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Charta 77

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Václav HavelVáclav Havel

Charta 77, Bürgerrechtsgruppe in der Tschechoslowakei, die 1977 gegründet wurde und bis 1990 aktiv war. Die Charta 77 forderte mehr bürgerliche und politische Freiheiten und war im November 1989 maßgeblich an der Gründung des so genannten Bürgerforums beteiligt, das sich dann an die Spitze der Demokratiebewegung setzte. Die Gruppe ist nach einem Dokument benannt, in dem sie unter Berufung auf die KSZE-Schlussakte von Helsinki von 1975 sowie zwei Menschenrechtsabkommen der Vereinten Nationen die tschechische Regierung 1977 aufforderte, die Einhaltung der Menschenrechte in der Tschechoslowakei zu gewährleisten.

Die Bürgerrechtsbewegung entstand in Reaktion auf die Invasion der Truppen des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei im August 1968. Im Vorfeld der Invasion hatte der Erste Sekretär der tschechoslowakischen KP, Alexander Dubček, im Rahmen des so genannten Prager Frühlings liberale und demokratische Reformen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft eingeleitet. Die Sowjetunion sah durch diese Reformen und ein mögliches Übergreifen der Reformbewegung auf andere sozialistische Länder ihre Führungsrolle innerhalb des Ostblocks bedroht, ließ daher im August 1968 den Prager Frühling niederschlagen und betrieb im April 1969 die Ablösung Dubčeks durch Gustav Husák (siehe Breschnew-Doktrin). Aus Protest gegen die Menschenrechtsverletzungen des neuen Regimes setzten über 200 Personen, vor allem Intellektuelle, Universitätsangehörige und Kirchenvertreter, ihre Unterschriften unter das Charta-77-Papier, das im Januar 1977 veröffentlicht wurde.

Die Bürgerrechtsgruppe Charta 77 wurde von einigen Befürwortern des Papiers am 1. Januar 1977 ins Leben gerufen. Ihre führenden Mitglieder und Sprecher waren der Philosophieprofessor Jan Patocka, der Schriftsteller Václav Havel sowie Jiri Hájek, Professor und ehemaliger Außenminister der Tschechoslowakei während der Dubček-Ära. Die Gruppe forderte in erster Linie die Einhaltung der Bürgerrechte in der Tschechoslowakei entsprechend der KSZE-Schlussakte. Ihre Mitglieder waren seitens der Staatsmacht starken Repressalien wie z. B. Berufsverboten, Verhaftungen und Verurteilungen ausgesetzt, und die Gruppe wurde in den Untergrund gezwungen; aber auch aus dem Untergrund heraus konnte sie ihre Kontakte zum Westen aufrechterhalten und ihn immer wieder mit Berichten über Menschenrechtsverletzungen versorgen. Ebenso blieben die Mitglieder der Gruppe im Untergrund publizistisch aktiv; die Werke Havels z. B. erschienen nach 1977 im westlichen Ausland.

Unter dem Eindruck der Reformpolitik des sowjetischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow wurden auch in der Tschechoslowakei zunehmend Forderungen nach Veränderungen laut. Am 17. November 1989 versammelten sich mehrere hunderttausend Demonstranten in Prag und klagten demokratische Reformen ein. Zwei Tage später formierten tschechoslowakische Oppositionsgruppen unter der Führung der Bürgerrechtsgruppe Charta 77 eine demokratische Sammlungsbewegung, das Bürgerforum. Es folgten Großdemonstrationen und Streiks, die schließlich in einem zweistündigen Generalstreik am 27. November gipfelten. Infolge der massiven öffentlichen Proteste traten einige hochrangige Regierungsmitglieder zurück, und die verbliebenen Regierungsmitglieder nahmen Verhandlungen mit dem Bürgerforum auf. Im Dezember 1989 wurde Havel, einer der Wortführer des Bürgerforums, einstimmig von beiden Häusern des Bundesparlaments zum Staatspräsidenten der Tschechoslowakei gewählt. Havel war der erste nichtkommunistische Staatschef der Tschechoslowakei seit 1948. Die Charta 77 wurde 1990 aufgelöst.

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