Parteivorsitzenden. Vorausgegangen war ein heftiger Macht- und Flügelkampf innerhalb des ANC zwischen dem marktwirtschaftlich orientierten Mbeki und dem zu sozialistischen Strukturen tendierenden Zuma und ihren jeweiligen Anhängern.
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